Schultaschen

"Finger weg von Trolleys"

Regina Philipp, 02. September 2010 13:06
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    Trollys sind keine brauchbare Alternative zur Schultasche. Die Unfallgefahr ist mit den Taschen auf Rädern massiv erhöht.

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    Foto: APA/Roland Schlager

    Das klassische Modell sollte korrekt eingepackt sein: Schwere Bücher gehören in das Fach nahe beim Rücken, leichte Dinge in die vorderen Fächer.

Schwere Schultaschen sind gut für die Rumpfmuskulatur und erzeugen keine Haltungsschäden - Oliver Ludwig, wissenschaftlicher Leiter der Aktion "Kid-Check" im Gespräch

Alle Jahre wieder: Der Schultaschenkauf kurz vor dem Schulbeginn beschäftigt Eltern und Kinder. Diskussionen um das Schultaschengewicht hält der deutsche Experte Oliver Ludwig für überflüssig.

derStandard.at: Wie viel Schultaschengewicht verträgt der kindliche Rücken?

Ludwig: Es gibt noch einen uralten Richtwert, der besagt, dass das Gewicht der Schultaschen 10-15% des kindlichen Körpergewichtes nicht überschreiten soll. An diesem Normwert klammert man sich bis heute fest und lässt dabei den körperlichen Zustand der Kinder völlig außer Acht. Es gibt Kinder, die sind so schwach gebaut und besitzen so wenig Bewegungserfahrung, dass sie schon mit zehn Prozent Schultaschengewicht überfordert sind. Und dann gibt es Kinder, die problemlos 20 bis25% ihres eigenen Körpergewichtes tragen können, ganz einfach weil sie muskulär stark genug sind. Es ist also überflüssig einen Grenzwert zu definieren und zu proklamieren, dass sobald dieser überschritten wird, für das Kind eine Gefahr besteht. 

derStandard.at: Gefüllte Schultaschen erreichen problemlos ein Gewicht zwischen vier und fünf Kilogramm. Was wenn es sich um ein besonders zart gebautes Kind handelt? 

Ludwig: Wir haben eine Menge Kinder untersucht und es kam ganz klar heraus: Wenn die Schultasche 15-17% des kindlichen Körpergewichtes beträgt, dann kommt es zu weder zu einer muskulären Ermüdung, noch zu einer Veränderung der Körperhaltung. Wir gehen also davon aus, dass 17% völlig bedenkenlos getragen werden können. Und darüber hinaus, empfehle ich Eltern ihr Kind einmal mit bepackter Schultasche auf dem Schulweg zu begleiten. Zwischendurch sollten Sie dann ihr Kind fragen, ob es Ermüdung empfindet. Eltern bekommen dann ein Gespür dafür, ob die Tasche schon zu schwer ist, oder ob das Kind damit eigentlich problemlos klar kommt.

derStandard.at: Mittlerweile gibt es viele bewegungsarme, also muskulär schwache Kinder. Kann hier die Schultasche mitverantwortlich sein für Haltungsschäden, Fehlstellungen oder Muskelverkürzungen?

Ludwig: Wir können das mit unseren Untersuchungen überhaupt nicht bestätigen. Muskelverkürzungen treten eigentlich erst auf, wenn Fehlhaltungen über eine relativ lange Zeit eingenommen werden. Realistischerweise darf man davon ausgehen, dass ein Kind maximal 15-20 Minuten für seinen Schulweg braucht. Dieser Zeitrahmen ist viel zu kurz um eine Muskelverkürzung zu erzeugen. Was die Schädigung der Wirbelsäule anbelangt, kann ich nur sagen: Ein Kind, das auf einem Spielplatz, herumspringt, klettert und balanciert, setzt seine Wirbelsäule einer ungleich größeren Belastung über einen ungleich größeren Zeitraum aus. Sie werden trotzdem keinen Orthopäden finden, der dieses Verhalten als ungesund bezeichnet und Kindern abrät auf dem Spielplatz herumzuturnen. 

derStandard.at: Warum gerät das Gewicht der Schultaschen dann trotzdem immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik?

Ludwig: Die Diskussion wird immer am falschen Punkt aufgehängt. Das Schultaschengewicht ist eigentlich völlig sekundär und die Angst, dass eine schwere Schultasche für den kindlichen Haltungsapparat schädlich sein könnte ist unbegründet. Vielmehr sollte darüber nachgedacht werden, wie die Kinder motorisch gefördert werden können. Eine starke Muskulatur und eine gute Koordination sind die beste Prophylaxe gegen zukünftige Haltungsschäden. 

derStandard.at: Das Tragen der Schultasche könnte sich also eigentlich sogar positiv auswirken?

