Diskuswerfer mit neuer Wurftechnik noch verbesserungsfähig - Projekt läuft bis Olympia 2012 - Aus im Halbfinale für Hürdensprinterin Schreibeis
Barcelona - Die noch nicht abgeschlossene Umstellung der
Wurftechnik hatte zuletzt bereits gute Ergebnisse und den
österreichischen Rekord von 65,24 Metern beim Diamond League Meeting
in Rom gebracht. Diskuswerfer Gerhard Mayer hat viel riskiert und
dabei am Samstag bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in
Barcelona als 15. der Qualifikation mit 60,76 m den Einzug in den
Endkampf der Top-12 verpasst. Bester war der deutsche Weltmeister
Robert Harting mit 66,93.
Mayer warf im Olympiastadion auf dem Montjuic nach 59,88 im
ersten
Versuch 59,31 und steigerte sich im letzten noch einmal auf 60,76,
doch fehlten am Ende 1,21 m zum Weiterkommen. "Im zweiten und dritten
war ich von der Technik knapp dran, ich hatte eigentlich ein gutes
Gefühl. Schade, denn in den Top-12 sind einige Schlagbare drinnen.
Aber das ist die Qualifikation, und ohne schlechte Tage gibt es keine
guten", meinte der Niederösterreicher, der im Vorjahr bei den
Weltmeisterschaften in Berlin den achten Platz belegt hatte.
Einer der Kleinsten
Mit seinen 1,91 Metern ist Mayer einer der Kleinsten im Feld
der
Weltklasse. Weil man die fehlende Größe mit veränderter Wurftechnik
zu kompensieren versucht, starteten Mayer und sein Trainer Gregor
Högler vergangenen Herbst mit dem estnischen Biomechaniker Aadu
Krevald ein Projekt, das bis Olympia 2012 läuft. Während viele, so
Högler, sagen, Krevald habe ob seiner Analysen und Ansichten einen
Vogel, sagt der frühere Speerwerfer: "Der Mann hat recht." Auch wenn
es bis jetzt ein harter Weg gewesen und die Umstellung auch noch
nicht abgeschlossen sei.
Dem rot-weiß-roten Duo war klar gewesen, dass für den neuen Weg
auch die Qualifikation für den EM-Bewerb hätte draufgehen können. Der
Sprung nach Barcelona wurde geschafft, doch die Finalteilnahme blieb
verwehrt. Högler: "Vor WM und Olympia können wir das nicht tun,
deshalb war der Zeitpunkt perfekt. Obwohl viele gefragt haben, warum
man umstellt, wenn man Achter der Welt ist. Aber wir haben einfach
keine Fantasie mehr gehabt nach vorne. Du kannst nicht nur Kraft
aufbauen, und das wäre wahrscheinlich der Zenit gewesen mit der
Technik, denn Gerhard kann nicht zehn Zentimeter wachsen."
Wurftechnik
Weil die Hebel des 30-jährigen Mayer kleiner sind als
beispielsweise bei Zwei-Meter-Mann Harting, muss er sich Vorteile mit
der Wurftechnik verschaffen. "Er hat immer eindimensional geworfen,
jetzt wirft er dreidimensional, er dreht nicht nur die Achse oben. Er
führt den Diskus anders. Lautmalerisch würde man sagen, früher hat er
eine Schleife gemacht, jetzt macht er zwei", fasst Högler in Worte,
was für den Experten sichtbar ist.
Entscheidend ist auch, dass der Krafteinsatz verändert wurde.
"Er
ist punktuell ausgelegt. Es läuft alles viel lockerer und
rhythmischer", sagte der Athlet des SV Schwechat, der auch weniger
Krafttraining macht und zwei Kilo leichter als vor einem Jahr bei der
WM ist. "Das hat den Vorteil, dass er nicht mehr so fest ist. Hätte
er weiter so viel Kraft trainiert, macht er noch einmal Olympische
Spiele und aus ist es, er wird ja älter. Aber damit hält er mehr aus,
wir wollen ja auch 2016 noch machen", so der Trainer. Einzig der
Druck auf das Fußgelenk sei größer, aber die eine Zehntelsekunde sei
dies auszuhalten.
Endstation Halbfinale
Hürdensprinterin Victoria
Schreibeis schied am Samstag im Halbfinale
aus. Die 31-jährige Niederösterreicherin klassierte sich
in ihrem Lauf bei 1,9 Meter pro Sekunde Gegenwind in 13,41 Sekunden
an siebenter Stelle und wurde Gesamt-14. Anders als im Vorlauf fand Schreibeis den Rhythmus nicht. "Ich
bin nicht in den Lauf reingekommen. Ich mag eigentlich Gegenwind,
aber vielleicht war das ein bisserl zu viel für mich", sagte die
Sportwissenschafterin, die als erste Österreicherin in der
EM-Geschichte im Hürdensprint den Vorlauf überstanden hatte. "Ziel
war das Halbfinale, also bin ich auch zufrieden, aber ich wünschte,
mir wäre der Lauf heute besser gelungen." (APA/sid/red)