Ehefrau erwürgt: Acht Jahre Freiheitsstrafe

3. August 2010, 17:35
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47-Jähriger wegen Totschlags verurteilt – Töchter riefen die Polizei

Korneuburg - Ein 47-Jähriger bekannte sich vor Gericht der Tötung im Affekt seiner Ehefrau schuldig, die aufgrund von Würgen starb; laut Staatsanwalt brach der Ringknorpel mehrfach und es kam zu Einblutungen in die Halsmuskulatur. Der Mann soll am 14. Dezember 2009 die 39-Jährige erwürgt und anschließend versucht haben, sich mit einem Mix aus Alkohol und Tabletten das Leben zu nehmen. Die Kinder des Paare entdeckten die Tat.

Der Mord soll am 14. Dezember in den Mittagsstunden passiert sein. Als die 16- und 17-jährigen Töchter des Ehepaares von der Schule nach Hause kamen und die Wohnungstüre nicht öffnen konnten, verständigten sie die Polizei. "Es dürfte schon länger Zwistigkeiten zwischen den Eltern gegeben haben, also haben die beiden Kinder gleich Verdacht geschöpft" , hieß es damals seitens der Exekutive.

Gestern musste sich der Mann im Landesgericht Korneuburg vor einem Geschworenensenat verantworten. An jenem Dezembertag sollte sich die Frau ihre österreichische Staatsbürgerschaftsurkunde abholen. Als sie früher von ihrem Arbeitsplatz zurückkam, entspann sich der Streit um die bevorstehende Trennung in der gemeinsamen Wohnung in Gramatneusiedl. Nach dem die Frau ihn provozierte, die Kinder wären nicht von ihm, sah er "schwarz" , hieß es in der Anklageschrift. Zeugen gebe es dafür nicht. Auf die Frage, ob ihm bewusst war, dass seine Frau bei seinem Angriff sterben könnte, räumte der 47-Jährige mit tränenerstickter Stimme ein, er habe es für möglich gehalten.

2,14 Promille

Der gebürtige Slowene gab an, durch Alkohol beeinträchtigt gewesen zu sein. Laut Untersuchungsergebnissen befanden sich Alkohol und blutdrucksenkende Medikamente in seinem Blut, jedoch kein Frostschutzmittel, wie von ihm angegeben. Es kann sich dabei um einen Selbstmordversuch nach der Tat handeln. Beim Beschuldigten wurde am Nachmittag ein Alkoholgehalt von 2,14 Promille festgestellt, zum Tatzeitpunkt war er allerdings laut Anklageschrift zurechnungsfähig.

Nach den Ausführungen des Staatsanwalts war das Paar seit 17 Jahren verheiratet gewesen. Im Juni 2009 fuhr die Frau auf Urlaub nach Kroatien, wo sie ein außereheliches Verhältnis begann, hinter das der Angeklagte im September kam. Die Frau zog aus dem gemeinsamen Schlafzimmer aus, wollte die Scheidung, es kam zu Auseinandersetzungen, die an jenem Tag ein letales Ende nahmen. Die Tat sei nicht im Affekt verübt worden und der Suizidversuch (und ein folgender in der psychiatrischen Klinik) eine Scheinhandlung gewesen, betonte der Staatsanwalt Christian Pawle in seinem Schlussvortrag.

Verteidiger Rudolf Mayer wies die Darstellung des Anklägers, sein Mandant sei ein Psychopath, unter Hinweis auf dessen bisheriges Leben zurück: Der Beschuldigte sei ein typischer Konflikttäter, so Mayer. Die beiden Töchter schilderten, in der Ehe ihrer Eltern sei bisher nie zu Übergriffen gekommen.

Das Urteil: Acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte nahm Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 4. August 2010)

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