Deutlich mehr Beschwerden über betrügerische Anrufe in Deutschland

31. Juli 2010 18:19

66.000 Beschwerden von Jänner bis April 2010 sind neuer Rekord - Oft Gewinnversprechen mit teuren Telefonverbindungen - Kritik an Justizbehörden

Die Beschwerden über betrügerische Telefonanrufe haben in Deutschland drastisch zugenommen: Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Bundesnetzagentur. Bei der Aufsichtsbehörde für die Telefonbranche erstatten immer mehr geschädigte Bürger Anzeige. Mehr als 66.000 Beschwerden von Jänner bis April 2010 betrafen unlautere Geschäftspraktiken am Telefon. Das ist dem Bericht zufolge ein neuer Rekord: In den ersten vier Monaten 2009 waren es noch 14.000.

Der Aufsichtsbehörde zufolge gibt es immer mehr Fälle, bei denen kriminell agierende Firmen mit Hilfe von Sprachcomputern massenweise Verbraucher anrufen und ihnen per Bandansage mitteilen, sie hätten ein wertvolles Auto gewonnen. Um den Gewinn einzulösen, müsse eine 0900-Servicenummer gewählt werden. Wer das befolgt, landet aber in teuren Warteschleifen und wird mit hohen Telefongebühren belastet, statt das erhoffte Auto zu bekommen. Solche Firmen agierten im großen Stil und "mit erheblicher krimineller Energie", warnt die Netzagentur.

0900-Nummern

Die Netzagentur hat in den vergangenen sechs Monaten laut "Süddeutscher Zeitung" bereits die Abschaltung von mehr als 300 solcher 0900-Nummern verfügt. 35.000 Beschwerden bezogen sich in den ersten vier Monaten dieses Jahres auf derartige Betrügereien. Die übrigen Anzeigen betreffen Firmen, die Bürger zu Hause anrufen, um etwa Gewinnspiele zu verkaufen. Solche Werbeanrufe sind illegal, sofern die Verbraucher zuvor nicht ausdrücklich eine Erlaubnis dazu erteilt haben.

Die Bundesnetzagentur rügt in ihrem Bericht laut "SZ", dass die Justiz nicht konsequent gegen mutmaßliche Betrüger vorgehe und stattdessen viele Ermittlungsverfahren "sanktionslos" eingestellt würden. Dies sei eine "untragbare Situation". (APA)

 

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