Der Poker um die mögliche Volleyball-WM

2. August 2010, 19:38
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Mehrere Städte wollen Klagenfurt als Block-und-Bagger-Hauptstadt ablösen

Klagenfurt - Duisburg, meint Hannes Jagerhofer, könne überall passieren. "Davor", so der Eventmacher, "ist niemand gefeit: Man kann alles durchspielen, Vorschriften penibel einhalten - aber Panik kann man nicht simulieren. Das ist der Albtraum jedes Veranstalters." Doch daran, seinen Großevent, das am Sonntag zu Ende gegangene Klagenfurter Beachvolleyballspektakel, abzusagen oder zu reduzieren, hat der 48-Jährige auch angesichts der Loveparade-Katastrophe "nie gedacht: Es klingt zynisch - aber mit dem Restrisiko muss man leben." Auch bei einem Mehrtagesevent wie seinem, mit insgesamt rund 125.000 Besuchern.

"Schwimmendes Stadion"

Tickets für den heuer opulenter denn je gestalteten VIP-Bereich kosteten 1600 Euro, "Diamond-VIP"-Tickets gar 2200 Euro. Doch wenn 2013 die Beachvolleyball-WM tatsächlich in Österreich stattfinden soll, ist die Arena in Klagenfurt mit ihren etwa 10.000 Plätzen zu klein: "Das Publikumsinteresse vertrüge ein 30.000-Plätze-Stadion." Klagenfurts Fußballstadion käme aber nicht infrage: "Beachvolleyball funktioniert nur, wenn man knapp am Feld sitzt." Jagerhofers Vision: ein schwimmendes Stadion. "Das wäre teuer, über sechs Millionen Euro." Vertreter der Stadt Wien waren am Wochenende jedenfalls in Klagenfurt. Jagerhofer: "Eine WM mit einer Metropole wäre toll, ganz aus Klagenfurt wegzugehen aber fast pervers: Beachvolleyball ist hier groß geworden."

Klagenfurts Vertrag über die Austragung der Beachvolleyball-Festspiele läuft 2012 aus. Landeshauptmann Gerhard Dörfler wurden im Frühjahr mehrfach abfällige Bemerkungen über Event und Publikum zugeschrieben - und auch wenn Jagerhofer seinen Duz-Freund ("das ist ihm rausgerutscht, niemand meint das so") in Schutz nimmt, stellt er doch auch fest, dass "derzeit niemand weiß, ob Kärnten das schafft". Auch andere (kolportiert: Salzburg und "zwei andere Städte, aber ich sage nicht, welche") zeigen Interesse.

Jagerhofer weiß, was sein Event wert ist - und betont, dass er die Aussagen des Landeshauptmannes, man brauche keine Prosecco-trinkenden Event-VIP-Horden, nicht teile: "Diese Leute zahlen viel Geld dafür, dass sie ein Wochenende mit ihren Kunden verbringen. Auf dieses Prestige und dieses Geld zu verzichten wäre grotesk."(Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 3.8.2010)

 

 

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