"Kuddelmuddel" in der Luft durch Ausschreibung

2. August 2010, 17:52
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Tirol garantiert Basisversorgung mit Rettungshelikoptern, Konzessionen retten Touristen aus den Bergen

Innsbruck - Nachdem die bundesweit einheitliche Regelung für die Flugrettung gescheitert ist, befürchten die Oppositionsparteien im Tiroler Landtag, die Liste Fritz und die Grünen, für die Ausschreibung "Flugrettung neu" ein "Kuddelmudel" . Auch Salzburg, Oberösterreich, die Steiermark und Kärnten nehmen an der Ausschreibung teil. Vorarlberg, Wien, Niederösterreich und Burgenland regeln ihre Luftrettung anders. Die Ausschreibung in Tirol ist nicht nur durch das Scheitern, sondern auch durch das neue Rettungsdienstgesetz 2009 notwendig geworden.

Das Innenministerium wird weiterhin zwei Hubschrauber in Tirol betreiben. Allerdings über ein Konzessionsmodell. Denn aus der Basisfinanzierung steigt der Bund aus. Insgesamt sollen in Tirol sechs Hubschrauberstandorte eben diese Basisversorgung garantieren. Die restlichen vier wird das Land Tirol ausschreiben. Zusätzliche Hubschrauber soll es aber während der Wintersaison in den Tourismusregionen weiterhin geben. ImWinter sind derzeit zwölf Rettungshubschrauber im Einsatz. Um die Zahl aufrechtzuerhalten, könnten private Flugunternehmen zum Zug kommen. Wie das genau funktionieren solle, könne sich niemand genau vorstellen, eines sei aber klar, sagt der grüne Abgeordnete Gebi Mair: "Jeder Hubschrauberbetreiber kann problemlos einen Notarzt auf seinem Hubschrauber mitschicken. Und dann "Länge mal Breite" kassieren."

Privatflüge für Tourismus

Nicht jeder Unfall samt Abtransport ins Krankenhaus per Hubschrauber wird von der Versicherung gedeckt. Erst ab einem gewissen Verletzungsgrad wird bezahlt. Es gebe also eine Basisversorgung, jedoch: "Für die Liftbetreiber in den Tourismusgebieten gibt es noch einige Hubschrauber, die private Rechnungen legen werden" , sagt Mair. Er verweist auf eine Studie: Bereits Tilgs Vorgängerin, Elisabeth Zanon, habe sich nicht mit den Touristikern anlegen wollen: Und etwa - laut Studie - nicht unbedingt ausgelastete Hubschrauberstandorte wie Sölden, Ischgl oder Hochgurgl einfach zugesperrt.

Das grundsätzliche Ziel von weniger Flügen werde jedenfalls wieder nicht erreicht, kritisiert Bernhard Ernst von der Liste Fritz. Flüge könnten - wenn vomLand wirklich gewünscht - aber offenbar relativ einfach reduziert werden. So käme es in der Landesleitstelle bereits jetzt durch das "Dispatchen" , das Verschicken der Hubschrauber nach einem Unfall durch den Computer oft zu sogenannten "Dreiecksflügen" . Mehrere Hubschrauber würden nacheinander auf Rettungseinsätze geschickt. Und dann müssten die Hubschrauber in der Luft kreisend auf eine Landeerlaubnis warten. Bernhard Ernst wünscht sich mehr "Hausverstand" in der Tiroler Politik. Wie bei der Ausschreibung der bodengebundenen Rettung würden nur die Profis diskreditiert und als geldgierig hingestellt. Gesprochen würde nicht mit ihnen. In Vorarlberg etwa arbeiteten Bergrettung und ÖAMTC - auch weiterhin - gut zusammen. (ver, DER STANDARD Printausgabe, 3.8.2010)

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    Anflug auf Kitzbühel, hier noch in einem ÖAMTC-Hubschrauber. Die Flugrettung in Tirol wurde neu ausgeschrieben

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