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Bischof Klaus Küng warnt vor "dem Missbrauch mit dem Missbrauch", die Kirche dürfe hier nicht nachgeben.


"Die katholische Kirche war schon mindestens 30-mal am Hund. Doch gestorben ist letztlich immer der Hund."

Küng (hier mit Kardinal Christoph Schönborn, li.): "Es wird versucht, alles der Kirche zuzuschieben. Und wir sind derzeit dazu geneigt, sehr viel an Schuld auf uns zu nehmen."
STANDARD: Herr Bischof, befindet sich die katholische Kirche in einer Existenzkrise?
Küng: Ich sehe sie sicher schmerzhaft durchlebt, wenn ich mir anschaue, was in den letzten Monaten vorgefallen ist. Gleichzeitig bin ich immer Optimist. Es gibt ein Zitat, das besagt: "Die katholische Kirche war schon mindestens 30-mal am Hund, gestorben ist aber letztlich immer der Hund." Es schaut manchmal dramatisch aus, aber dann entsteht auf einmal mitten aus den großen Schwierigkeiten eine Fruchtbarkeit.
STANDARD: Ihren Optimismus in Ehren, aber wird es nach dem Missbrauchskandal und dem zu erwartenden Rekord an Kirchenaustritten nicht schwer zu einer Glaubwürdigkeit zurückzukommen?
Küng: Ich sehe eine ganz große Dringlichkeit eines Neuanfangs. Wir brauchen eine größere Authentizität in der Seelsorge und im kirchlichen Leben. Der Grundtenor ist: Dort, wo die Freude des Glaubens hörbar ist, gibt es auch Anziehungskraft.
STANDARD: Müsste man als Kirche gerade in der jetzigen Situation nicht viel offensiver auf die Menschen zugehen?
Küng: Auf jeden Fall. Da ist etwa Johannes Paul II. ein ganz großes Vorbild. Er hat eine Art Mobilisierung in der ganzen Welt erreicht. Bei seinem Tod sind innerhalb einer Woche fünf Millionen Menschen nach Rom gekommen.
STANDARD: Wie müsste die Offensive konkret in Österreich aussehen?
Küng: Wir müssen einfach falsche Hemmungen überwinden und auf die Menschen viel direkter zugehen. Man kann durch Großevents die Jugend einladen, den Weg mit uns zu gehen. Aber wichtiger ist, dass jeder einzelne Christ sich verantwortlich fühlt.
STANDARD: Waren Sie mit dem Weg von Kardinal Christoph Schönborn im Umgang mit den Missbrauchsfällen bisher zufrieden?
Küng: Ich bin noch immer nicht zufrieden mit der Diskussion, wie sie läuft. Allgemein, nicht nur in der Bischofskonferenz. Wir leben in einer so hochsexualisierten Gesellschaft. Erotik-Messen, kaum Filme ohne sexuellen Inhalt. Das ist ein Aspekt, der viel zu wenig in der Gesellschaft diskutiert wird - auch wenn Missbrauch natürlich viel komplexere Ursachen hat.
STANDARD: Womit Sie elegant meiner Frage ausgewichen sind. Sind Sie mit dem Weg des Kardinals zufrieden?
Küng: Es sind richtige Akzente gesetzt worden. Und mir liegt es fern, den Herrn Kardinal zu kritisieren. Aber bei einigen Dingen reagiere ich dennoch mit Zurückhaltung.
STANDARD: Welche Dinge konkret?
Küng: Ich warne vor dem Missbrauch mit dem Missbrauch. Es wird versucht, alles der Kirche zuzuschieben. Und wir sind derzeit dazu geneigt, sehr viel an Schuld auf uns zu nehmen. Auch wenn es der Kardinal sicher gut meint. Jeder einzelne Fall ist einer zu viel, Missbrauch ist aber eben kein Problem der Kirche allein. Und manche, auch kirchenintern, meinen, sie könnten die Missbrauchsdebatte dazu benutzen, die Kirche unter Druck zu setzen, um so Reformen einzuleiten.
STANDARD: Dem Vernehmen nach waren Sie innerhalb der Bischofskonferenz ein vehementer Gegner des Maßnahmenpakets zur Verhinderung von sexuellem Missbrauch. Warum?
