Sebastian Vettel holte sich die Pole Position vor seinem Teamkollegen Mark Webber und den Ferraris von Alonso und Massa
Mogyorod - Red Bull Racing hat der Konkurrenz den Auspuff
gezeigt wie noch nie. Sebastian Vettel fuhr am Samstag im Qualifying
für den Formel-1-Grand-Prix von Ungarn mit 1:18,773 Minuten souverän
auf seine 7. Saison-Pole. Als einziger halbwegs mithalten konnte sein
drei Zehntel zurückliegender Teamkollege Mark Webber, Fernando Alonso
war hingegen mit bereits über 1,2 Sekunden Rückstand als Dritter
Bester des deklassierten Restfeldes.
11 von bisher 12 Qualifikationen hat Red Bull in diesem Jahr
gewonnen und liegt nach 11 von 19 Saisonrennen trotzdem sowohl in der
Fahrer- als auch in der Konstrukteurs-WM hinter McLaren. Während die
Engländer in der Qualifikation über die Plätze fünf (Lewis Hamilton)
und elf (Jenson Button: "Red Bull ist hier unmöglich zu schlagen")
nicht hinauskamen, aber auf ihre deutlich besser Renn-Performance
hoffen dürfen, haben Vettel und Webber bisher am Renntag viele
Chancen liegen gelassen. "Samstag-Weltmeister" Vettel hat gar erst
eine seiner davor sechs Poles auch in einen Sieg umgemünzt.
Fabelrunde
Nach seiner Fabelrunde und der vierten Quali-Bestzeit in Folge
gab
sich der 23-jährige Deutsche aber zuversichtlich, dass es am Sonntag
(14.00 MESZ/live ORF 1, Sky, RTL) auf dem Hungaroring endlich klappen
könnte mit dem dritten Saisonsieg - vorausgesetzt dem Vizeweltmeister
gelingt ein besserer Start als zuletzt in Silverstone und Hockenheim.
"Bisher lief das ganze Wochenende wie geschmiert. Ich stehe
diesmal auf der sauberen Seite, die Vorzeichen sind also gut und wir
können ruhig schlafen", gab sich Vettel aber glücklich. "Hier gibt es
eine Porzellan-Trophäe, die mir noch fehlt, die größte will ich
endlich mitnehmen", sagte der Deutsche und bedankte sich artig bei
seinem Team. "Ihr habt dieses Auto gebaut, das ist euer Moment,
genießt ihn", lautete der erste Kommentar von Vettel über Funk.
Ein Sieg wäre für Vettel auch enorm wichtig im Stallduell mit
Webber ("Ich war heute nicht schnell genug"), der schon drei
Saisonsiege herausgefahren hat und in der Fahrer-WM punktegleich mit
dem Deutschen auf Platz drei liegt. Wer sich am Sonntag vor der
einmonatigen Sommerpause eine besser Position verschafft, dürfte
teamintern auch bei den restlichen Rennen die besseren Karten haben.
Denn spätestens ab September werden wohl alle Teams nur noch einen
Piloten bevorzugen.
Rätselraten der Konkurrenz
Nur sechs Tage nach dem umstrittenen Doppelsieg von Ferrari in
Hockenheim verdrängte die erstaunliche Überlegenheit der RB6-Boliden
in Ungarn, wo sie alle Trainings dominierten, endlich die leidige
Teamorder-Diskussion. Der abgasangeblasene Diffusor sowie die
Flexi-Wings an der Vorderachse werden vielfach dafür
mitverantwortlich gemacht, dass die "fliegenden Dosen" von Designer
Adrian Newey so viel schneller sind als die Konkurrenz.
"Es gibt kein Geheimnis. Es hat sich schon abgezeichnet, dass
wir
hier in Ungarn gut sind", wiegelte Vettel aber ab. "In Hockenheim
haben sich viele gewundert, warum die Ferraris schneller sind. Die
gleichen Leute wundern sich jetzt, warum wir wieder vorne sind",
meinte Vettel und erklärte: "Wir haben nach Deutschland einfach den
Tisch aufgeräumt und versucht, wieder ganz oben zu sein." Konkret
hieß das: "Wir haben uns mit allen Komponenten gespielt und
letztlich sind und bleiben die Reifen das schwarze Gold in der Formel
1."
Bei Ferrari, das McLaren als zweite Kraft hinter Red Bull
abgelöst
hat, nahm man die Dominanz des austro-englischen Rennstalles zur
Kenntnis. "Wir haben schon am Freitag erkannt, dass der Abstand zu
groß ist, um aufzuholen. So sind wir eben nur 'the best of the
rest'", erklärte Alonso verbissen, stichelte aber auch. "Dass wir nur
sechs Tage nach dem Doppelsieg in Hockenheim über eine Sekunde hinten
sind und die anderen sogar zwei Sekunden, ist schon überraschend."
Er werde deshalb erneut versuchen, am Start zumindest eine
Position gutzumachen, denn das sei auf einer Strecke mit kaum
Überholmöglichkeiten zu 70 Prozent rennentscheidend. "Normalerweise
würde ich sagen, dass wir im Renntrimm und mit guter Strategie am
Sonntag wieder näher dran sind. Aber dieser Abstand zu Red Bull ist
einfach zu groß", spielte der Doppel-Weltmeister den "Bullen" die
klare Favoritenrolle zu.
Ein weiteres Desaster erlebte Michael Schumacher. Während Nico
Rosberg auf Startplatz sechs fuhr, kam der 41-jährige Altmeister im
zweiten Mercedes über Platz 14 nicht hinaus.
(APA)