Israel reagiert auf palästinensischen Raketenangriff mit Bombardement
Gaza/Jerusalem - Nach dem Abschuss einer Rakete aus
dem Gazastreifen hat die israelische Armee bei einem Luftangriff auf
das Palästinenser-Gebiet einen Kommandanten der radikal-islamischen
Hamas-Organisation getötet. Acht weitere Menschen wurden nach Angaben
von Rettungskräften verletzt - nach anderen Angaben elf, darunter
Hamas-Angehörige aber auch Unbeteiligte, als die israelische
Luftwaffe am Freitagabend mindestens vier Raketen auf Gebäude der
Hamas abfeuerte. Die Bewegung kündigte Vergeltung an.
Bei einem weiteren Einsatz bombardierte die Armee einen Schmugglertunnel und ein militärisches Trainingslager,
wie Israel und radikale Palästinenser mitteilten. Dabei sei nur Sachschaden entstanden,
hieß es.
Der bewaffnete Arm der Hamas, die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden,
teilte am Samstag mit, bei dem Luftangriff sei Issa al-Batran ums
Leben gekommen, einer ihrer Anführer. Die israelische Armee hatte den
40-Jährigen schon länger im Visier, und er hatte mehrere israelische
Angriffe überlebt. Während der Offensive im Gazastreifen im Winter
2008/2009 griffen Soldaten Batrans Haus an, dabei starben seine Frau
und fünf Söhne. "Die Hamas wird den Tod ihrer Märtyrer nicht
stillschweigend hinnehmen", sagte Hamas-Sprecher Hamad al-Rakab.
"Diese neuen zionistischen Verbrechen bleiben nicht ungesühnt",
erklärten auch die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden.
Mehrere Ziele
Die israelische Armee teilte mit, dass der angegriffene
Gebäudekomplex für die Herstellung von Waffen genutzt worden sei.
Augenzeugen zufolge bombardierten israelische Kampfflugzeuge auch
Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten sowie Batrans Haus, das am
Rande des Flüchtlingslagers Nusseirat liegt. Dabei sei niemand
verletzt worden. Aus Kreisen der Hamas hieß es, aus Angst vor
weiteren Angriffen seien die Büros aller Sicherheitskräfte geräumt
worden.
Den Luftangriffen der israelischen Armee war der Abschuss einer
Rakete aus dem Palästinenser-Gebiet auf die südisraelische Stadt
Ashkelon vorausgegangen. Eine Katjuscha-Rakete war nach Angaben aus
israelischen Militärkreisen in der rund zehn Kilometer vom
Gazastreifen entfernten Küstenstadt eingeschlagen und hatte
Fensterscheiben und parkende Autos beschädigt. Menschen wurden
demnach nicht verletzt. Die Bewohner der Stadt waren kurz vor dem
Einschlag des Geschoßes mit Sirenen gewarnt worden.
Die Vereinten Nationen verurteilten den Abschuss der Rakete als
"nicht hinnehmbaren terroristischen Angriff" auf Zivilisten. Das Büro
des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu teilte mit,
seine Regierung nehme den Beschuss Ashkelons "sehr ernst".
Andauernder Raketen- und Mörserbeschuss aus dem Gazastreifen
hatte
Ende 2008 zu einer 22-tägigen Militäroffensive Israels in dem
Küstengebiet geführt, bei dem mehr als 1.400 Palästinenser ums Leben
kamen. Seit dem Ende der Offensive vor 19 Monaten sind nach Angaben
der israelischen Streitkräfte mehr als 400 Raketen und Mörsergranaten
aus dem Gazastreifen auf Südisrael abgefeuert worden. Viele der
selbstgebauten Raketen verfügten nicht über genug Reichweite, um in
Ashkelon einzuschlagen. (APA/apn)