Annäherungen an die gläserne Decke

3. August 2010, 17:47
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Transparentere Kriterien gegen niedrige Frauenquoten in der Wissenschaft gefordert

Gerade einmal zehn Prozent Sprechzeit haben Frauen in Wissenschafts- und Forschungssendungen im deutschsprachigen Raum. Das habe eine Untersuchung des Instituts für Medienproduktion an der FH St. Pölten ergeben, berichtete deren Rektorin Barbara Schmid.

Anlass war die Vergabe von "Guiding Lights für Frauen in der Wissenschaft" durch Wissenschaftministerin Beatrix Karl an Schmid, Eva Werner, Rektorin der FH Krems, an Sonja Hammerschmidt, die mit ihrer Berufung an die Veterinärmedizinische Universität die erste weibliche Uni-Chefin wird, sowie an Barbara Weitgruber, die seit 1. August wieder die Forschungssektion im Wissenschaftsministerium leitet.

Die jüngsten Bestellungen zeigten, dass auch in Österreich exzellente Frauen zunehmend an die Spitze kommen könnten, sagte Karl. Der Professorinnenanteil an den Unis sei immerhin von 15 Prozent im Jahr 2005 auf 19 Prozent im Vorjahr gestiegen - laut Karl "noch nicht der ultimative Sprung, aber ein guter Anfang". 56 Prozent der Studienabsolventen sind weiblich, bei den Dozenten sind es nur mehr 21 Prozent - je höher die Karrierestufe, desto dünner die Luft für Frauen.

Sektionschefin Weitgruber betonte, dass es gelte, mehr Gutachterinnen für die Vergabe von Forschungsgeldern einzusetzen und die Kriterien transparenter darzustellen. "Die Bewertungsverfahren für wissenschaftliche Exzellenz sind nicht immer genderneutral", nannte sie einen der Gründe für die niedrigen Frauenquoten. Eine schwedische Studie habe gezeigt, dass selbst Frauen Forschungsanträge von Frauen strenger beurteilen und frauendominierte interdisziplinäre Projekte schlechter bewertet werden.

Während zwischen 1996 und 2006 nur zwei Frauen den Start-Preis für exzellente Forschung erhielten, war 2010 erstmals die Hälfte der PreisträgerInnen weiblich. Das liege auch daran, dass 2007 die Rahmenbedingungen frauenfreundlicher gestaltet wurden, sagte Weitgruber.

"Frauenförderung beginnt nicht an der Hochschule, sondern im Kindergarten", betonte Sonja Hammerschmid. "Das Thema Selbstbewusstsein gilt es massiv zu erarbeiten." Auch an der VetMed gebe es viel nachzuholen. Obwohl 80 Prozent der Studierenden weiblich sind, liegt der Anteil an Professorinnen nur bei knapp 20 Prozent. (kri/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.8.2010)

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