Einsatz des Vorarlbergers als 4. HRT-Pilot aber nicht ausgeschlossen - Rennen in Budapest vorentscheidend
Mogyorod (APA) - Auch für Christian Klien ist klar, dass beim
Ungarn-Grand-Prix der Weg zum Sieg nur über Red Bull Racing führt.
"Die fahren hier in einer eigenen Liga und werden den Sieg
untereinander ausmachen", sagte der frühere Red-Bull-Pilot, nachdem
Sebastian Vettel und Mark Webber auf dem Hungaroring auch das zwölfte
Qualifying der Saison beherrscht hatten und am Sonntag zum bereits
elften Mal in diesem Jahr aus der Pole ins Rennen gehen.
Klien (27) ist als früherer Red-Bull-Fahrer vertraut mit den
Personen und Abläufen beim austro-englischen Team. "Sie müssten
längst einen deutlich größeren Vorsprung haben. Da sind Fehler
unterlaufen, die McLaren ausgenutzt hat", so Klien, der deshalb
erwartet, dass in der zweiten WM-Hälfte sowohl Red Bull als auch
McLaren wie schon Ferrari nur noch auf einen Fahrer setzt.
Umso gespannter könne man deshalb auf den Ausgang des letzten
Rennens vor der Sommerpause sein. "Webber und Vettel sind
punktegleich. Wer also dieses Rennen gewinnt und die Nase vorne hat,
hat auch in der zweiten Saisonhälfte die besseren Karten", ist der
aktuelle HRT-Pilot überzeugt. Denn, so Klien: "In der Sommerpause
stehen die Fabriken zwei Wochen still. Wenn man also mit Vorsprung in
diese Pause geht, kann das entscheidend sein für die WM."
Dass Webber derart heftig dagegen hält und bisher sogar mehr
Rennen (3) gewonnen hat als Vettel (2), ist für Klien keine wirkliche
Überraschung. "Er war im Vorjahr am Bein verletzt und hat sich nun
extrem gesteigert. Jetzt ist er gleichauf mit Vettel von dem man
glaubte, er fährt ihn in Grund und Boden. Mark weiß, dass er nicht
mehr allzu viele Jahre hat, also versucht er alles."
Dass er jetzt selbst in einem Siegerauto um die WM fahren
könnte,
ist Klien natürlich bewusst. "Aber es ist Jahre her, dass ich dort
gefahren bin und das Team war damals noch im Aufbau", so der
27-jährige Hohenemser, der 2006 mitten in der Saison aus dem
Red-Bull-Team ausgeschieden war. "Natürlich würde man lieber in einem
Auto sitzen, das um die WM fährt."
Seitdem hat sich Klien als Ersatzfahrer bei Honda und zuletzt
Sauber-BMW verdingt gehabt und ist derzeit beim Neuling Hispania
Racing vom Test- und Ersatzfahrer zum vierten Piloten aufgestiegen.
Bei HRT ist man in derartiger Geldnot, dass man sich mit
entsprechender Mitgift einen Cockpitplatz erkaufen kann, was die
bisher zahlreichen Fahrerwechsel zwischen Bruno Senna, Sakon Yamamoto
und Karun Chandhok bestätigen.
"Mein Ziel ist aber nicht, mich um jedes Geld der Welt
einzukaufen. Ich bin der einzige Fahrer mit Erfahrung im Team",
wehrte Klien ab. "Geld kann natürlich sehr nützlich sein. Irgendwann
wird das Team aber in der Situation sein, dass sie sagen, wir setzen
besser einen erfahrenen Piloten ins Auto." Einmal wäre es fast schon
so weit gewesen, dann aber fand einer der HRT-Piloten doch wieder
Geld. Teamchef Kolles hatte aber erst in Budapest wieder bestätigt,
dass ein Renneinsatz des Österreichers nicht auszuschließen sei.
Das im Eigentum der Familie Carabante stehende HR-Team ist
freilich das mit Abstand langsamste Team in der Formel 1. Klien: "Ich
bin bisher nur zwei Freitage gefahren. Das ist sicher zu wenig, um zu
sehen, wo das Auto steht. Deshalb sind wir derzeit sogar eine halbe
Sekunde hinter den Virgins. Das nächstjährige Auto sollte schon
besser sein, denn mit dem aktuellen kommt man sicher nicht weiter."
Die Frage ist freilich, ob es 2011 das HRT noch geben wird,
nachdem sogar F1-Boss Bernie Ecclestone die finanzielle Rute ins
Fenster gestellt hatte. Auch eine Übernahme durch Toyota ist im
Gespräch. "Wie es weitergeht, wird in der oberen Etage entschieden.
Da habe ich keinen Einblick", so Klien. (APA)