"Rücktritt" des selbsternannten "Emirs des Kaukasus"

2. August 2010, 17:52
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Tschetschenischer Rebellenchef geht in den Ruhestand - Mutmaßlicher Metro-Attentäter ernennt Nachfolger

Moskau/Wien - Der tschetschenische Seperatistenführer Doku Umarow ist aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten als "Emir des Kaukasus" zurückgetreten. Umarow, der sich zu den Attentaten auf die Moskauer Metro mit 39 Toten bekannt hatte, wurde vor einem Jahr bei Kämpfen mit russischen Truppen schwer verletzt und leidet seitdem an den Folgen.

Die Nachfolge des Rebellenführers wird der 35-jährige Aslambek Wadalow antreten. Dieser sei jünger und könne energischer auftreten, sagte Umarow in einem auf Youtube veröffentlichten Video. Russische Medien berichteten im Juli, dass auf den 46-jährigen Rebellenführer ein Giftanschlag verübt worden war, den er nur knapp überlebte.

Über Umarows Nachfolger Wadalow ist nur wenig bekannt. Der ehemalige Anführer der "Ostfront" und der Truppen des kaukasischen Emirats kämpfe seit 1994 an Umarows Seite und habe 2008 den Angriff auf ein Dorf, in dem Milizionäre wohnten, geleitet.

Kaukasusexperten wundern sich über die Art der Ernennung. Über die Nachfolge müsste eigentlich eine Versammlung der Ältesten entscheiden, meint Grigorij Schwedow, Chefredakteur der Internetzeitung Kawkaski usel. Durch die ungewöhnliche Form der Ernennung könnten Zweifel an der Legitimität der Nachfolge auftauchen.

Seinen Anhängern versicherte Umarow, dass er sich nicht aus dem Jihad zurückziehen werde. "Als alter Veteran werde ich alles machen, was in meinen Kräften steht: sowohl mit Worten als auch Taten" , sagte Umarow. Das Ziel der Separatisten ist ein von Russland unabhängiges Emirat.

Vor rund einem Jahr haben die Rebellen eine Änderung ihrer Kampfstrategie angekündigt. In den Mittelpunkt ihrer Angriffe werden russische Infrastrukturobjekte wie Kraftwerke, Pipelines, und Brücken rücken, sagte Umarow damals. Im Juli schlugen die islamischen Extremisten erstmals zu und sprengten ein Wasserkraftwerk in Kabardino-Balkarien.

Diesen Sommer ist es immer wieder zu Spannungen zwischen Tschetschenen und Russen gekommen. In Moskau erstach ein Tschetschene einen russischen Journalisten. In einem Jugendcamp am Schwarzen Meer artete ein Streit zwischen tschetschenischen und russischen Jugendlichen in eine Massenschlägerei mit 600 Beteiligten aus. (ved/DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2010)

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    Amtsmüde: der Emir vom Kaukasus.

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