Jagd auf "Zigeunermercedes" und "5er BMW"

1. August 2010, 13:57
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    foto: irene brickner

Nicht zufällig begründen Frankreichs Innenminister Hortefeux und seine österreichische Amtskollegin Fekter ihr politisches Durchgreifen mit ähnlich bildhaften Ausdrücken

Nicht zufällig begründen Frankreichs Innenminister Hortefeux und seine österreichische Amtskollegin Fekter ihr politisches Durchgreifen mit ähnlich bildhaften Ausdrücken.

Dass sich Frankreichs Innenminister Brice Hortefeux von Österreichs Innenministerin Maria Fekter inspirieren lässt, ist unwahrscheinlich. Umso bemerkenswerter also, dass beide Politiker im Ringen um bildhafte, wählernahe Sprache auf die dicken Autos zu sprechen kommen, die Vertreter einer ihnen unliebsamen Gruppe „Fremder" angeblich chauffieren - verbunden mit Vermutungen, woher die „Fremden" wohl das Geld für derlei Gefährte haben.

„Warum soll der Bund zahlen, wenn Personen schon untergetaucht sind oder mit dem 5er BMW ein Luxusleben führen?", fragte Fekter vor zwei Wochen in einem Zeitungsinterview. Sie kündigte damit schärfere fremdenpolizeiliche Kontrollen von Asylwerbern an, die die vom Bund mitfinanzierte Grundversorgung beziehen.

Viele Franzosen seien mit Recht „verwundert über die Größe mancher Autos der Roma", wurde Hortefeux vor einer Woche zitiert. Also sollten Steuerfahnder die Bewohner „illegaler Siedlungen" unter die Lupe nehmen. Gleichzeitig wurden von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy Zwangsräumungen von Romasiedlungen sowie Abschiebungen rumänischer und bulgarischer Roma gestartet.

Hier der Sager vom „asylmissbrauchenden" Illegalen, der sich grundversorgt in seinem Luxusauto ins Fäustchen lacht. Dort das Cliché des „Zigeunermercedes", der aus dunklen Quellen („Bettelmafia"?) finanziert wird. Beides weckt Neid und Misstrauen der Mehrheit gegen eine Minderheit. Beides spricht das Statussymbol Auto an und ist emotional hoch besetzt. Wer es in Frage stellt, wird als naiv und dumm bezeichnet. Jeder Asylwerber mit Führerschein, jeder motorisierte Roma gilt als „Gegenbeweis".

Beides kommt aus dem Mund von Politikern, die Verantwortung für die Polizei, also das an die Exekutive übertragene Gewaltmonopol, innehaben. Mit dieser Macht gehen sie unverantwortlich um, wenn sie, wie hier, Vorurteile schüren und auf dieser Grundlage durchgreifen: im Fall Fekters gegen Asylwerber, also gegen Menschen, die vor Verfolgung nach Österreich geflohen sind. Im Fall des französischen Innenministers gegen Angehörige des europäischen Elf-Millionen-Volkes der Roma, die laut Studien der EU-Grundrechtsagentur mit den im Vergleich stärksten Diskriminierungen zu kämpfen haben. Deren Lage in mittel- und osteuropäischen Staaten viel sozialen Sprengstoff birgt, sodass Äußerungen wie diese als Zündeln bezeichnet werden können.

Kommentar posten
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Vintageologist
 
00
30.8.2010, 13:29
"im Fall Fekters gegen Asylwerber, also gegen Menschen, die vor Verfolgung nach Österreich geflohen sind."

FALSCH!

Asylwerben kann jeder. Ob die nun tatsächlich vor Verfolgung geflüchtet sind, wird erst im Verfahren festgestellt.

Die meisten Wirtschaftseinwanderer beantragen im Zweifelsfall "Asyl", weil man dann eher reinkommt.

salt&pepper
14
soso, die jagd ist eröffnet...

kennt man von Rechnitz, Oberwart und vielen orten im in und ausland. und auch das bildmaterial, sehr gut zu einer meinungsbildung. hat gar keinen manipulativen wert. für wie dumm werden alle leser verkauft und wie dumm werden sie gehalten. traurig und beschämend.

tassen im schrank
44
ich finds spannend...

...den fokus in die andere richtung zu legen:
wieso diese themen?
wieso gerade jetzt?
in frankreich gibt es eine regierungskrise; in österreich wurden stimmen lauter, die die offenlegung des budgets im dezember kritisieren.

unter diesem gesichtspunkt find ichs fies, dass die innenministerin sich wiedermal auf die ärmsten der bevölkerung einschießt, wo es doch auch andere brennende themen gäbe, wie z.b. hrn. strassers verjährende mutmaßliche falschaussagen...

Ernst Kratochwil
00
Aber ist die (mögliche) Verjährung nicht eine

Angelegenheit die das Justizministerium betrifft während die Überprüfung der Ansprüche auf Grundversorgung in das Ressort des IM gehören?

Ähnliches gilt für die Budgetvorlage.

