Virtuoses Verwechslungsspiel

1. August 2010, 19:38
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Shakespeare pur: "Comedy of Errors"

Schloss Hof - Schon vor der Vorstellung fühlt man sich wie in Shakespeares Heimat. Es ist später Nachmittag, und der barocke Garten im niederösterreichischen Festschloss Hof präsentiert sich von seiner schönsten hochsommerlichen Seite. Auf den Wiesen zwischen Pferdestallungen und Brunnengrotte sitzen strohbehütete Menschen auf Holzklappstühlen und Laura-Ashley-Decken und - trinken Tee. Natürlich unterhalten sie sich in gepflegtestem British English.

So klischeehaft dieses Szenario eine Schauspieler-Performance vermuten lässt, bei den Picknickenden handelt es sich um das Publikum von Shakespeares The Comedy of Errors (Die Komödie der Irrungen), einem Gastspiel des Londonder Globe Theatre bei Art Carnuntum. Bereits zum dritten Mal hat der Leiter des Welttheaterfestivals, Piero Bordin, die Shakespeare-Profis am vergangenen Wochenende nach Schloss Hof geladen.

In der Dämmerung tauschen die Gartenbesucher Picknickkorb gegen Gelsenspray und wandern in den Innenhof des Schlosses. Dort sind Schauspieler mit dem Flicken von Kostümen und Ordnen von Requisiten hinter der kleinen elisabethanischen Bretterbühne beschäftigt und warten nur darauf, bis der letzte Zuschauer seinen Platz eingenommen hat. Das Spiel kann beginnen. Frei von der holprigen Wortlast der deutschen Sprache wird hier eine Shakespeare-Aufführung dargeboten, deren Qualität weit über ein rein historisches Schauspiel hinausgeht (Inszenierung: Rebecca Gatward). Unaufgeregt, aber voller Witz und Charme spielen die Darsteller des Shakespeare's-Globe-on-Tour-Ensembles in der Verwechslungskomödie.

Das vermutlich früheste Lustspiel Shakespeares beruht auf Menaechmi (Die Zwillinge) von Plautus, der mit seiner feinen Figurenzeichnung ein früher Meister der breiten Publikumswirkung war. Es wird von Zwillingsbrüdern erzählt, die auf den Namen Antipholus (Tom Mothersdale als Antipholus of Syracuse und als Antipholus of Ephesus) hören und schon als Kinder durch einen Schiffbruch getrennt wurden. Einer der beiden lebt in Ephesos.

Als dessen Bruder eines Tages in der Stadt und somit im Leben seines Zwillings eintrifft, sind Verwirrung und Chaos vorprogrammiert. Shakespeare fügte noch ein zweites Zwillingspaar ein: die Sklaven der beiden Protagonisten (Fergal McElherron als zweifacher Dromio) nämlich. Acht Darsteller spielen 13 Rollen. Wenn die Schauspieler dann Dialoge mit sich selbst führen, erreicht die Komik dieses kurzweiligen Abends ihren Höhepunkt. (Elisa Weingartner, DER STANDARD/Printausgabe, 01.08.2010)

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