"Leihopa": Verurteilter Mörder betreute 12-Jährigen

3. August 2010, 12:45
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Innsbrucks Jugendwohlfahrt verteidigt Vorgehen - Die Mutter habe vom Hintergrund des Mannes gewusst und trotzdem den Kontakt zugelassen

Die Innsbrucker Jugendwohlfahrt hat am Dienstag ihr Vorgehen im Zusammenhang mit dem 1999 wegen Mordes an einem Zwölfjährigen verurteilten Tirolers verteidigt, der nach seiner Freilassung zuletzt einen achtjährigen Schüler in der Landeshauptstadt betreut hatte. Die Mutter habe vom Hintergrund des Mannes gewusst und trotzdem den Kontakt zugelassen. Unter anderem sei in der Schule beobachtet worden, dass das Kind sich "auffallend aggressiv" verhalte. Daraufhin sei der Bub in einer Einrichtung der Jugendwohlfahrt untergebracht worden. Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft seien im Laufen.

Wie die Leiterin der Jugendwohlfahrt, Gabriele Herlitschka, in einer schriftlichen Erklärung betonte, habe ihre Einrichtung Ende März dieses Jahres eine anonyme Gefährdungsmeldung erhalten, wonach der wegen Mordes verurteilte Mann wieder mit einem Kind gesehen worden sei. Versuche, den Mann bei einem unangemeldeten Hausbesuch anzutreffen, seien gescheitert. In diesen Tagen habe die Jugendwohlfahrt auch eine Gefährdungsmeldung der Schule erhalten, wonach sich ein Kind, das von einem "Leihopa" betreut werde, "auffällig aggressiv" verhalte.

Mutter kannte Vorgeschichte

Die Mutter sei daraufhin mit der Vorgeschichte des Mannes konfrontiert worden, wobei ihr Kontakte ihres Kindes zu dem Pensionisten untersagt worden seien. Nachdem die Schule mitgeteilt habe, dass es offenbar doch wieder Kontakt zwischen den beiden gegeben hätte, sei das Kind sofort von seiner Mutter getrennt und in der Einrichtung der Jugendwohlfahrt untergebracht worden. Weitere Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft seien erst nach dem Bruch der schriftlichen Verpflichtungserklärung durch die Mutter möglich gewesen.

Die Bluttat hatte sich am 13. Oktober 1998 in der Innsbrucker Wohnung des Jugendbetreuers ereignet. Er gab im Sommer 1999 vor Gericht an, sich mit dem zwölfjährigen Peter zum gemeinsamen Selbstmord solidarisiert zu haben. Während der Schuss aus einem Revolver losging und den Buben tötete, sei die Kugel in seinem Winchester-Gewehr jedoch stecken geblieben.

Die Anklage hatte auf Mord plädiert, weil sich der Bub der Tragweite der Tat nicht bewusst gewesen sei. Der Verteidiger sprach von Beihilfe zum Selbstmord. Die Geschworenen folgten jedoch schließlich der Meinung des Staatsanwalts, dass die Unterstützung des 51-jährigen beim Selbstmord seines Freundes rechtlich als vorsätzliche Tötung zu werten sei. Das Urteil wurde später höchstgerichtlich bestätigt. (APA)

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