Aus der Mitte entspringt ein Redefluss

2. August 2010, 16:27
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Das neue Headquarter von Bene in Waidhofen/Ybbs zeigt vor, wie man mit großen Gebäudetiefen umgehen kann

Das neue Headquarter von Bene zeigt vor, wie man mit großen Gebäudetiefen umgehen kann. Das ist auch dringend nötig: Die Wirtschaftlichkeitsgrenze im Bürobau ist von 500 auf 800 Quadratmeter pro Geschoß gestiegen.

Waidhofen an der Ybbs blickt auf eine jahrhundertelange Industriegeschichte zurück. Seit 1790 beherbergt es das Familienunternehmen Bene. Ursprünglich eine kleine Tischlerei, stellte Bene 1950 auf industrielle Fertigung um und ist seit dem einer der größten Büromöbelhersteller Europas.

Wer Fesches produziert, der muss fesch residieren. Schon einmal hatte man mit dem Wiener Architekturbüro Ortner & Ortner zusammengearbeitet. Für seine innovative Unternehmensarchitektur wurde das Bene-Headquarter 1988 mit dem Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs ausgezeichnet.

Nun der zweite Streich. Trotz massiver Umsatzrückgänge von 32,4 Prozent im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr erweiterte Bene sein Stammhaus um einen Anbau mit 2500 Quadratmetern Nutzfläche. Das neue Haus umfasst die beiden Abteilungen Sales and Project Support sowie Produktentwicklung und Design.

Plaudern im Coffice

"Auf die typischerweise kleinen Teeküchen im unmittelbaren Arbeitsbereich haben wir bewusst verzichtet", sagt Didi Lenz, zuständiger Innenraumplaner und Leiter der Abteilung Tutto Bene. "Stattdessen gibt es nun im Erdgeschoß, direkt angrenzend an das Foyer, einen eigenen Coffice-Bereich, in dem sich dann nicht nur die Kollegen treffen, sondern auch Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen in Kontakt miteinander treten."

Mittels Schiebewänden lassen sich im Erdgeschoß zudem kleinere Besprechungszimmer abteilen. Bei Bedarf können die mobilen Elemente in einer eigenen Garagennische geparkt werden und machen auf diese Weise Platz für größere Veranstaltungen wie etwa Konferenzen, Ausstellungen und kleinere Produktmessen.

Im Sommer lässt sich die Glasfassade öffnen. Der Weg führt hinaus auf eine großzügige Terrasse mit Outdoor-Möblierung, Partytischen und Springbrunnen. "Dieser Freibereich hat sich bestens bewährt", sagt Lenz, "wir betrachten das als unser eigenes kleines Museumsquartier."

Rentablere Geschoßeinheiten

Die größte Innovation am gesamten Projekt ist jedoch die gewählte Gebäudetypologie. Ungewöhnlich für Büronutzung wurde eine Trakttiefe von fast 22 Metern gewählt. "Die Gebäudetiefe hat sich aus dem Grundstück ergeben", erklärt Architekt Laurids Ortner. "Für uns und für Bene war das eine große Chance, weil man nun das vielpropagierte Open Space in der Realität ausprobieren und seine Funktionsfähigkeit unter Beweis stellen konnte."

Open Space bedeutet, dass es zuzüglich zu den klassischen offenen Arbeitsplätzen entlang der Glasfassade einen eigenen Kommunikationsbereich in der Gebäudemitte gibt. Hier befinden sich nicht nur Besprechungsboxen aus Glas, sondern auch Sitzkojen für ein ungestörtes Gespräch zu zweit oder zu dritt oder für den stillen Rückzug in der Mittagspause.

Letztendlich hat die größere Gebäudetiefe auch einen wirtschaftlichen Nutzen. "Früher ist man im Bürobau davon ausgegangen, dass das Limit für Rentabilität bei 500 Quadratmetern pro Stockwerk liegt", rechnet Ortner vor. "Mittlerweile sind wir dazu übergegangen, dass man keine Geschoßeinheiten unter 800 Quadratmetern mehr baut. Tendenz steigend. Wir haben hier ein Exempel statuiert, wie's funktioniert." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)

  • Bürohaus von seiner besten (Schmal-)Seite: Dank der großen Gebäudetiefe 
entstehen wirtschaftliche Stockwerkseinheiten mit 800 Quadratmetern.
    foto: bene ag

    Bürohaus von seiner besten (Schmal-)Seite: Dank der großen Gebäudetiefe entstehen wirtschaftliche Stockwerkseinheiten mit 800 Quadratmetern.

  • Open Space auf Waidhofener Art: Durch die ungewöhnlich große Trakttiefe 
von 22 Metern gibt es in der Gebäudemitte beispielsweise Platz für 
alternative Kommunikationszonen.
    foto: bene ag

    Open Space auf Waidhofener Art: Durch die ungewöhnlich große Trakttiefe von 22 Metern gibt es in der Gebäudemitte beispielsweise Platz für alternative Kommunikationszonen.

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