Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Kosmetiksalon
vergrößern 448x236Hautaufheller. Im Kabuler Supermarkt "Finest", wo Expats und reiche Afghanen einkaufen, gibt es ein ganzes Regal davon.
Drei Stunden war ich auf dieser Hochzeit, habe gegessen, mich befragen und begutachten lassen und die Braut habe ich letzten Endes doch nicht gesehen. Wie gesagt, sie war bei der Kosmetikerin. Dieser Besuch kann in Afghanistan bereits als erster Initiationsritus ins Frausein verstanden werden. Nun gilt es sich so eine Einrichtung von innen anzuschauen. Ich gehe zu Frau Farzaneh gleich um die Ecke.
Mit blickdichten grünen Vorhängen schützt die rundliche Dame mit den blond gefärbten Haaren den Eingang vor Männern. Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrer Schwester arbeitet Farzaneh sieben Tage die Woche, zupft Augenbrauen, schneidet Haare schneidet und bereitet Bräute auf ihren großen Tag vor. Am Wochenende ist sie besonders beschäftigt, fünf Bräute muss sie dann meistens gleichzeitig abfertigen. Zu Beginn steht die Reinigung: lästige Härchen werden mit einem Faden aus dem Gesicht gezogen. In der Regel werden die Augenbrauen erst vor der Hochzeit getrimmt, erst dann gilt das Mädchen als Frau und darf sich auch pflegen.
"Die Mädchen von heute pfeifen auf unsere Bräuche, jetzt beginnen sie sich schon mit 16 als feine Damen herzurichten", kritisiert eine Kundin. Beim Make-Up gibt es drei Abstufungen: afghanisch - iranisch - arabisch. Bedeutet: dezent - Barbie - Kanarienvogel. Afghaninnen mögen es bunt, sehr bunt. Ein Farbe für den Lidschatten reicht nicht ("Ihr Iranerinnen tragt nur einen Lidschatten, wie langweilig ", stöhnt Farzanehs Schwester), es müssen mindestens vier sein. So wie bei der sechzehnjährigen Braut, die vor mir dran ist.
Farzaneh versucht ihre gerade falsche Wimpern aufzukleben, gesprächig ist sie nicht, eher nervös. Ihre ältere Schwester plaudert dafür um so lieber. Mit 14 hat sie geheiratet und die gesamte Prozedur über sich ergehen lassen. Heute ist sie 26 Jahre alt, schaut aus wie 40 und hält ihren jüngsten Spross auf dem Arm."Elia ist der letzte, sechs Kinder sind genug, in ein paar Wochen lass ich mich operieren, dann ist es Schluss mit Kinderkriegen." Ihre Töchter sollen nicht so früh heiraten.
Sie sollen auf die Universität gehen und die Welt sehen. Dass sie selbst wieder zur Schule geht, ist zeitlich nicht möglich, ihrem Mann würde es auch nicht so gefallen, wenn sie die Kinder vernachlässigt. Für einen Tag frei sein, von Mutter- und Frausein in Afghanistan. Einen Tag will sie für sich haben, damit sie mal nach Germany oder England kann. Reisen will sie und eines Tages einen eigenen Laden führen, vielleicht gar ein Kosmetikstudio wie Farzaneh. (Solmaz Khorsand aus Kabul, derStandard.at, 2.8.2010)
hmm... müsste es nicht eher umgekehrt sein? also arabisch - iranisch - afghanisch: dezent - Barbie - Kanarienvogel
"Beim Make-Up gibt es drei Abstufungen: afghanisch - iranisch - arabisch. Bedeutet: dezent - Barbie - Kanarienvogel. Afghaninnen mögen es bunt, sehr bunt. "
das würde doch heißen, dass afghaninnen es dezent mögen, was genau nicht oben steht...
ich habe ueber afghanistan noch nichts informativeres gelesen. wie leben dort tatsaechlich ist kann nur durch scheinbar belanglose geschichte erzaehlt werden. was die stammesfuehrer beim volkskongress sagen, berichtet eh cnn, aber was heisst das schon?
Also ich finde den Blog sehr gut!
Informationen über Afghanistans Geschichte, Strukturen der Taliban oder Funktionsweise einer AK-47 gibt es ohnehin schon genug.
Aber ein kleiner Einblick in den afghanischen Alltag, ein kleines Gespräch mit dem "afghanischen Mundl" von nebenan, findet man nicht so leicht.
Ich weis natürlich, daß Sie ganz besonders elitär sind. Immerhin könnten Sie so einen Blog einfach so mit etwas Wiki-Recherche schreiben. Ganz abgesehen von der so eloquenten Forderung nach mehr "Substanz". Bin tief beeindruckt ;-)
Gerade das belanglose, triviale ist das Interessante.
Ich hab noch nie von jemandem, der dabei war, irgendwas von afghanischen Hochzeiten oder den Vorbereitungen davon gelesen.
Ich beglückwünsche Sie, wenn sie jemanden kennen, der bereits dort war, solche Dinge erlebt hat und Ihnen davon berichtet hat.
Vielen anderen geht's nicht so und die sind - wenn man die Postings betrachtet - auch froh über solche Trivialitäten des täglichen Lebens in Kabul.
dachte ich, ich halte mich mal zurück bis der Hype vorbei ist, aber ich muss es jetzt schon tun: Ihr Blog ist wirklich großartig! Danke!
Ich an ihrer Stelle würde mir auch keine Sorgen machen, noch einen ansändigen Mann zu finden ;)
mfg
nein, eigentlich nicht. warum?
das leben dort, denke ich, wie überall sonst auch, besteht aus kleinen gegensätzen ect- von denen die außenwelt nicht viel mitbekommt. außer sie befasst sich mit der dortigen situation und bringt ein gewisses feingefühl mit.
und dieser artikel zeigt mir, wie mache dokus es auch machen, das leben einiger frauen. jedenfalls werde ich empathischer ... ;)
schleichst dich jetzt endlich? Seit Blogbeginn bist du nur am Stänkern: Du gehörst offensichtlich nicht zur Zielgruppe, du bist einfach viel zu intellektuell, gescheit, gebildet und der einzige, der die Welt durchschaut, und daher gehst jetzt brav deinen Brockhaus lesen, und lässt uns dieses niveauloses Geschreibe hier. Einverstanden?
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.