"Auch Mitarbeiter am Sofa leisten Arbeit"

2. August 2010, 16:30
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Das Büro der Zukunft lautet Open Space, ist Thomas Bene, Vorstandsmitglied der Bene AG, überzeugt

Das Büro der Zukunft lautet Open Space, ist Thomas Bene, Vorstandsmitglied der Bene AG, überzeugt. Im Gespräch mit Wojciech Czaja meinte er, dass Arbeit längst nicht nur am Computer stattfindet. 

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STANDARD: Wie viele andere Produzenten in der Branche ist auch Bene von der Krise nicht verschont geblieben. Sie haben nun antizyklisch expandiert. Warum gerade jetzt?

Bene: Die Entscheidung für die Büroerweiterung haben wir schon im Jahr 2007 getroffen. Wir haben damals erkannt, dass der Bestandsbau von Laurids Ortner zu klein geworden ist. Vor allem aber hat sich gezeigt, dass die Trakttiefe von 18 Metern für moderne Besiedlungskonzepte, wie wir sie praktizieren möchten, nicht mehr ausreichend ist.

STANDARD: Modernes Besiedlungskonzept bedeutet?

Bene: Wir sind Anhänger von Open Space. Das ist eine neue Bürotypologie mit einer Verdichtung an Arbeitsplätzen im Fassadenbereich. In der Mittelzone hingegen gibt es kommunikative Flächen und verglaste Besprechungsräume. Wir wollen mit unseren Bürokonzepten die Nummer eins in Europa werden. So etwas geht nur, wenn man auch selbst das praktiziert, wofür man als Unternehmen einsteht.

STANDARD: Welchen Einfluss hat das neue Architektur- und Möblierungskonzept auf die Arbeitsweise der Mitarbeiter?

Bene: Die Kommunikationsqualität hat sich dramatisch gebessert. Das liegt einerseits an den Open-Space-Büros in den Obergeschoßen, andererseits am riesigen nonterritorialen Arbeits- und Pausenbereich im Erdgeschoß. Hier treffen sich die Mitarbeiter zum gemeinsamen Kaffeetrinken, aber auch für informelle Besprechungen mit Kunden und Lieferanten. Das ist das Herz des Hauses.

STANDARD: Dieser informelle Treffpunkt macht fast ein Drittel der Gesamtnutzfläche aus. Auf diese Weise gehen viele Arbeitsplätze verloren. Inwiefern soll das beispielgebend für andere Firmen sein?

Bene: Wir sehen das als Keyfaktor für Innovation und Erfolg. Wie groß der Anteil an so einem nonterritorialen und informellen Bereich tatsächlich sein soll, ist von der jeweiligen Unternehmenskultur abhängig. Eines steht aber fest: Als Unternehmer muss man akzeptieren, dass auch jemand, der in der Lounge auf einem Sofa sitzt und mit seinem Kollegen Kaffee trinkt, Arbeit leistet und Mehrwert schafft. In der Kreativbranche findet das Arbeiten längst nicht mehr nur am Arbeitsplatz vor dem Computer statt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)

THOMAS BENE (47) studierte Innenausbau, Möbelbau und Betriebswirtschaftslehre. 1994 trat er ins Unternehmen Bene AG ein. Seit 2006 ist er Vorstandsmitglied und zuständig für den Bereich Marketing und Portfolio.

  • Artikelbild
    foto: bene ag
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