Prognosen sind Schrott

1. August 2010, 12:49
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Ob Ölpestfolgen oder Konjunktur – die Zukunft lässt sich nicht voraussagen

Vielleicht hat BP doch Recht gehabt, als es bei Ausbruch der Ölpest die potenziellen Schäden hinunterspielte. Nun, nachdem die Ölquelle fast vollständig versiegelt ist, häufen sich die Meldungen, wonach weitaus weniger Öl an die Küsten gelangt ist als gedacht – und vielfach berichtet. Das Öl im Meer ist überhaupt verschwunden. Wie viel tatsächlich herausgeströmt ist, weiß kein Mensch.

Hier geht es nicht um eine späte Rechtfertigung für den britischen Ölkonzern und seinen Ex-Chef Tony Hayward. Denn vielleicht haben die Pessimisten doch recht, und die 100 Tage Ölpest werden den Golf von Mexiko auf Jahrzehnte verseuchen. Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht. Niemand weiß es.

Besser sind die Prognosen zum Klimawandel abgesichert, denn hier kann man auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zurückgreifen – und die sind eindeutig und äußerst beunruhigend. Aber auch bei der Erderwärmung ist alles möglich – von einem leichten Anstieg der Temperaturen, auf den sich der Großteil der Menschheit relativ leicht einstellen kann, bis zur großen Katastrophe, die unsere Zivilisation zerstören wird. Auch langfristige Klimaprognosen sind daher nicht viel verlässlicher als Horoskope.

Das Gleiche gilt für alle Konjunkturprognosen. Sie sind Schrott. Niemand weiß, wie es mit der Wirtschaft weitergeht, ob in den kommenden Jahren die Erholung weitergeht und die bestehenden Risikofaktoren – schwache Baniken, hohe Staatsverschuldung – sich als kontrollierbar erweisen – oder ob es zum nächsten Absturz der Weltwirtschaft kommt.

In den Jahren 2005 bis 2008 haben  die Kassandras wie Nouriel Roubini oder Max Otte recht gehabt – und gelten nun als große Weisen. Das hebt die Verkaufszahlen für ihre Bücher. Aber in Wahrheit hatten sie nur Glück. Wenn sie und andere jetzt den nächsten Crash voraussagen, stochern sie genauso im Dunklen wie ihre weniger pessimistischen Kollegen. Und nach der Lehman-Pleite 2008 haben sie einen lang anhaltende Rezession vorausgesagt und wurden von der raschen Rückkehr zum Wachstum überrascht.

Wenn es eine Lehre aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gibt, dann die: Die Systeme sind viel zu komplex geworden, als dass sich zukünftige Entwicklungen mit auch nur einiger Gewissheit voraussagen lässt. Man kann höchstens von der Vergangenheit auf die Zukunft projizieren, aber dies ist genauso sinnvoll, wie im Casino auf Rot zu setzen, weil gerade dreimal Schwarz gekommen ist.

Prognosen werden weiterhin gemacht, denn es gibt ausreichend Angebot und Nachfrage. Die Wissenschafter wollen sie erstellen, und wir alle wollen sie lesen. Das ist in Ordnung. Bloß allzu ernst sollte man sie nicht nehmen.

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