Neue Enzymkombinationen zur Glutenverdauung

3. August 2010, 08:14
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Entwicklung neuer Therapien zur gelegentlichen Unterbrechung einer glutenfreien Diät

Wien - Aktuelle Berichte lassen darauf schließen, dass die Anzahl an Zöliakie-Erkrankungen zunimmt, äußerten Experten der National European and Mediterranean Societies of Gastroenterology (ASNEMGE) für die United European Gastroenterology Federation (UEGF). Innovative Diagnoseverfahren erzielen 100 % Sensitivität für die Diagnose von Zöliakie. Im Bereich der Ernährung stehen neue Enzymkombinationen zur Verfügung, mit denen Patienten glutenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen und dabei das Risiko einer Glutentoxizität verringern oder ausschalten könnten.

Europäische und internationale Studien weisen darauf hin, dass 1 % der Gesamtbevölkerung an Zöliakie leidet. Es besteht jedoch eine hohe Dunkelziffer, die darauf zurückgeführt werden könnte, dass viele Ärzte bei Zöliakie-Patienten „klassische" Formen von Malabsorption, Steatorrhoe oder Gewichtsverlust vermuten. Nach heutiger Auffassung sind Zöliakie-Patienten im Allgemeinen Erwachsene, meist zwischen 40 und 60 Jahre alt. Sie weisen häufig unspezifische gastrointestinale Symptome beziehungsweise auch gar keine Gastrointestinalsymptomatik auf. Auch der Body-Mass-Index dieser Patienten liegt meist im normalen oder erhöhten Bereich.

Latente Zöliakie oder Glutenempfindlichkeit

Jüngere finnische und amerikanische Berichte legen nahe, dass die Zahl der Zöliakie-Erkrankungen zunimmt. Diese Studien basieren auf vergleichenden Kohortenstudien zur Zöliakie, die zunächst während der 1980er Jahre und im Jahr 2000 ausgewertet wurden. „Es ist zu berücksichtigen, dass die Mortalität nicht nur bei Patienten mit Zöliakie erhöht ist, sondern auch bei Personen mit latenter Zöliakie", erklärt ASNEMGE Experte Jonas F. Ludvigsson (Karolinska Institut und Örebro Universitätsklinik, Schweden). Gemäß der Definition in der JAMA Studie von Ludvigsson (JAMA. 2009; 302(11): 1171-1178) zeichnet sich eine latente Zöliakie dadurch aus, dass bei normaler Mukosa des Dünndarms eine positive Zöliakie-Serologie vorliegt. Dies dürfte bei mindestens 1 von 1000 Personen der Fall sein. Laut dem Bericht von Ludvigsson sterben innerhalb eines Jahres 10 von 1000 Personen mit Zöliakie. Im Vergleich dazu ist mit dem Tod von 7 von 1000 Personen ohne Zöliakie zu rechnen. Ludvigsson ist einer der acht „Rising Star"-Preisträger von ASNEMGE und UEGF anlässlich der United European Gastroenterology Week (UEGW), die am 23.-27. Oktober dieses Jahres in Barcelona (Spanien) stattfinden wird.

Innovative Diagnostik - Neue Therapien

Innovative Diagnoseverfahren erzielen 100 % Sensitivität für die Diagnose von Zöliakie. Diese Verfahren verwenden Kombinationen von Endomysium-Antikörpern, Gewebs-transglutaminase-Antikörpern, IgA Immunglobulin-Konzentrationen und einen klinischen Algorithmus zur Verbesserung der Detektionsrate von Zöliakie.

Eine glutenfreie Diät (GFD) ist nach wie vor Dreh- und Angelpunkt der Behandlung von Zöliakie-Patienten. Manche Patienten empfinden eine solche Diät jedoch als stark einschränkend und wenig schmackhaft. Laut Berichten internationaler Forscher befolgen 30-90 % der Betroffenen eine strikte GFD. Die Einschränkungen durch eine GFD haben zu einer Steigerung des öffentlichen und des Patienteninteresses an alternativen Therapien geführt. Die prolinreichen Glutenproteine können im Magen-Darm-Trakt nicht enzymatisch verdaut werden. Diese Eigenschaft verstärkt u. U. die Immunogenizität von Gluten. Es wird davon ausgegangen, dass die proteolyseresistenten, prolin- und glutaminreichen Glutenpeptide (aus Weizen, Roggen und Gerste) im Darmlumen persistieren und bei genetisch entsprechend veranlagten Personen eine Immunreaktion hervorrufen können. Neue Enzymkombinationen wie eine glutaminspezifische Endo-protease (EP-B2 aus Gerste) und eine Prolylendopeptidase (SC PEP aus Sphingomonas capsulata) können die Glutenverdauung unter Darmbedingungen ermöglichen. Mithilfe dieser Enzyme können Patienten glutenhaltige Lebensmittel zu sich nehmen und dabei das Risiko der Glutentoxizität verringern oder ausschalten. Dies eröffnet den Patienten die Möglichkeit, ihre strikt glutenfreie Diät (gelegentlich) zu unterbrechen. (red)

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