Wirtschaftsweiser für kräftige Lohnerhöhung

2. August 2010, 09:19
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Peter Bofinger hat Forderungen der Arbeitgeber nach maßvollen Lohnabschlüssen eine deutliche Absage erteilt

Düsseldorf - Der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat Forderungen der Arbeitgeber nach maßvollen Lohnabschlüssen eine Absage erteilt. Notwendig seien "kräftigere Lohnsteigerungen von mindestens drei Prozent", sagte Bofinger der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe dazu beitragen, dass die Volkswirtschaften der Euro-Zone auseinanderdrifteten. Der Unterschied müsse durch höhere Lohnabschlüsse in Deutschland und niedrigere Abschlüsse in den weniger wettbewerbsstarken Ländern Südeuropas ausgeglichen werden.

Für die ausgeprägte Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe es "keine Rechtfertigung" gegeben, sagte Bofinger, der Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Künftig müssten die Löhne im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt um mindestens drei Prozent pro Jahr zulegen. Dies ergebe sich aus einem Produktivitätszuwachs von einem Prozent plus der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Inflation von nahe zwei Prozent.

Schwung für Diskussion

Gänzlich andere Töne hatte davor der deutsche Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt angeschlagen. Er hat naturgemäß die Gewerkschaften vor zu hohen Lohnforderungen in der kommenden Tarifrunde gewarnt. "Wir dürfen den derzeitigen Aufschwung auf gar keinen Fall belasten oder gefährden", warnte er am Sonntag im Deutschlandfunk. Die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre sei ein Grund für die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt gewesen. Lob kam hingegen von CSU-Vorsitzendem Horst Seehofer, der erklärte er habe "absolut" Verständnis für Forderungen nach höheren Löhnen. Seehofer sagte im ARD, die Gewerkschaften seien bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise "in den letzten zwei, drei Jahren ungeheuer verantwortungsvoll" gewesen.

Laut einer Studie des Forschungsinstituts Kiel Economocs dürfen Deutschlands Arbeitnehmer ab 2013 mit deutlichen Lohnsteigerungen rechnen. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die demografische Entwicklung würden dafür sorgen, dass in Deutschland ein Kampf um Arbeitskräfte ausbräche, zitiert die Zeitung. In der Folge stiegen auch die Gehälter wieder und zwar deutlich schneller als in den letzten Jahren. (Reuters/rb)

 

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    Höhere Löhne oder nicht: Die Meinungen gehen bei den Nachbarn (wie übrigens auch in Österreich) erheblich auseinander.

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    Wirtschaftsweiser Peter Bofinger hält nun deutliche Lohnerhöhungen für notwendig.

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