Widerstand gegen Steuererhöhungen wächst - Bevölkerung verunsichert

1. August 2010, 17:05
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Die seit Jahresbeginn schwelende Steuerdebatte hat dazu geführt, dass immer mehr Österreicher der Meinung sind, dass die Steuern schon zu hoch wären - Selbst Menschen mit niedrigem Einkommen fürchten Reichensteuern

Linz - In Österreich gibt es eine ganz kleine Gruppe von Spitzenverdienern, die jährlich mehr als 300.000 Euro bekommen - und daher nach den Vorstellungen der SPÖ mit einer Sondersteuer belegt werden sollten. Diese Reichensteuer würde bei den derzeitigen Einkommensverhältnissen nur 5500 Personen treffen.

Die Steuerpsychologie sieht aber ganz anders aus. In einer Market-Umfrage aus der Vorwoche sagten sechs Prozent der Befragten, dass sie von so einer Steuer persönlich "sehr betroffen" wären - unter den Befragten mit der niedrigsten Bildung und den niedrigsten Einkommen (aber auch denen mit der höchsten Parteibindung an die ÖVP) ist die offenbar unbegründete Sorge besonders groß.

"Bevölkerung verunsichert"

"Das hat die Regierung davon, dass sie die Diskussion über die Budgetsanierung einfach laufen lässt und den Termin für das Budget nach hinten schiebt: Die Leute werden verunsichert, sie bekommen immer weniger realistische Vorstellungen von der Wirkung der Steuern - und sind immer stärker überzeugt, dass der Staat ohnehin schon jetzt zu stark zulangt", sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer.

Die Grafik links zeigt, dass bei praktisch allen Steuern die Akzeptanz im Verlauf des letzten halben Jahres gesunken ist.

In einer anderen Fragestellung ließ der STANDARD bei Market erheben, "ob diese Steuer bzw. Gebühr Sie und Ihre engere Familie" mehr oder weniger betreffen würde. Da sagen 69 Prozent, dass sie von einer Erhöhung der Kapitalertrags- und Sparbuchsteuer betroffen wären. 50 Prozent sagen das von der in Diskussion stehenden Grundsteuererhöhung und 70 Prozent erwarten, dass Gebühren für Amtswege (wie etwa die Ausstellung eines Ausweises) für sie spürbar hinaufschnalzen werden.

ÖVP- und Grünen-Wähler fühlen sich stärker betroffen

Immerhin 15 Prozent meinen, dass sie von einer Vermögenszuwachssteuer sehr betroffen wären, weitere 24 Prozent sehen sich als eher betroffen - ebenfalls 24 Prozent kaum und 28 Prozent gar nicht. Ganz ähnlich sehen die Werte aus, wenn man nach einer Steuer auf die Vermögenssubstanz fragt.

60 Prozent sagen, eine Erhöhung der Steuer auf Arbeitseinkommen würde sie sehr treffen, 13 Prozent sehen sich etwas betroffen und nur 22 Prozent kaum oder gar nicht. Hier folgen die Einschätzungen stark den Parteilinien: Erklärte Anhänger der ÖVP und der Grünen sehen sich durch Einkommenssteuererhöhungen deutlich stärker betroffen als Wähler anderer Parteien. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 2.8.2010)

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    grafik: market
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