Death 'n' Roll
05
@Foto

Dem sein Finger riecht sicherlich ganz lustig.
So genüsslich wie er daran schnuppert.

buff flyer
02
also ich hab mit pc und schnorrerei auf staatskosten ja wenig am hut

aber wenn einer zum "fahrenden volk" gehört, bleibt ihm heute doch ausser einem grossen mercedes gar nix anderes übrig.

früher haben die fahrenden leute im ostblock tatra-v8 gefahren, mit einem schweren wohnwagen ist doch alles andere ein humbug.

ein vergleichender blick nach albanien: es gibt dort *nur* mercedes, wer einmal die strassen befahren hat, weiss warum.

man kann die lieben oder nicht, aber die autos sind ein ganz schlechtes argument.

Lucky Luke 1988
00
Albanien LOL meinen sie zufällig die Stadt Skodra?

Wo 18 jährige sich Zigaretten kaufen gehn in Autos für die der Präsident Albaniens 2 Jahre arbeiten muss?

Threonin
35
Wie ein Asylsuchender oder ein Asylant in Bundesbetreuung wenn er nicht arbeiten darf zu einem Auto kommt bleibt mir ohnehin ein Rätsel.

Wenn es kein Geschenk war bzw. er nicht mit diesem Auto gekommen ist, dann wird es sich in irgendeiner Weise um Kriminalität handeln. Bleibt die Frage, was man mit kriminellen Asylsuchenden oder Asylanten machen sollte.

Was die Roma betrifft: die sollen sich in die europäischen Gesellschaften integrieren und gut ist. Viele von den Vorurteilen haben ihren Ursprung in Erfahrungen, die die Menschen halt gemacht haben. So hört man aus Osteuropa immer wieder, dass sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Da kann das ja alles nix werden.

I. O.
93
Viele Asylwerbenden

haben auch einiges Geld/Vermögen...Asylgrund nicht immer Armut, sondern das Verfolgung.
Anderseits alte Autos, zB. sollche alte große Mercedes (mit enorme Benzinverbrauch) sehr oft werden einfach hergeschenkt an Romas, diese alte Autos im Regel unverkäuflich sind. Die Romas reparieren dann.

In Osteuropa werden die Romas in der letzten 20 Jahren enorm verfolgt. Wie sollen sich die Menschen integrieren , wenn sie kaum Chance bekommen dazu? Kids werden durch die Mehrheitsvölker aus dem Schulen ausgeekelt/ausgeprügelt.
Unter die kommunistische Zeiten sie waren recht gut eingegliedert, weil sie haben Arbeit gehabt, die Kids beim Bildung wurden gefördert.
Integration ist nicht gleich Assimilation!

fahrenheit 451
03

und weil sie recht gut eingegliedert waren im alten kommunistischen system stehen sie nun so in der ecke? oder ist die wahrheit einfach nur das sie vorher auch nicht integriert waren in die gesellschaft? die spontanverhaftungen in rumänien in romasiedlungen schon vergessen? etc. etc.

buff flyer
04
autos werden hergeschenkt?

ich hab das gefühl, sie leben in einer traumwelt.

natürlich ist ein alter mercedes nicht weissgottwas wert und ab 300.000 am tacho eher mühsam, aber dass ihn deswegen einer "herschenkt an roma" hab ich noch nie gehört.

die kaufen die karren schon - eine ganz normale investion.

Threonin
210

1) Wenn jemand Geld und Vermögen hat, dann braucht es keine Bundesbetreuung.

2) Selbstverständlich bedeutet Integration auf Dauer eine Art Assimilation. Gemeint ist damit auf jeden Fall, dass ein Volk, eine Kultur in einer neuen Kultur aufgeht und dabei seine Spuren hinterlässt. Spuren, nicht Prägung.

3) Wegen aus den Schulen prügeln: Das ist kaum der Grund. Selbst in Gegenden, wo Roma die relative Mehrheit stellen schicken sie ihre Kinder nur unregelmäßig in die Schulen, kümmern sich kaum um deren Ausbildung,...
Erst wenn die Roma das jeweilige Wertesystem ihrer Umgebung angenommen haben, wird die Diskriminierung abnehmen und allmählich verschwinden.

I. O.
51
Sie verpuffern nur Vorurteile!

a, Vermögende Asylwerber verlangen auch nicht Bundesbetreuung! Die Verpflegungsgelder werden nach Gieskanne -Prinzip ausgeteilt. Eien Bedarf zu Überprüfen ist keine Problem.
b, ZB. in Burgenland leben seit mehrere hundert Jahren Kroaten....Sie haben ihren Identität, Sprache, und kultur bewahrt. Warum sollte die Roma es nicht tun?
c, Gewalt in der Schule gegen Romas, und fehlenden Kleidung, Schulsachen, ausreichenden gesunde Ernährung ist jawohl eine große Hinderniss!
Zur Bildung eine bestimmten Lebenstandard auch notwendig! Sie haben KEINE Ahnung was ist in Elend/Slums leben!
Aus dem schöne Stuben leicht die Armen verurteilen!