Ludwig: Ja, denn für viele Kinder ist das Tragen ihrer Schultasche eigentlich das einzige Muskeltraining, das sie überhaupt noch machen. 

derStandard.at: Abgesehen vom Gewicht der Schultasche, spielt die Passform irgendeine Rolle?

Ludwig: Eine gute Schultasche wird auf dem Rücken getragen, nicht einseitig und nicht zu tief hinunter bis zur Lendenwirbelsäule, wie es bei Rucksäcken häufig der Fall ist. Die Gurte sollte straff sein, damit die Tasche am Rücken anliegt. Je weiter die Schultasche nach hinten durchhängt, desto mehr wird das Kind in das Hohlkreuz gezogen. Vernünftig einpacken macht ebenfalls Sinn. Das heißt schwere Dinge zum Körper und Unnötiges rausnehmen. 

derStandard.at: Was ist mit dem Trolley als Alternative?

Ludwig: Finger weg von Trolleys, also Taschen auf Rollen. Das ist das Schlimmste was sie einem Kind antun können. 

derStandard.at: Wegen der einseitigen Belastung?

Ludwig: Zum einen wegen der einseitigen Belastung und vor allem aber deshalb, weil Trolleys die Unfallgefahr massiv erhöhen. Wenn ein Kind damit Treppen hinauf und hinunter geht, in den Bus oder in die U-Bahn ein- und aussteigt, ist die Gefahr, dass der Trolley verrutscht und das Kinder darüber fällt groß. Man erkauft sich hier im Grunde eine Entlastung der Wirbelsäule mit sehr vielen Nachteilen ein. (derStandard.at, 02.09.2010)

Oliver Ludwig, ist wissenschaftlicher Leiter der Aktion Kid-Check der Universität des Saarlandes. Der Experte für Bewegungsanalysen leitet auch Trainingsgruppen für haltungsschwache Kinder und Jugendliche.

Kid-Check - Die Aktion gegen Haltungsschwäche

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B.M.2
06.09.2010 02:47
Schon ein wenig sonderbar, diese Ansichten des Herrn Ludwig

Beim Klettern, Hüpfen und Springen sieht er keine Unfallgefahr, dafür eine größere Belastung für die Wirbelsäule (genau, die rennen da ja auch mit Rucksäcken stundenlang durch die Gegend). Dafür sieht er aber beim Schulweg ablaufen mit dem Trolley erhebliche Unfallgefahr und Haltungsschäden. Also schon etwas seltsam. Desweiteren möchte ich wissen, wann er das letzte mal mit 17% seines Körpergewichtes auf dem Rücken (mit seiner ausgewachsenen Wirbelsäule) durch die Gegend gelaufen ist. Und von strukturiertem Muskelaufbautraining scheint er auch recht wenig Ahnung zu haben. Schulranzen tragen gehört nicht unbedingt dazu.

hed
06.09.2010 11:43
ach komm'

erstens hat er ja sehr wohl gesagt, dass es vom kind abhängt, wieviel es tragen kann, zweitens hat ein kind, das sich von klein auf viel bewegt, überhaupt kein problem damit 20, 30 minuten lang eine schultasche am rücken zu tragen und drittens braucht man nicht für jeden quargel trainingspläne und personal trainer

fuchstritt
04.09.2010 09:47

seltsam. da hat man sich jahrzehntelang den kopf darüber zerborchen wie schwer die schulpackln sein dürfen aber daß man kinder beinahe täglich viele stunden auf engstem raum einpfercht hat keinen interessiert.u dann wundern wir uns warum die menschheit patschert,blad,aggressiv u unrund wird. training wirkt,in jederr ichtung offensichtlich

amaryllis.sternwieser
03.09.2010 22:13

Es kann hier natürlich lang und breit darüber diskutiert werden wieviele Haltungsschäden eine zu schwer Schultasche hervorrufen kann, die täglich zweimal zw. 15 und 30 min. getragen wird. Für viel wichtiger halte ich allerdings die Frage - wie ergonomisch ist die Einrichtung der Klassenzimmer und in welchem Ausmass begründet das 4 bis 6 stündige sitzen auf dieser Haltungsschäden? Sogesehen ist das Schultaschenproblem sicher ein geringes.
Zum Thema Schulbücher - meine Kinder können sowohl in der VS als auch in der AHS alle nicht für die Hausaufgaben benötigten Bücher in der Schule lassen. Also das sollte kein Problem sein, in der VS verbleibt alles im Bankfach und in der AHS gibt es Spinde.

ausnahmeerscheinung
03.09.2010 20:32

spinde für die kinder müssen her damit die elende schlepperei zumindest halbiert werden kann.

StSteiner
15.09.2010 11:54

Gibt's eh schon in einigen Schulen.

Aber, stimmt: mehr Spinde (und Spinner!) braucht das Land!

