Industrieller kauft um einen Dollar "Newsweek"

3. August 2010, 17:04
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Stereoanlagen-Pionier Sidney Harman übernimmt defizitäres Blatt von Verlag der "Washington Post" für symbolischen Preis

Washington - Das traditionsreiche US-Magazin "Newsweek" hat einen neuen Besitzer. Nach fast 50 Jahren verkaufte der Washington-Post-Konzern die Zeitschrift an den kalifornischen Milliardär Sidney Harman, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Laut Medienberichten zum Preis von einem symbolischen Dollar. Das Mutterhaus der renommierten Tageszeitung "Washington Post" hatte das 1933 gegründete Nachrichtenmagazin 1961 übernommen. Die Zeitschrift hatte sich über Jahrzehnte einen Kampf gegen den Hauptkonkurrenten "Time" geliefert, schrieb zuletzt aber hohe Verluste.

Der neue Besitzer Sidney Harman, der inzwischen über 90 Jahre alt ist, machte sein Vermögen mit Stereoanlagen. In den 50er Jahren war er mit seiner damaligen Firma Harman/Kardon einer der Pioniere dieser Technik. Harman erklärte, die Investition in "Newsweek" erfolge nicht aufgrund von "herkömmlichen ökonomischen Überlegungen". Er würde es bereits als Erfolg ansehen, wenn sich das Magazin einfach nur selbst tragen würde. Dazu wolle er die Zeitschrift künftig parallel auf die Schienen Print, Internet und Mobilfunk ausrichten.

Harman kündigte an, die meisten der 350 Mitarbeiter behalten zu wollen. "Meine Absicht ist, das Magazin in einer vernünftigen Zeit - Jahre, nicht Wochen - wieder eigenständig zum Laufen zu bringen", sagte der Industrielle, der sich 2008 aus dem Tagesgeschäft seiner Firma zurückgezogen hatte.

Seit 2007 in den roten Zahlen

"Newsweek"-Chefredakteur Jon Meacham kündigte seinen Rücktritt an. Er hatte die Aufgabe 2006 übernommen, doch das Magazin leidet unter den ungünstigen Wirtschaftsbedingungen ebenso wie unter dem Andrang der Online-Konkurrenten. Das 1933 gegründete Magazin gehörte der Washington Post Co. seit 1961. Wegen eines kontinuierlichen Auflagen- und Anzeigenrückgangs steckt das Blatt seit 2007 in den roten Zahlen. Der Verlust betrug im vergangenen Jahr mehr als 28 Mio. Dollar (21,4 Mio. Euro), und auch für das laufende Jahr sind Verluste abzusehen.

Harman, der sich beim Erwerb von "Newsweek" gegen mehrere andere Interessenten durchsetzte, gründete 1953 Harman International Industries. Der Konzern, der unter anderen mit den Marken Harman Kardon, JBL, Infinity, Becker (Autoradios) und AKG (Kopfhörer) auch in Deutschland vertreten ist, erzielt einen Jahresumsatz von etwa 3 Mrd. Dollar.

"Newsweek" verlor allein in den vergangenen beiden Jahren gut 15 Prozent seiner Leser. Viele von ihnen waren zu Gratisangeboten im Internet abgewandert. Mit einer Auflage von zuletzt 2,3 Millionen Exemplaren rangierte "Newsweek" weit hinter "Time" mit 3,4 Millionen gedruckten Exemplaren. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, angeblich beträgt er einen symbolischen Dollar. Harman wolle dafür die Verbindlichkeiten von "Newsweek" übernehmen, heißt es. (APA/AFP/apn)

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    "Newsweek" bekommt einen neuen Besitzer.

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