TNT spaltet das Briefgeschäft ab

2. August 2010, 12:47
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Der niederländische Logistiker reagiert auf das rückläufige Geschäft mit dem klassischen Brief, die Express-Sparte wird zum Hauptgeschäftszweig

Amsterdam - Europas zweitgrößtes Logistikunternehmen TNT spaltet bis nächstes Jahr sein Briefgeschäft ab. Damit reagieren die Niederländer auf das rückläufige Post-Geschäft mit dem klassischen Brief. Was aus der Sparte werden soll, teilte das Unternehmen am Montag nicht mit. Infrage dürfte unter anderem ein Verkauf an einen Konkurrenten oder ein Börsengang kommen.

Die Aufspaltung in Brief- und Expressgeschäft solle bis zum 1. Jänner 2011 umgesetzt werden, kündigte TNT an. Das zweite Standbein von TNT, das Expressgeschäft, entwickelte sich im zweiten Quartal enttäuschend. TNT berichtete daher für die Gruppe insgesamt einen Rückgang des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) um fast 70 Prozent auf 55 Mio. Euro. Der Umsatz kletterte indes um 9,6 Prozent auf 2,77 Mrd. Euro. TNT verwies auf eine Sonderbelastung in Höhe von 168 Mio. Euro im Zusammenhang mit seinem Restrukturierungsplan, die das Ergebnis belastet habe. Doch auch ohne diesen Posten hätte das Unternehmen sich schlechter entwickelt als von vielen erwartet.

In der wichtigen Express-Sparte, in der TNT massiv expandiert, legte der Betriebsgewinn den Angaben zufolge zwar um 16 Prozent zu auf 73 Mio. Euro. Analysten hatten aber mit 105 Mio. Euro gerechnet. Hohe Kosten für den Ausbau der Sparte hätten zu dem schwächeren Ergebnis beigetragen, sagte TNT-Chef Peter Bakker. TNT teilte ferner mit, neuer Finanzvorstand werde Bernard Bot. Der bisherige Finanzchef Henk van Dalen wechselt zum Telekommunikationsunternehmen VimpelCom.

TNT sieht nach eigenen Angaben zwar eine "leichte Erholung" der europäischen Wirtschaft. Allerdings bleibe die Weltwirtschaft auf zaghaftem Kurs und deshalb sei Vorsicht angebracht. "Enttäuschende Zahlen, im Prinzip vollständig auf das Express-Geschäft konzentriert", so das Urteil von Analyst Andre Mulder von Kepler Capital Markets. "Wir werden unsere Prognosen für die Sparte und die gesamte Firma reduzieren." TNT-Aktien gaben bis zum späten Vormittag um gut zwei Prozent nach auf 22,37 Euro. Mit Verlusten von rund vier Prozent zählten sie zeitweise zu den größten Verlieren in Europa.

Logistikfirmen bekommen die frühe Aufschwungphase der Wirtschaft normalerweise sofort zu spüren, da Firmen dann wieder vermehrt Pakete verschicken. Die Konkurrenz aus den USA - FedEx und UPS - hatte wegen des moderaten Aufschwungs unlängst ein rosigeres Bild für die Zukunft gezeichnet. Auch von Europas Branchenprimus, der Deutschen Post, werden positive Äußerungen erwartet, wenn das Bonner Unternehmen am Dienstag seine Quartalsbilanz vorlegt. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt mit Erlösen von 11,8 Mrd. Euro. Das wäre ein Anstieg um gut sechs Prozent zum Vorjahreszeitraum. Beim Gewinn wird ein Plus von rund ein Drittel erwartet. Die Post-Aktie legte 0,9 Prozent zu. (APA/Reuters)

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