Soziale Organisationen

Zehntausende Helfer mit Millionenumsatz

30. Juli 2010 19:34

Private soziale Organisationen sind mittlerweile ein großer Wirtschaftsfaktor - Der Wettbewerbsdruck steigt

McDonald's kann in Österreich von diesen Zahlen nur träumen. 443 Millionen Euro Umsatz machte die Fastfood-Kette im Vorjahr - kein Vergleich zu den größten heimischen Sozialorganisationen. Das Rote Kreuz schafft diesen Wert spielend: 484 Millionen Euro nahmen die Retter und Pfleger im Berichtsjahr 2008 ein - und gaben sie wieder aus (siehe Grafik).

Soziale Organisationen sind ein Wirtschaftsfaktor. 55.000 Menschen arbeiten dort im Gesundheits- und Sozialbereich. Dazu kommen die freiwilligen Helfer: Sie leisten Arbeit, die weiteren 50.000 Vollzeitstellen entspricht. Die Vorstellung, dass das vorwiegend aus Spenden finanziert wird, ist falsch: Beim Roten Kreuz stammen nur zehn Prozent aus freiwilligen Gaben, bei der Caritas sind es acht Prozent. Der Löwenanteil kommt vom Staat oder den Krankenkassen.

Doch die öffentliche Hand muss sparen - was sich auf die Mitarbeiter auswirkt, berichtet die Gewerkschaft. "Infolge des Kostendrucks kommt es zu einer Arbeitszeitverdichtung in der Pflege", sagt Michaela Gugelberger von der Gewerkschaft vida. "Versorgt wird natürlich jeder weiter, aber jedem kann nur weniger Zeit gewidmet werden." In der Pflege würden einzelne Leistungen abgerechnet: "Für die Betreuung bei der Verrichtung der Notdurft werden beispielsweise zehn Minuten zugestanden. Aber in Wahrheit kann man nicht sagen, wie lange eine 90-Jährige dafür braucht."

Es gibt einen Wettbewerb, etwa bei Rettungsdiensten. Denn die sind ein gutes Geschäft - im Gegensatz zu Notarztwägen. Beispiel Sankt Pölten: Der Arbeiter-Samariter-Bund lukriert dort 90 Prozent seiner Erlöse aus dem Krankentransport, sagt Obmann Wolfgang Daxböck. Maximal 40 Euro gibt es dagegen für einen Einsatz des Notarztwagens. "Alleine das Fahrzeug und das Material kosten aber 300 Euro pro Einsatz."

Dazu kommt die ausländische Konkurrenz. Das zeigte sich zuletzt in Tirol, wo Ende Juni der "bodengebundene Rettungsdienst" nach internationaler Ausschreibung vergeben worden ist. An ein Bieterkonsortium aus Rotem Kreuz, Arbeiter-SamariterBund, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hospitaldienst und Österreichischem Rettungsdienst.

Was nicht unumstritten ist. Der Vizepräsident des in der Ausschreibung unterlegenen dänischen Unternehmens Falck, Ole Ovist, zeigte sich darüber im Gespräch mit der Austria Presseagentur "verwundert". Denn offensichtlich habe man nach den ersten drei Vergaberunden das beste und wirtschaftlichste Angebot gehabt - für 43 Millionen Euro. Plötzlich kam eine vierte dazu, in der eine Reduktion um 20 Prozent gefordert wurde. Das sei aus seiner Sicht nicht machbar gewesen, daher überrasche es ihn, dass dies den Gewinnern möglich gewesen sei.

Die Folge des steigenden wirtschaftlichen Drucks ist für die Mitarbeiter eine hohe Arbeitsbelastung, wie eine Studie der Arbeiter- und Ärztekammer Niederösterreich unter Angehörigen in Gesundheitsberufen im April ergeben hat. 20 Prozent der Befragten arbeiten demnach 40 oder mehr Wochenstunden - obwohl nur ein Prozent dazu vertraglich verpflichtet ist.

Die Arbeitszufriedenheit ist dennoch hoch, zeigte die Untersuchung. 85 Prozent sind mit ihrem Job sehr oder zumindest zufrieden. Auch die weit verbreitete Teilzeitarbeit, speziell im Pflegebereich, stört die Betroffenen nicht wirklich, sagt Christian Schober, Leiter des NPO-Institutes an der Wirtschaftsuniversität Wien (siehe Interview unten). "Der Wunsch der Teilzeitbeschäftigten nach einer Vollzeitstelle beträgt beim Roten Kreuz nur sieben Prozent", sagt er. Die hohe Teilzeitquote hat einen Grund: der hohe Frauenanteil. Bei der Diakonie stellen sie beispielsweise 78 Prozent der Beschäftigten.

Arbeitskonflikte gibt es, sie seien allerdings nicht häufiger als anderswo, zeigt ein Rundruf bei den österreichischen Arbeiterkammern. Beispiel Kärnten: Dort arbeiten 8000 Menschen in sozialen Organisationen. Beim Roten Kreuz und dem Arbeitersamariterbund gab es in den vergangenen beiden Jahren keinen arbeitsrechtlichen Fall, weiß Alexandra Dohr, Pressesprecherin der AK. Bei den anderen Vereinen gab es 21 Interventionen, eine von ihnen endete vor dem Arbeitsgericht. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8. 2010)

 

Das modische Trikot
16.09.2010 14:13
was dabei unerwähnt bleibt

ist, dass soziale Organisationen wichtige und verlässliche Auftraggeber für mittelständische Unternehmen sind, besonders regional und sie stärken damit die Wirtschaftsstandorte. Der Nutzen für die Gesellschaft allgemein ist nach neuesten Studien aus GB im Sozialbereich sehr viel höher als in anderen Branchen, die Entlohnung dazu im Verhältnis aber extrem gering.

politisch verfolgt
31.07.2010 01:16
Der Löwenanteil kommt vom Staat oder den Krankenkassen.

na das wirft aber interessantes licht auf die aussagen des caritas-präsidenten.

Alf von Melmak
31.07.2010 08:47
Der Löwenanteil kommt vom Staat oder den Krankenkassen

Das ist hier wohl ein bißchen mißverständlich ausgedrückt:

Gemeint sind in erster Linie Leistungen, die diese Trägerorganisationen im Auftrag der Krankenkassen oder staatlicher Institutionen erbringen und die natürlich von diesen nach tarif abgegolten werden.

Aktivitäten aus Spenden der öffentlichen Hand (der KK überhaupt nicht) machen nur einen kleinen Prozentsatz aus und betreffen hauptsächlich die Not- und Entwicklungshilfe im Ausland.

Chocoholic
01.08.2010 12:03
die werden nach dessen Tarif abgegolten, zahlen dann aber nicht

die ueblichen Sozialabgaben fuer ihre MitarbeiterInnen....

Alf von Melmak
02.08.2010 00:42
zahlen dann aber nicht die ueblichen Sozialabgaben fuer ihre MitarbeiterInnen....

Wo haben Sie das denn her?

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