Neues aus dem Pipifax-Ressort

2. August 2010, 19:18
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Mailath lernt dazu - Von Thomas Trenkler

In der Presse hatte Wiens SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny kürzlich einen Aufmacher. Er sagte ohne Genierer:

"Momentan ist das Restitutionsgesetz anwendbar auf Objekte, die von 1938 bis 1945 entwendet wurden. Es gibt kaum Fälle, die vor 1938 stattgefunden haben. Aber um auch diese rechtlich zu erfassen, möchte ich im Gemeinderat eine Initiative einbringen, damit wir klarstellen: Auch Kunstgegenstände, die vor 1938 und nicht nur in Wien entwendet wurden, sind zurückzugeben."

Aber hallo! Schon vor etwa drei Jahren regte die Restitutionskommission eine Ausweitung des Gesetzes an. Denn im Wien Museum befand sich das Bild Pappenheims Tod, das der Bankier Guttmann schon 1934 an das NS-Regime verloren hatte. Mailath tat nichts.

Im Mai 2008 brachte Marco Schreuder von den Grünen einen Initiativantrag ein: Es solle ein neues Gesetz vorbereitet werden, das auch Kunstwerke, die vor 1938 entzogen wurden, berücksichtigt. Mailath lehnte ab: Die "Einführung einer generellen Regelung" schien ihm nicht geboten zu sein, da davon ausgegangen werden könne, "dass der Anlass einen Einzelfall" darstelle.

Schön, dass Mailath dazugelernt hat. Schön, dass er einen Vorschlag der Grünen aufgreift. Noch schöner wäre es allerdings, wenn Mailath dies auch einbekennen würde. Dazu reicht der Mut aber wohl nicht. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 03.08.2010)

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