Küng: So stimmt das nicht. Ich bin sicher kein Gegner. Und ich stehe voll hinter dem Beschluss der Bischofskonferenz. Ich habe nur in manchen Dingen versucht, das Maß der Gerechtigkeit und Klugheit hineinzubringen. Ich bin zum Beispiel nicht der Meinung, dass jetzt große Gremien die Garantie für Effizienz sind. Fraglich ist unter anderem, ob es eine zusätzliche Anlaufstelle für Missbrauchsopfer braucht.
STANDARD: Sie sind gegen die Opferanwaltschaft unter der Leitung der früheren steirischen Landeshauptfrau Klasnic?
Küng: Ich schätze Frau Klasnic und respektiere auch die Arbeit der Kommission. Ich gebe aber zu bedenken, dass jede zusätzliche Stelle die Aufarbeitung der Fälle verlängert. Wir haben bereits in jeder Diözese eine Ombudsstelle, und das ist auch gut so. Es braucht nicht für jede Sache fünf Kommissionen.
STANDARD: Wie stehen Sie zu Entschädigungszahlungen für Opfer kirchlichen Missbrauchs?
Küng: Prinzipiell glaube ich, dass der Täter für entsprechende Zahlungen aufkommen muss. Aber wir müssen aufpassen und dürfen nicht so großzügig die Hände aufmachen und sagen, wir zahlen alles. Damit setzen wir andere Länder, wie etwa Deutschland, unter Druck. Und man hat ja in Amerika gesehen, was passieren kann, wenn die Kirche bereit ist, alles zu zahlen. Dort sind letztlich dann Diözesen in Konkurs gegangen.
STANDARD: Verstaubte Sexualmoral, intransparente Strukturen, rückständiges Gesellschaftsbild - warum sollte ein junger Mensch sich in der Kirche engagieren?
Küng: Gerade bei der Jugend geht es doch darum, bewusst zu machen, warum wir eigentlich da sind. Die Gottesfrage ist auch bei den jungen Menschen die zentrale Frage des Lebens. Um glücklich zu werden, sind bestimmte Wege grundlegend, und das wissen auch junge Menschen.
STANDARD: Eisern hält die katholische Kirche am Kondom-Verbot fest. Wie soll so etwas ein aufgeklärter Mensch von heute verstehen?
Küng: Ich habe im Lauf der Jahre die Erfahrung gemacht, dass auch junge Menschen durchaus empfänglich für das sind, was zur wirklichen Liebe führt. Beim Thema Aids wird die Kirche wegen der Kondomfrage gerne heftig attackiert, dabei leistet die Kirche tagtäglich Großes im Kampf gegen Aids. Derzeit geschieht gut 50 Prozent der gesamten Aidshilfe durch christliche Kirchen. Und in Einzelfällen, etwa in der Ehe, wenn sich ein Partner infiziert hat, kann es erlaubt oder sogar geboten sein, ein Kondom zu verwenden.
STANDARD: Auf Reformverweigerung schaltet die Kirche stets beim Thema Zölibat. Warum?
Küng: Ich bin davon überzeugt, dass der Zölibat als Voraussetzung für die Priesterweihe etwas Wertvolles ist. Es gibt kein stärkeres Zeichen für Gott und für die Liebe zur Kirche als den bewussten Verzicht auf Ehe und Familie. Und: Ein Priester nimmt den Zölibat aus freier Wahl auf sich, sonst darf ich ihn gar nicht weihen.
STANDARD: Es gibt verheiratete katholische Priester, Priester in geheimer Lebensgemeinschaft. Sie als Bischof wissen wahrscheinlich von solchen Fällen, müssen aber wegschauen. Ist das nicht scheinheilig?
Küng: Sicher. Wir müssen in allen Bereichen bemüht um Authentizität sein. Was nicht bedeutet, dass wir fehlerfrei sind. Das sind nur Christus und seine Mutter Maria.
STANDARD: In einem Interview mit der deutschen katholischen Zeitung "Die Tagespost" haben Sie angemerkt, in Priesterseminaren und Teilen des katholischen Klerus gebe es "homosexuelle Netzwerke". Diese könnten ein Kloster oder eine Diözese "sogar existenziell" bedrohen. Worin liegt konkret für Sie die Bedrohung?
Küng: Das Problem ist, dass einer den anderen anzieht. Dadurch kann eine bestimmte Atmosphäre an einem Ort entstehen, etwa in einem Kloster, die manche anzieht, andere sich aber nicht so wohlfühlen lässt.
STANDARD: Worauf fußt Ihre Analyse, bzw. wo haben Sie solche Wahrnehmungen gemacht?
