Der (Kampf-)Hund, seine Trümmerl und die Wiener Stadtpolitik

3. August 2010, 15:36
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Ob eine Hundepartei bei der Wiener Wahl wohl Chancen hätte?

Auch wenn es Innenpolitikjournalisten in ihrer Überzeugung, die (österreichische) Welt täglich verändern zu können, gar nicht gerne hören: Die Angelegenheiten, die den Wähler bewegen, sind oft nicht die, die die Politik in den Grundfesten erschüttern. Da mögen zugleich Millionenskandale stattfinden, was viele Menschen wirklich bewegt sind solche Themen: Hundehaufen. Fahrradwege. Rauchverbote. Parkplätze.

Nehmen wir das Beispiel Hunde. Der Hund (inklusive seiner Ausscheidungen) ist seit Jahrzehnten kommunalpolitisches Topthema. Politologe Hubert Sickinger, der 2006 ein Buch über Wiener Bezirkspolitik geschrieben hat, sprach damals mit allen Bezirksvorstehern darüber, welche Wünsche und Beschwerden aus der Bevölkerung an sie herangetragen werden. Das Ergebnis: „Einhellig wurden Hunde und Parkplätze genannt", erinnert sich Sickinger.
Irgendwie nicht überraschend, dass sich immer wieder Gruppen darin versuchen, daraus auch politisches Kapital zu schlagen. Im Jahr 2000 wollte bei der Wienwahl etwa die „Partei der Hundefreunde" kandidieren. Geschafft haben sie es nicht – keine Überraschung, meint Sickinger. „Single-Issue-Parteien wie Autofahrer oder Hundefreunde reüssieren so gut wie nie". Das liege nicht zuletzt auch daran, dass die Proponenten „oft an ihrer eigen Verschrobenheit scheitern". Außerdem würden die Spezialthemen oft auch von etablierten Parteien vertreten.

foto: derstandard.at/eder

Jedenfalls sind die Hunde bereits Wahlkampfthema, etwa mit dem jüngst beschlossenen Hundeführschein und seiner umstrittene Rassenliste. Eine eigene Hundepartei dürfte diesmal nicht kandidieren, aber die Partei „Mensch Umwelt Tierschutz" (früher Tierrechtspartei) will es wissen und sammelt gerade Unterstützungserklärungen. Man will laut Leitbild "frei von jeglichen weltanschaulichen, ideologischen, religiösen und kulturtraditionalistischen Scheuklappen" sein und für die Rechte von Tieren aller Art eintreten.

Und dann war da auch noch die Werbung von Staatssekretärin und ÖVP Wien-Spitzenkandidatin Christine Marek, die in SMS-Form verkündete: „An alle Kampfhunde im Tierheim: Wer am lautesten bellen kann bekommt ein Mandat bei der FPÖ". Prompt erzürnte sich die FPÖ über Mareks Spruch und meinte per Aussendung: sich über Tierleid lustig zu machen zeige, dass Marek eine „Hundefeindin" sei. Das wollten wir genauer wissen – Frau Staatssekretärin, sind Sie eine Hundefeindin? „Die Anspielung auf Kampfhunde sollte keinesfalls das Leiden der Tiere verharmlosen", lässt Marek derStandard.at ausrichten. „Wir wollen vielmehr den aggressiven, inhaltsleeren und in manchen Bereichen leider auch menschenfeindlichen Wahlkampf des rechten Lagers verdeutlichen".

Soviel Hund im Wahlkampf – ob da die Kronen Zeitung nicht doch noch aufspringen sollte? Das würde wohl wirklich zeigen, wie stark die Macht des Massenorgans in der Ära Post-Dichand noch ist: Die Schaffung beziehungsweise Unterstützung einer Hundeliebhaberpartei. Ich schätze, damit wären wohl zumindest ein paar Bezirksvertretungsmandate zu holen. (Anita Zielina, 3.8.2010)

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