Liebe ist katastrophal

3. August 2010, 15:51
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In Salzburg widmet "Das Kino" Stefan Zweig und der filmischen Umsetzung seines Werks eine Veranstaltungsreihe

Stefan Zweigs Novellen sind wegen ihrer bildhaften Sprache attraktive Filmvorlagen. Mehr als 20 seiner Werke sind für die Leinwand adaptiert worden, eine von den Salzburger Festspielen, dem Stefan Zweig Centre und Das Kino organisierte Reihe mit dem Titel Die Liebe. Ein Abgrund stellt sechs davon vor, darunter die österreichische Spielfilmdoku Drei Leben. Friderike, Lotte und Stefan Zweig (1993) von Wilma Kiener und Dieter Matzka. Das Regieduo rekonstruiert anhand autobiografischer Schriften die letzten Lebensjahre des Dichters und seiner Ehegattinnen. 1941 erreichte Zweig mit seiner zweiten Frau Lotte das New Yorker Exil, wo er - zwecks Niederschrift seiner Erinnerungen Die Welt von gestern - die Hilfe der ersten Frau, Friderike, suchte. Im Februar des folgenden Jahres beging Stefan Zweig in Brasilien Selbstmord. Bei der Vorstellung am Freitag, dem 13., sind die in Bayern lebenden Filmemacher anwesend. Eine dramatisierte Fassung von Stefan Zweigs Novelle Angst

steht heuer auf dem Spielplan der Festspiele, der Stoff wurde auch zweimal verfilmt: 1954 von Roberto Rossellini und 38 Jahre danach vom Franzosen Daniel Vigne. Die Gattin eines reichen Pharmafabrikanten ist von ihrer Ehe gelangweilt und beginnt eine Affäre mit einem jungen Musiker. Als sie von einer Mitwisserin erpresst wird, scheint ihr nur mehr die Wahl zwischen Geständnis oder Selbstmord zu bleiben. Rossellini interessiert weniger das Psychogramm einer untreuen Frau, denn die erfolgreiche Unternehmerin, bei Vigne steht das Klima der Angst in Wien am Vorabend des Einmarsches der Hitler-Truppen im Vordergrund.

Dieser sogenannte "Anschluss" ist in der Schachnovelle bereits geschehen, Curd Jürgens und Hansjörg Felmy spielen in Gerd Oswalds deutscher Filmversion von 1960 die Hauptrollen. Der Brite Andrew Birkin zeichnet für Brennendes Geheimnis (mit Klaus Maria Brandauer und Faye Dunaway) verantwortlich: Ein zwölfjähriger Diplomatensohn reist mit seiner Mutter in einen österreichischen Kurort, Heuchelei und Verstellung dominiert die Welt der Erwachsenen. Nouvelle-Vague-Pionier Francois Truffaut schätzte Max Ophüls' Verfilmung von Briefe einer Unbekannten außerordentlich. Ophüls realisierte die Geschichte einer unerfüllten, verzehrenden Liebe 1948 im Hollywood-Exil als Rückblende. (Wolfgang Dorfi, DER STANDARD/Printausgabe, 04.08.2010)

Bis 13. 8. Das Kino, Salzburg, 0662/87 31 00

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    Bildhafte Sprache, menschliche Schicksale und ein genauer Blick für das Leben:Stefan Zweig.

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