Küng: Es kommt einfach vor, und ich habe da schon große Sorge.
STANDARD: Wo konkret?
Küng: Natürlich habe ich das auch 2004 hier in St. Pölten im Rahmen meiner Visitation erlebt.
STANDARD: Sie erwähnten in Zusammenhang mit den "homosexuellen Netzwerken" eine radikale Lösung. Wie sollte diese aussehen?
Küng: Wenn ich feststelle, dass so etwas in einem Kloster oder einem Seminar überhandnimmt, kann ich es nur zusperren.
STANDARD: Also keine Aufnahme von schwulen Kandidaten ins Priesterseminar?
Küng: Wenn jemand wirklich von Jugend an tief homosexuell geprägt ist, dann ist eine Aufnahme unmöglich.
STANDARD: Sie feiern dieses Jahr Ihren 70er. Denken Sie nicht manchmal: Das hätte auch ganz anders aussehen können? Etwa mit Frau und Kindern?
Küng: Ich hätte ja um ein Haar geheiratet und habe als Arzt praktiziert. Doch da kam meine Berufung dazwischen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 3.8.2010)
KLAUS KÜNG, 1970 in Madrid zum Priester geweiht, war 1976 bis 1989 Regionalvikar des Opus Dei in Österreich. Ab 1989 Bischof in Feldkirch. 2004 übernahm Küng die Diözese St. Pölten.
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Nachdem 'Ihr' (Kirchenfürsten und ordinäre Kleriker) Euch gerne auf Jesus' Bergpredigt beruft, um Eure Schäfchen zu knechten und gefügig zu halten, hier zur Erinnerung: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen....... Ich habe euch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!" Ziemlich klare Ansagen, von MAT, dem Evangelisten und dem INRI. Unbedingt nachlesenswert, auch für Agnostiker! Matthäus 7, 16 und 7, 20 (Jesustext aus der Bergpredigt).
'und möge euch künftig Hiob eure täglich' Post bringen, Lemuren!' (sardonisch lachend)
in Relation zu welcher Gesellschaft oder welcher Zeit?
das Wort von der "Übersexualisierung" kommt Kirchenmenschen sehr leicht über die Lippen, ungefähr so wie "Spaßgesellschaft";
bloß wird Sexualität wohl seit Menschengedenken eines der wichtigsten "sozialen Dinge" gewesen sein;
heute ist sie bloß auch medial massiv sichtbar, kommerzialisiert - und in unserer westlichen Gesellschaft thematisiert - und das ist wohl nix schlechtes;
und Kinder sind wohl zu allen Zeiten in allen Schichten und durch alle möglichen Erwachsenen in ihrer kindlichen sexuellen Integrität verletzt worden;
der Unterschied: heute spricht man darüber, es wird gottseidank massiv thematisiert und als Problem "angegangen";
"Bei einem Auftritt am 3. Oktober 1992 in einer Sendung von Saturday Night Live zerriss sie vor laufenden Kameras im amerikanischen Fernsehen ein Bild von Papst Johannes Paul II. Bei diesem Auftritt sang sie Bob Marleys Lied War, ersetzte jedoch das Wort 'racism' durch 'child abuse'. Sie protestierte damit gegen die ihrer Meinung nach ständige Leugnung von Kindesmissbrauchsfällen in der katholischen Kirche."
http://de.wikipedia.org/wiki/Sin%... 0%99Connor
das war 1992!
und so unbekannt ist die Sache nicht, ist Sinéad O’Connor nicht und ein Blick in Wikipedia nicht, dass dies ein Bischof nicht wissen könnte
etwas eleganter ausgedrückt: die volle sexuelle Entfaltung zwischen Mann und Frau ist der Ehe zugeordnet; wobei es absolut nicht stimmt, dass das Lehramt der Röm.-Kath. Kirche Sexualität verteufeln würde - nur das volle Ausleben ist eben der Ehe zugeordnet;
der Zölibat wiederum hängt mit einem gewissen "eschatologischen Vorbehalt" zusammen; Sexualtität ist was Irdisches; wenn sich Menschen für ein radikal anderes Leben, ausgerichtet auf Gott entscheiden, heißt das auch, die Sexualtität zurückzustellen - dazu gibts eine recht bekannte Bibelstelle: „Es gibt Menschen, die um des Himmelreiches willen ehelos sind! Wer es fassen kann, der fasse es! “ (Mt 19,12).
einen Bischof mit sochen Ansichten den Menschen die Hoffnung auf Wahrheit zerstören zu lassen. Was für eine Blasphemie das als Kirche zu verkaufen ... ich schäme mich für solche Gier, Selbstverherrlichung und Rücksichtslosigkeit.
