Kernel 2.6.35: Stromsparen, Speed und btrfs

2. August 2010, 09:10
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Zahlreiche Optimierungen an Stromsparfunktionen - H.264-Hardware-Support für Intel-CPUs - AppArmor für 2.6.36 wahrscheinlich

Mit 77 Tagen war der aktuelle Kernel-Enwicklungszyklus einer der kürzesten der letzten Zeit, und doch bietet Kernel 2.6.35 so manche wichtige Neuerung, von denen ein großer Teil der Linux-NutzerInnen künftig profitieren sollen. Die neue Generation der Software steht ab sofort zum Download bereit, wie Kernel-Maintainer Linus Torvalds auf der Mailing-Liste des Projekts verkündet.

Reaktionszeit

Besonders umfangreich gestalten sich die Neuerungen bei den diversen Stromsparfunktionen des Kernels: So analysiert cpuidle nun die Schlafphasen, um in Folge optimaler reagieren zu können. Außerdem wartet der automatisch anpassende ondemand-Governor bei der Änderung der Prozessorfrequenz nun eher, wenn I/O-Aufgaben anstehen, bisher konnte das recht aggressive Stromsparverhalten in diesem Bereich die Performance stark negativ beeinflussen.

Beschleunigung

Für Intel-Prozessoren gibt es mit intel_idle nun einen eigenen Treiber, der statt der generischen ACPI-Unterstützung, die nicht bei allen Rechnern immer fehlerfrei implementiert ist, zum Einsatz kommen kann. Apropos Intel: Hier gibt es für die Ironlake-CPUs nun Hardwarebeschleunigung für das Videocodec H.264, eine Funktion die freilich auch von diversen Userspace-Programmen unterstützt werden muss. NutzerInnen von ATI-Grafik werden sich hingegen über erheblich erweiterte Stromsparfunktionen bei der Nutzung des freien Radeon-Treibers freuen, so gibt es hier nun etwa  ein automatisches, dynamisches Power-Management.

btrfs

Zentrale Verbesserungen auch für das "Next-Generation-Dateisystem" btrfs: So gab es einige Optimierung, um Probleme zu vermeiden, wenn es mal mit dem Speicherplatz eng werden sollte. Zudem gibt es nun die Möglichkeit per Direct-I/O die Kernel-Caches zu umgehen, was vor allem für Datenbanken nützlich sein soll, die hier ohnehin eigene Caches einsetzen. Ein automatisches Defragmentieren des Arbeitsspeichers ermöglicht die neue "Memory Compaction", nützlich ist dies vor allem für Anwendungen die große zusammenhängende Speicherbereiche benötigen, wie es etwa typischerweise bei Virtualisierung der Fall ist.

Download

Kernel 2.6.35 steht ab sofort in Form des Source-Codes von der Seite des Projekts zum Download, die neue Softwareversion wird die Basis der kommenden Ausgaben diverser Linux-Distributionen bilden. Mit der Freigabe einer neuen Version beginnt nun wie gewohnt das zweiwöchige Fenster für die Aufnahme neuer Funktionen in Kernel, gute Chancen zur Aufnahme hat hier etwa das Sicherheitsframework AppArmor, das schon vor einigen Jahren als Alternative zu SELinux entwickelt wurde. (apo, derStandard.at, 02.08.10)

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