Gewerkschaft will Leiharbeit limitieren

2. August 2010, 13:39
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Firmen stellen lieber Leiharbeiter als fixe Mitarbeiter ein - Gewerkschaft für gesetzliche Schranken

Die Zahl der Leiharbeiter nimmt in Österreich schon seit geraumer Zeit wieder zu. Sie sind die ersten, die in Krisenzeiten gehen müssen, aber auch die ersten, die bei Aufschwung schnell wieder geholt werden. Viele Firmen stellen sie derzeit lieber ein als fixe Mitarbeiter.

Bei der Gewerkschaft sieht man diese Entwicklung schon lange mit Sorge. Einmal mehr heißt es heute im Ö1-Morgenjournal: Leiharbeiter seien in vielen Fällen Mitarbeiter zweiter Klasse. 

Leiharbeiter als Sachkosten

So monierte etwa der Salzburger Arbeiterkammer-Präsident Siegfried Pichler vor geraumer Zeit im Gespräch mit derStandard.at, dass Personalkosten Personalkosten bleiben müssten. Pichler ärgerte ein Paragraph im Unternehmensrecht, der es erlaubt, dass Leiharbeiter als "Sachkosten" in den Bilanzen geführt werden. Immer mehr schlecht abgesicherte und schlecht bezahlte Jobs seien die Folge von solch erlaubten Bilanztricks der Wirtschaft. Nicht wenige Unternehmen würden manche Leiharbeiter gewissermaßen auf Dauer beschäftigen. Sollte sich die Leiharbeit in einem Betrieb über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahr erstrecken, so müsste das in einen Dauerarbeitsplatz umgewandelt werden, fordert die Gewerkschaft, deswegen.

Derzeit sind in Österreich fast 80.000 Leiharbeiter beschäftigt. Im Jänner waren es noch etwas mehr als 50.000. Vor allem in der Autozulieferindustrie, aber auch in der Lebensmittelindustrie sind Leiharbeiter derzeit sehr gefragt. Leiharbeit kommt den Unternehmen zwar nicht billiger als reguläre Arbeitsverhältnisse. Allerdings sei sie für Unternehmen bequemer, vor allem wenn es um Stellenabbau gehe, so die Gewerkschafter. Ein Anruf beim Personalüberlasser genüge, man erspare sich das Vorwarnsystem beim AMS, kein Betriebsrat müsse verständigt werden.

Mehr Arbeitsunfälle

Rene Schindler von der Produktions-Gewerkschaft Pro-Ge sagte Ö1, dass Leiharbeiter oft ohne notwendige Schulung gefährlichste Tätigkeiten verrichten müssen. In der Branche der Arbeitskräfteüberlasser sei die Zahl der Arbeitsunfälle "um ein Mehrfaches höher" als in anderen Branchen, verweist Schindler auf Statistiken der Unfallversicherungsanstalt (AUVA).

Leiharbeiter seien auch extrem armutsgefährdet, weil sie zwischen zwei Aufträgen in der Regel nicht weiterbeschäftigt werden. Zudem laufen sie Gefahr, ihren Job schon bei der geringsten Auffälligkeit wieder zu verlieren.

Gesetzliche Beschränkung

Die Gewerkschaft fordert nun laut Ö1-Journal, dass Leiharbeit gesetzlich beschränkt werde. In jeder Firma sollten nicht mehr als maximal zehn Prozent Leiharbeiter beschäftigt werden dürfen, richten die Gewerkschafter einen Appell an Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ). Man werde sich dieser Frage stellen, richtet dieser im ORF-Mittagsjournal aus. Ein "gesunder Mix" von einem gewissen Prozentanteil von Leiharbeitern zum Stammpersonal in den Betrieben sei notwendig. Auf die von der Gewerkschaft geforderten zehn Prozent wollte sich der Minister nicht festlegen. Es gehe aber um ein gewisses Reglement.

Heftige Kritik an der Gewerkschaftsforderung kam nicht überraschend vom Bundesvorsitzenden der Personaldienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Flenreiss. Dies sei ein "Eingriff in unternehmerische Verantwortung und Planung, der aufs Strikteste abzulehnen ist". (rb, derStandard.at, 2.8.2010)

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    Weniger Leiharbeiter fordert die Gewerkschaft: In jeder Firma sollten nicht mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter von Arbeitskräfteüberlassern kommen dürfen.

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