PENANCE .... PENANCE ... PENANCE ... wem dienen Sie Ihre Excellenz ?
MfG nur ein kleines Schaf
Die Kirche hat jedenfalls keine "Angst vor jeglicher Sinnlichkeit und Freude"; laut katholischer Ansicht ist die Sexualität *grundsätzlich* etwas *gutes*, das allerdings nur im Rahmen der Ehe gelebt werden darf.
(Das können Sie im Katechismus überprüfen)
Das ist eine Meinung, die man teilen/ablehnen/ignorieren kann. Die "übersexualisierte" Gesellschaft und Medien (siehe die Fragen dieses Interviewers) reagiert natürlich allergisch darauf.
ist grundsätzlich hochneurotisch und neurotisierend, zb bewertung der homosexualität,zölibat ist die schlimmste sexuelle perversion sowie wenn jemand das essen oder atmen verweigert. küng redet wie ein blinder von der farbe-damit ist alles gesagt.interessant ist für mich,warum er sich so masslos für sex interessiert und überall in seinen kreisen homosexuelle vermutet.
öhm; katholischer Priester wird mann grundsätzlich freiwillig; und dass damit Konsequenzen bzgl des eigenen Sexuallebens verbunden sind, ist jedem Alumnen bewußt (btw: wenn er die Priesterweihe in einem Zustand der Unzurechenbarkeit empfängt , ist die Weihe ungültig);
und ausgelebte Sexualität mit einer anderen Person können kath. Priester zwar nur clandestin leben, aber es gibt durchaus Menschen, die zB schlicht keine Sexualpartner finden ...
bissi Nachdenken beim medialen Topseller "Kirche und Sex" schadet nie
wer so denkt, ist eindeutig "übersexualisiert".
Jetzt mal ehrlich: Würden Sie auch so über den zölibatär lebenden Dalai Lama urteilen?
Und noch was: nicht Bischof Küng interessiert sich masslos für Sex, sondern der Interviewer...
Es ist ist nicht des Dalai Lamas "Verdienst", dass er nicht ständig über Sexualität spricht.
Bez. Kirche: Sehen Sie sich die Liste der Enzykliken an ( http://en.wikipedia.org/wiki/Ency... ncyclicals ) - wieviele von ihnen - ausser Humanae Vitae - hat mit Sexualität zu tun?
Ist das "ständig über Sexualität reden"?
Vereinfacht ausgedrückt sind - theologisch gesehen - sowohl Ehe als auch Priesteramt full-time Berufungen. Wenn man diese Ansicht teilt -- niemand ist dazu gezwungen -- schliesst daraus, dass Priester nicht heiraten können.
Übrigens - wie ich woanders angemerkt habe - lebt auch zB der Dalai Lama zölibatär ohne dass sich irgendjemand darüber aufregt. Das finde ich gut und erwarte, dass die Kirche auch so verständnisvoll behandelt wird.
aber es stimmt schon: ein unverheirateter Priester kann full-time für seine Gemeinde da sein - umgekehrt: wahrscheinlich gehen mehr Ehen durch Überarbeitung im Beruf zugrunde als durch Seitensprünge; so gesehen ist es gut, dass rk Priester nicht verheiratet sind; auf der anderen Seite braucht es bei verheirateten Priestern natürlich eine andere Zeitkultur - wichtiger aber noch: das Priesteramt würde eine andere Definition erfahren; das ist einer der wesentlichen Punkte in der theologischen Diskussion zum Zölibat; das medial aufzubereiten ist völlig unzumutbar, weil zu komplex;
es kommen zwar keine Zahlen und schon gar keine Formeln vor, aber ohne theologische Fachbegriffe wie zB "Basilea" und einer Bibelstelle (Mt 19,12) ginge sowas nicht
Na da werden diese Religionen aber froh sein, dass Sie kein Problem damit haben. Ihr Argument "sowohl Ehe als auch Priesteramt full-time Berufungen" geht damit aber ins Leere, da andere Religionen sehr wohl damit umgehen können. Sie irrten also in Ihrer Argumentation - und das wollen Sie nicht einsehen, nicht wahr?
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