Threonin
02

1) In der Aussage von Frau Fekter geht es genau darum, dass der Bund nicht zahlen soll, wenn ohnehin Vermögen da ist. (Ich bin selber kein Freund unserer Innenminsiterin)

2) Ja, ich kenne auch einige dieser Kroaten. Sie haben ihre kulturelle Identität im eigenen Bereich bewahrt. Im Umgang mit Nichtkroaten sind sie von Österreichern praktisch nicht zu unterscheiden. Das ist Integration.

3) Ja, das wirtschaftliche Elend ist ein Problem, nicht nur bei den Roma. Allerdings hat genau diese Volksgruppe europaweit in den letzten Jahrzehnten recht viel Fördergeld "verschlungen". Es wurde allerdings von diesen Leuten nicht entsprechend genutzt.

I. O.
21
Übrigens....

Lauf die europische Geschichte, die Romas immer dann werden als "Probleme" wahrgenohmen, wenn gerade eben eine Wirtschaftskriese und extrem rechte politische Strömungen sind Gänge!
Urspünglich die Romas (Sint, Lovara...) waren vor allem Marktfahrende, Händler Volk. Aber auch viele waren Schmiede, Korbflächter, Holzschnitzer (Wannen,div. Holzgegenstände),Kamm und Bürstenfertiger, aber auch gab viele Berühmte Musiker und Schauspieler!
Nur die Wirtschaft geändert hat, traditionelle Märkte sind out. Aber die Wege für neue Integration für die meiste Romas verspert wurde!
Unter Hilter wurde von ihnen Millionen ermordet!
Bis Heute herrscht viele Vorurteile, und sie werden für Sündenbock gemacht.
Durch Armut sie rutschen oft in die Kriminalität.

imir
00
23.8.2010, 04:15

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.....

Threonin
00

Genau, de Wirtschaft hat sich geändert und so hätten das auch die Roma tun müssen.

Ja, es gab Verfolgung unter den Nazis. Allerdings kann das heute kein Argument mehr sein. Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Wer sich nicht mitverändert bleibt über. So ist die Welt nun mal. Den Roma wurde der Weg nicht versperrt. Es ist dennoch eine Frage der Generationen.
Ich bin selber in Armut aufgewachsen. Meine Mutter hat aber alles dafür gegeben, dass wir Kinder eine ordentliche Ausbildung machen und eben nicht auf Hilfsarbeiterjobs angewiesen sind.

I. O.
21
Diese Fördergelder...

im Regel sind nur Sozialhilfen, welchen nur reichen um bloß überleben (Lebensmittel, die minimalste Wohnkosten zu abdecken, und für Heizen im Winter).
In Osteuropa zwar läuften einige gutgemeinte Projekte auch , wo die Romas, Wohnungen, oder kleine Häuser bekommen haben. Aber wenn sie nicht bekommen dazu Jobs, diese Massnahmen werden auch nicht weit bringen! Die großteil junge Romas brauchen Schulung/Bildung, und danach JOB! Aber Romas wollen nur wenige Einstellen!
Die Erwachsenen, welchen kaum Bildung haben , brauchen dringend einfache Jobs. Im Landwirtschaft, Baustellen, vim Betrieben, Reinigungsdienste...als Hilfsarbeiter und angelernte Kräfte. Leider diese Jobs sind wegrationiert, oder nur mehr schlecht bezahlte Teilzeit oder Leiharbeit

Erisian Liberation Front
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Vorschlag für eine pc gerechte Bezeichnung

all dieser Volksgruppen und deren Behandlung:

Die Brickners, bzw. bricknern

Böser
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bricknern steht doch längst für "blind auf einem aug'"

sylvia29
00
11.8.2010, 13:37
warum

steht ein verb für ein "adjektiv"?

Für eine Welt ohne Tofu!
26
Meine Empfehlung:

Karl-Markus Gauß: "Die Hundeesser von Svinia"
ISBN-13: 978-3423134378
http://www.amazon.de/Die-Hunde... 820&sr=8-1

Ein Buch über das Elend und die Lebensweise der Roma in der Slowakei; mit klarem Blick OHNE politisch korrekten Schönredereien.
Von einem Autor, der definitiv nicht rassistisch oder rechtsextrem ist.

Sollten gerade die Gutmenschen lesen, die nicht verstehen wollen, wie BMWs, Mercedes' und Bettler-Sklaven nebeneinander existieren, und dass nicht alles automatisch gut ist, worüber Rassisten und andere Idiot_n schimpfen.

fahrenheit 451
02

ebenfalls zu empfehlende dokumentation

http://www.sendungen.sf.tv/dok/Nachr... -die-Tabus

kantelippe T-Aktivist
00

danke für den Link.

callanish
01
Mehr Kontrollen wirken Vorurteilen entgegen!

So werden dann die schwarzen Schafe - die es sicher gibt! - derwischt, und die Braven können mit Verweis auf die strengen Kontrollen glaubhaft versichern dass sie wirklich arm sind.

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