Streitsucht als Programm

2. August 2010, 18:32
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Der Wirbel ist programmiert und verstärkt das Bild der streitsüchtigen Roten

Folgende Anekdote erzählen ÖVP-Politiker gern über den niederösterreichischen Gemeinderatswahlkampf im Frühjahr 2010: SPÖ-Bürgermeister hätten die schwarzen Landesgranden zu Veranstaltungen in ihren Gemeinden eingeladen und sich dort mit ihnen fotografieren lassen - das bringe nämlich bei den Wählern mehr als ein Foto mit der roten Landesführung. Diese hämische Bemerkung hat einen wahren Kern: Die ÖVP verwaltet in Niederösterreich praktisch alles, was an Macht und Geld vorhanden ist. Wer etwas davon haben will, kommt nicht umhin, sich mit den Schwarzen irgendwie zu arrangieren. Josef Leitner, Parteichef der niederösterreichischen Roten, tut genau das Gegenteil und geht auf totale Konfrontation.

Offenbar auch mit den eigenen Leuten - oder zumindest mit den vormals eigenen Leuten. Die früheren Landesräte Christa Kranzl und Emil Schabl sollen aus der Partei ausgeschlossen werden oder sind es schon, weil sie bei den Gemeinderatswahlen mit einer eigenen Liste angetreten sind. Der Wirbel ist programmiert und verstärkt das Bild der streitsüchtigen Roten. Leitners Vorgängerin, Heidemaria Onodi, galt als zu harmoniebedürftig und fuhr 2008 das schlechteste Wahlergebnis der jüngeren Geschichte für die niederösterreichische SPÖ ein. Wenn die Roten nicht rasch einen Mittelweg zwischen diesen Extremen finden, werden sie der ÖVP noch viel Stoff für hämische Anekdoten liefern. Und die Wählerstimmen gleich dazu. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2010)

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