Milliardenloch bei US-Banken

1. August 2010, 18:55
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Das Bankensterben in den USA geht unvermindert weiter. Ende der Vorwoche hat es wieder fünf Institute erwischt

Wien - Seit Jahresbeginn sind in den USA bereits 108 Institutionen zahlungsunfähig geworden. Sie werden von der Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) abgewickelt, die entweder selbst Teile der Banken verkauft oder die Übernahme durch eine andere Bank überwacht. Auf der FDIC-Liste der "Probleminstitute" stehen bereits 775 Banken. Im Dezember 2007 waren es nur 76. Dabei stammt die letzte Liste aus dem Monat Mai, seitdem sind wieder einige dutzende Banken wegen Insolvenz von der FDIC oder privaten Banken übernommen worden.

Pleitewelle

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt nicht zuletzt aufgrund dieser weiter anhaltenden Pleitewelle vor Risiken im US-Bankensystem. In einer aktuellen Studie warnen IWF-Ökonomen, dass das Finanzsystem zahlreiche Schwachstellen aufweise. Zwar würden die großen Institutionen an der Wall Street wieder Gewinne schreiben, da sie von erhöhten Investmentbanking-Umsätzen profitieren. Doch in vielen US-Bundesstaaten, in denen Banken zu fast 100 Prozent durch Einlagen finanziert sind und ihr Hauptgeschäft in Unternehmens- oder Immobilienkredit haben, rumort es kräftig.

Ein Stresstest des US-Bankensystems durch den IWF kommt zu dem Ergebnis, dass knapp ein Drittel der 52 größten Geldinstitute bei einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage unterkapitalisiert sei. Der Test war ähnlich konzipiert wie jener in Europa, sah also insbesondere ein niedrigeres Wachstum für 2010 und 2011 sowie weitere Verluste bei den Kreditportfolios als Stressfaktoren vor. Gerade kleine und regionale Institute, die stark vom jeweiligen Immobilienmarkt abhängen, sind in diesen Tests gefährdet, schließt der IWF.

Bis zu 76 Mrd. Dollar (58,2 Mrd. Euro) an frischem Kapital würde das US-Finanzsystem im Stressfall benötigen, erwarten die Ökonomen des Währungsfonds. Sie warnen besonders vor Problemen, die sich aus der starken Vernetzung der US-Institute ergibt. Gerät eine Bank in Schwierigkeiten, hat das auch direkte Folgen für andere Institute, etwa weil die Banken sich untereinander Geld geliehen haben oder weil sie ähnliche Vermögenswerte halten.

Die US-Regulatoren müssten daher die Risiken im Finanzsystem stärker beobachten als bisher und im Fall des Falles schnell eingreifen. Der IWF forderte zudem eine "makrozentrierte" Regulierung, die nicht nur einzelne Institute im Blick hat, sondern ebenso Risiken im Bankensystem als Ganzem analysiert. Bisher konzentrieren sich Notenbanker und Aufsichtsbehörden auf Probleme bei einzelnen Instituten.

Die Experten des Währungsfonds bekräftigten zudem die Forderung, die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu reformieren. Diese halten und garantieren rund ein Achtel aller US-Kredite und hatten - damals noch als private Banken - eine wichtige Rolle als Auslöser in der Immobilienblase gespielt. (Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.8.2010)

 

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