Rapid jubelt in der Nachspielzeit

1. August 2010, 17:57
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In der Hitze zu Hütteldorf manövrierte sich Rapid aus dem Tief. Kapitän Steffen Hofmann schoss den Rekordmeister zum ersten Sieg, ausgerechnet gegen Meister Salzburg

Wien - Peter Pacult hat doch glatt gesagt, dass Angriff immer noch die beste Verteidigung ist, und dass er an den Gegnern prinzipiell desinteressiert ist. "Ich schaue auf Rapid." Am Sonntag sah der Trainer trotzdem eine zweite Mannschaft, nämlich Meister Red Bull Salzburg. "Die stehen auch nicht mit Rosen da." Rapid konnte nach dem völlig verpatzen Saisonstart (0:4 Innsbruck, 1:2 Wiener Neustadt) aber lediglich einen Strauß Unkraut anbieten.

Das Spiel hätte gar nicht stattfinden müssen, schließlich ist Rapid am Dienstag schon wieder in der Europa League gegen Beroe Stara Zagora engagiert, aber man verzichtete freiwillig auf die im Reglement festgeschriebene Frist von zwei Tagen Pause. Sportdirektor Alfred Hörtnagl meinte sogar, Salzburg sei zum jetzigen Zeitpunkt der ideale Aufbaugegner. Deren Trainer Huub Stevens wiederum sprach Rapid jegliche Krise ab. Andererseits beschäftigt auch er sich ausschließlich mit der eigenen Mannschaft, da hält er es wie Pacult, Salzburgs Taktik? "Wir wollen in die Offensive."

Das Hanappi-Stadion ist natürlich ausverkauft gewesen, die Fans auf der Westtribüne forderten auf einem Transparent "Einebeißen, Popsch aufreißen" (entschärfte Übersetzung), Pacult bot zwei Spitzen auf, Hamdi Salihi und Nikica Jelavic, der übrigens heftig von den Glasgow Rangers umworben wird. Jungnationalspieler Yasin Pehlivan wurde auf die Tribüne gesetzt, es kann sich um eine pädagogische Maßnahme gehandelt haben. Im Mittelfeld dienten die Neuverpflichtungen Thomas Hinum und Christoph Saurer. Rapid begann jedenfalls forsch, die Salzburger stellten für Steffen Hofmann keinen Wachhund ab. Und das verwirrte Eichhörnchen, das über das Spielfeld irrte, störte den Fluss auch nicht.

Salihi und Jelavic vergaben in der ersten Viertelstunde gute Möglichkeiten, Salzburgs Innenverteidiger Ibrahim Sekagya und Rabiu Afolabi hatten zu tun. Offensiv gelang Roman Wallner ein Kopfbällchen (25.). Trotzdem schaffte es der Meister, den Elan des Gastgebers zu bremsen. In den letzten fünf Minuten vor der Pause legte Rapid wieder los, herausgekommen ist eine Eckballserie, die in der Tabelle nicht berücksichtigt wird. Fazit der ersten Halbzeit: Salzburg steht ohne Rosen da, aber es gibt ja noch RB Leipzig und Red Bull New York. Rapid Wien erinnerte phasenweise an einen hübschen Blumenstrauß.

In der 49. Minute blühte er auch noch auf. Hofmann setzte Salihi ein, Salzburgs Abwehr brachte den Ball nicht weg, sondern zu Saurer. Der staubte aus zehn Metern trocken zum 1:0 ab. Zur Erinnerung: Einige Rapidfans hatten ihn abgelehnt, weil er einmal für die Austria gekickt hat. Nun ist Saurer in Hütteldorf angekommen. Stevens reagierte, brachte Joaquin Boghossian und Jakob Jantscher für Wallner und Dusan Svento (55.). Sieben Minuten später traf Jantscher zum 1:1 - wider den Spielverlauf. In der Nachspielzeit stellte der großartige Hofmann mit einem Schlenzer ins lange Eck die Gerechtigkeit wieder her. Ein Spiel, eine späte Rose. Aber vor allem: kein Unkraut. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, 2. August 2010)

SK Rapid Wien - Red Bull Salzburg 2:1 (0:0)
Wien, Hanappi-Stadion, 17.500 (ausverkauft), SR Gangl

Torfolge:
1:0 (49.) Saurer

1:1 (62.) Jantscher

2:1 (93.) Hofmann

Rapid: Hedl - Kayhan (69. Dober), Sonnleitner, Patocka, Katzer - Hofmann, Heikkinen, Hinum, Saurer (76. Drazan) - Jelavic, Salihi (68. Gartler)

Salzburg: Tremmel - Schwegler, Sekagya, Afolabi, Ulmer - Schiemer - Zarate, Mendes, Leitgeb, Svento (55. Jantscher) - Wallner (55. Boghossian)

Gelbe Karten: Katzer bzw. Tremmel, Schiemer

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    Überflieger Steffen Hofmann war für den SCR wieder einmal Goldes wert.

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    Christoph Sauerer schoss sich mit der Führung zum 1:0 ebenfalls in die Herzen der Grün-weißen.

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