RH sind Gagen der Flughafenchefs zu hoch

1. August 2010, 18:45
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Der Flughafen verpasst sich eine neue Organisation. Damit der kommende RH-Rohbericht nicht in fremde Hände kommt, wurde nur ein Exemplar bestellt

Wien - Mehrere Szenarien gibt es, wie der Flughafen-Vorstand nach der Wiener Wahl aussehen könnte: Dass Flughafen-Sprecher Herbert Kaufmann per Jahresende ausscheidet, soll bereits zwischen den Hauptaktionären Wien und Niederösterreich (halten je 20 Prozent am Airport) vereinbart worden sein. Genauso wie der Umstand, dass es künftig nur mehr einen Zweier-Vorstand geben wird.

Ob sich der Vorstand dann aus den verbleibenden beiden Mitgliedern Gerhard Schmid (SPÖ) und Ernest Gabmann (ÖVP) zusammensetzt, ist nicht ausgemacht. Theoretisch könnte es auch zu einer kompletten Neuausschreibung kommen, in Verbindung mit einem vernichtenden Rechnungshofbericht, der in der Rohfassung Ende August, Anfang September erwartet wird - rechtzeitig vor der Wiener Wahl.

Hohe Gagen

Der Vorstand hat übrigens nur ein Exemplar des Rohberichts angefordert, das auch vom Aufsichtsrat nur eingesehen werden kann. Eine Sicherheitsmaßnahme sei das, damit wolle man verhindern, dass Kopien angefertigt werden. Apropos RH-Bericht: Neben Skylink bemängeln die Prüfer die hohen Gagen der Vorstandsmitglieder. Allerdings verglichen die Prüfer die Bezüge mit den Gehältern von leitenden Angestellten aus der Transport- und Logistikbranche. Kein Wunder, dass Kaufmann mit 406.000 Euro Jahresgage (inklusive Prämie von 145.000 Euro) deutlich darüber ist.

Dass der komplette Vorstand neu besetzt wird, scheint nach derzeitigem Stand eher unwahrscheinlich, denn Schmid dürfte bleiben. Er genießt das Vertrauen der Wiener SPÖ, und nicht zuletzt ist er der einzige im Vorstand, der vom Flughafenbetrieb etwas versteht. Was mit Gabmann passiert, ist offen. Er muss sich immer noch dafür verantworten, dass er - kaum im Amt - Institutionen seiner Heimatgemeinde Schrems mit 50.000 Euro sponserte. Der Nutzen dieser Zuwendung für den Flughafen ist für Involvierte nicht nachvollziehbar.

Gut möglich, dass Gabmann - überfordert mit Skylink und dezentem Druck aus St. Pölten - von selbst abdankt und in Pension geht.

Eben weil die Zusammensetzung des Vorstandes völlig offen ist, wurde der Beschluss über eine detaillierte Neuorganisation der Zuständigkeiten im Vorstand vom Aufsichtsrat vertagt. Berater Roland Berger hat eine solche Neuorientierung empfohlen, die nun erst Anfang 2011 umgesetzt werden soll. Beschlossen wurde bisher lediglich, dass es künftig einen Aviation- und einen Non-Aviation-Bereich geben wird. Derzeit sind dafür Kaufmann und Schmid zuständig. Künftig soll sich Schmid jedenfalls verstärkt um die hochkomplexe Inbetriebnahme von Skylink kümmern.

Inbetriebnahme

Dauerbrenner am Airport ist die Diskussion, ob für Skylink nun ein Totalübernehmer (TÜ) gebraucht wird oder nicht. Dieser sollte fortan die Verantwortung für den Fertigbau und die Inbetriebnahme übernehmen. Die Ausschreibung für einen TÜ ist bereits erfolgt. Drei Konsortien gibt es: Strabag/Porr, Hochtief und Alpine, erfuhr der Standard. Die Firmen haben bereits ihre Konzepte präsentiert, wobei die Alpine am schwächsten gewesen sein soll. Der für die Projektsteuerung verantwortliche Martin Erhard stemmt sich vehement gegen einen TÜ - wohl auch aus Eigeninteresse, wie es heißt. Immerhin beschäftigt er etliche Mitarbeiter am Airport. Im Aufsichtsrat gehen die Meinungen auseinander. Wenn der Bau des Terminal Skylink tatsächlich bis Ende Oktober 2011 reibungslos fertig wird, dann brauche man dafür ja keinen TÜ mehr, so eine Meinung - schließlich koste ein Totalübernehmer auch entsprechend. Ob der TÜ schließlich nur für die extrem komplexe Phase der Inbetriebnahme genommen wird, entscheidet sich in den nächsten Monaten.

Details gibt es nun auch über den in der Vorwoche suspendierten Flughafen-Mitarbeiter: Die Staatsanwaltschaft fand bei der Durchsuchung im Haus des ehemaligen Skylink-Projektleiters widersprüchliche Aufzeichnungen: Der Betroffene (Vorgänger von Norbert Steiner, dem jetzigen Leiter) ließ sich sein Dachgeschoß von jener Baufirma ausbauen, die auch am Flughafen tätig war. Die Ermittler stießen bei den Recherchen auf einen Kostenvoranschlag für die Arbeiten über 11.000 Euro, die Rechnung wurde aber nur über 3000 Euro ausgestellt. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.8.2010)

 

  • Bis zum Jahresende wird die neue Organisation des Flughafens fertig sein. Bei der Problembaustelle Skylink wird ab Oktober wieder voller Baubetrieb sein. Der Terminal soll 2012 in Betrieb gehen.
    foto: standard/cremer

    Bis zum Jahresende wird die neue Organisation des Flughafens fertig sein. Bei der Problembaustelle Skylink wird ab Oktober wieder voller Baubetrieb sein. Der Terminal soll 2012 in Betrieb gehen.

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