Frühpensionen sei Dank

1. August 2010, 18:04
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Die guten Zahlen kaschieren auch strukturelle Schwächen in Europas Musterland - Von Eric Frey

An sich sind die jüngsten Arbeitslosenzahlen höchst erfreulich. Die Zahl der Stellensuchenden ist in der Krise nicht so stark gestiegen wie befürchtet und sinkt jetzt viel schneller als erwartet. Dass Österreich seit Mai die niedrigste Arbeitslosenrate unter den 27 EU-Staaten aufweist, zeugt von einer gesunden Wirtschaftsstruktur und einer klugen Arbeitsmarktpolitik. Irgendetwas müssen heimische Regierungen in den vergangenen Jahren richtig gemacht haben.

Aber die guten Zahlen kaschieren auch strukturelle Schwächen in Europas Musterland. So ist die Zahl der Schulungen im Juli erneut gestiegen. Das wäre an sich kein Nachteil, wenn die dort geparkten Arbeitslosen etwas Vernünftiges lernen würden, was sie für die Zukunft besser qualifizieren würde. Doch ein guter Teil der Kurse sind, zumindest nach Erzählungen, reine Zeitverschwendung und dienen vor allem der Zahlenkosmetik.

Dazu kommt, dass die positive Arbeitslosenbilanz direkt mit der unsäglich hohen und weiter steigenden Zahl der Frühpensionen zusammenhängt. Das entlastet zwar kurzfristig den Arbeitsmarkt - und senkt die Jugendarbeitslosigkeit -, belastet jedoch auf Jahrzehnte hinaus den Staatshaushalt. Und während Stellensuchende die Chance auf einen neuen Job haben, sind Frühpensionisten für die Wirtschaft unwiderruflich verloren. Mit mehr Arbeitslosen und weniger Pensionisten wäre Österreich besser dran.(DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.8.2010)

 

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