Wer ist der größte Weltraum-Verschmutzer?

2. August 2010, 16:52
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Altbestände der Sowjetunion und Chinas machen Großteil des Weltraummülls aus - doch Europa ist auf der Überholspur

Washington DC/Graz - Dass Weltraumschrott eine zunehmende Gefahr für alles, was sich im Orbit bewegt, darstellt, ist seit langem bekannt. Nun hat die NASA erstmals genau festgestellt, wer am meisten Müll im Orbit hinterlassen hat: Die größte Zahl von Abfall stammt demnach von ehemaligen sowjetischen und chinesischen Satelliten. Doch Europa könnte schon bald zum größten Verschmutzer werden.

Im Zuge des Orbital Debris Program konnte die NASA insgesamt 19.000 Objekte, die größer als zwölf Zentimeter sind, ausmachen. Allein vom 2007 abgeschossenen chinesischen Wettersatelliten "Fengyun 1C" konnten 2.841 Teile identifiziert werden. All diese Objekte sind eine ernstzunehmende Gefahr für Satelliten und die ISS - erst kürzlich wäre es fast zu einer Kollision von Trümmern dieses Satelliten mit der Internationalen Raumfahrtstation gekommen.

Kleine Ursache, große Wirkung

"Selbst eine einzelne Schraube kann immense Schäden an einem Satelliten verursachen", so Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Man könne das mit der Geschwindigkeit einer Gewehrkugel vergleichen. Dass der Orbit vom Müll gereinigt wird, ist für den Experten nahezu unvorstellbar: "Das ist so, wie wenn man das Meer vom Plastikmüll befreien wollte."

Die Sprengung des chinesischen Satelliten ist aber nur eine Episode in der Geschichte der Weltraumforschung - eine von vielen. "Ähnliches haben auch die Russen und die Amerikaner zuvor gemacht", erklärt Baumjohann. "Bis vor einigen Jahren hat man über das Problem nicht wirklich nachgedacht", meint der Experte. Die ISS sei aber insofern weniger gefährdet, da sie Triebwerke zum Ausweichen hat.

"Exponentielles Wachstum"

Ein gewaltiges Problem stellen unkontrolliert fliegende Abfallteile dar, die miteinander kollidieren. "Wenn so viel Schrott da ist, gibt es logischerweise auch mehr Kollisionen. Und jede dieser Kollisionen führt dazu, dass noch mehr Schrott entsteht." Durch diese Instabilität könnte es zum exponentiellen Anwachsen der Zahl an Schrotteilen kommen.

Die einzige Möglichkeit den Schrott im Auge zu behalten sind immer genauere Radarsysteme, die immer kleinere Abfallteile orten und zurückverfolgen können. "Im All gibt es den Ehrenkodex, dass die Betreiberländer auch zur Beseitigung ihrer nicht mehr verwendeten Satelliten zu sorgen haben", erklärt Baumjohann.

Trümmerquelle in spe

Europa könnte schon bald den überhaupt größten Müllanteil im All hinterlassen: In drei Jahren wird der ESA-Erdbeobachtungssatellit "Envisat" mit seinem Gewicht von neun Tonnen ausrangiert und zum Verglühen gebracht. Experten warnen davor, dass er mit großen Abfallteilen wie Raketensegmenten oder anderen alten Satelliten zusammenstoßen könnte. Ein solches Ereignis würde zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion führen. (pte/red)

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