Sperber
03.09.2010 13:21

Also, schon ein wenig wackelig, was die Dame da erzählt.
Zu Trolley würden mich Zahlen interessieren. Gibt es wirklich so viele Unfälle? Ich kenne einige Kinder die einen Trolley benutzen und die sind alle noch unversehrt.

phaidros
03.09.2010 19:06

welche dame?

Mariothereal
03.09.2010 09:32
vorher nachher

zuerst spricht er sich gegen eine prozentuelle einteilung aus, und verweist auf die individuellen fähigkeiten des kindes.
und dann kommt er selber wieder mit seiner studie und als richtwert 17%. also was nun?

Heidrun Starck
03.09.2010 00:22
"Hände weg von Trolleys"

ist bloß Arbeitsbeschaffung für Orthopäden.
Fette Lügen im Artikel. Irre.

Der Unkurze
03.09.2010 10:08

schonmal schulkinder mit trolleys bei den ubahnstiegen beobachtet?

das ist definitiv schlechter als die schultaschen (und mit denen sind manche umgangstechnisch schon überfordert..)

Heidrun Starck
03.09.2010 00:17
Letztklassige Frechheit, sowas zu schreiben!

Schwere Schultaschen sind nicht schlecht für Wirbelsäulen und meine Wirbelsäule existiert nicht, auch nicht die meines Bruders und einer Freundin von mir....

Wieso darf so gelogen werden?

MIP1
07.09.2010 21:22

Über Ihre Wirbelsäule hat er nichts gesagt. Das heißt aber nicht, daß er ihre Existenz in Abrede stellt.

Harry Dresden
06.09.2010 14:31

mehr sport treiben und nicht den schultaschen die schuld geben :D

gemma gemma, bewegen sie sich

Nasen-Igel
03.09.2010 00:15
"Finger weg von Trolleys" ...

... die Äußerung eines "Cerebralen Asketen" ohne Lebenserfahrung.

Hunderte Millionen von Reisendenen per anno können sich nicht irren.

Harry Dresden
06.09.2010 14:34
sie als "cerebraler ATHLET"

werden aber sicher die unterschiede zwischen kindlichen und erwachsenen körpern kennen.

außerdem könnten sich auch milliarden reisende irren!
die masse macht niemals die qualität der handlung aus

the incredible mürrenz
04.09.2010 00:22

Artikel auch gelesen oder nur die Überschrift?

jumpingjack flash
03.09.2010 01:03
mördertrolley

schaun sie sich doch obiges foto mit dem mördertrolley an :-)

Heavyweather
02.09.2010 22:19

Soviel Unwissenheit in einem Interview.

1. In den letzten 5 Schuljahren habe ich noch nie von einem Trolley Unfall gehört.
2. Schultaschen erreichen im Normalfall ein Gewicht von bis zu 10kg...das können schon bis zu 50% des Körpergewichtes sein.
Ich wiege 70kg und würde trotzdem nicht jeden Tag ein Zementsackel mit 25 oder 30kg am Rücken schleppen wollen.
Einseitige Belastung beim ziehen von 10kg auf Rollen? LOL.

PegasusNbW
05.09.2010 19:14
apropos unwissenheit

schultaschen können natürlich schon recht schwer werden - allerdings kommt der große gewichtssprung der schultaschen erst in der HS/AHS, wo man bücher und unterlagen für 6 - 8 fächer mitschleppen muss. und wenn ein kind/ein jugendlicher in der sekundarstufe nur 20 kg wiegt (damit 10 kg dann 50% wären), dann sollte die primäre sorge nicht dem gewicht der *schultasche* gelten...

t.
12.09.2010 22:34

"im Normalfall ein Gewicht von bis zu 10kg"

also die Schultasche schau ich mir an, mit 10kg. Das geht sich ja schon rein vom Volumen her nicht aus. Vielleicht mit 6kg Äpfeln drin oder so :)

Harry Dresden
06.09.2010 14:35
hahaha, saugeil :D

Heavyweather
05.09.2010 21:45

Du hast noch nie in der AHS unterrichtet gell...
Wir wiegen oft Schultaschen ab...die haben einfach bis zu 50% des Körpergewichtes. Im Durschschnitt ca. 10kg aber auch schon Mal 15-17kg.
Kinder gibt es auch ganz kleine und zarte.
Aber du hast Recht dass es auch viele blade Kinder gibt. Die schleppen aber schon so viel Gewicht herum dass sie auch keine schwere Schultasche mehr brauchen.

Und was ändert dass daran dass Trolleys super sind?

werwolfi
02.09.2010 19:05

zu meiner schulzeit waren trolleys sowieso grundsätzlich etwas für die generation 90+... ;o)

Heavyweather
02.09.2010 22:20

wolfi m.?

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