Renovierungsprobleme im Haus Gottes

30. Juli 2010 19:10
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    Foto: der standard/regine hendrich

    Tausende Autofahrer brausen täglich an dem bekannten Transparent an der Kirche Maria vom Siege vorbei - Damit Fußgänger nicht von Steinen getroffen werden, wurde sie nun eingerüstet

Mehr als zehn Millionen Euro kostet die Renovierung der Kirche Maria vom Siege - Die Erzdiözese will nicht zahlen

Wien - "Es gibt einen, der Dich liebt" - verspricht nicht nur die Parship-Werbung, sondern auch ein Transparent, das an der Kirche Maria vom Siege - Wiens zweithöchstem sakralen Kuppelbau - hängt. An Jesus Christus werden die vielen Autofahrer erinnert, die den südlichen Teil des Gürtels entlangfahren. Die Kirche selbst bräuchte nun ein mittelgroßes Wunder: Zehn Millionen Euro fehlen für die Außenrenovierung, mindestens 700.000 Euro müssen innen investiert werden.

Die Diözese weigert sich, diese Summen aufzubringen - also sammelt Pfarrer Bruno Meusburger Geld. Etwa zehn Prozent der Kosten für die Innenrenovierung hat er bisher beisammen. Die Kirche braucht eine neue Elektrik, eine bessere Beleuchtung und eine Fußbodenheizung. Das größere Problem ist aber, dass den Pfarrangehörigen ihre Kirche buchstäblich wegbröckelt: Bei einer früheren Kirchensanierung wurde falscher Zement verwendet, der die Steine porös macht. Bei starkem Wind fallen sie herunter - eine große Gefahr für die Passanten am Gürtel, die jetzt unter einem Gerüst durchgehen müssen.

"Ich kann verstehen, dass die Diözese die Renovierung nicht zahlt", sagt Pfarrer Meusburger: "Ich verlasse mich hier nicht auf die Diözese, sondern auf die göttliche Vorsehung. Ich habe Hoffnung, dass wir Leute finden, die uns mit Spenden über diesen Abgrund hinüberhelfen."

Wäre es nach den Plänen der Diözese gegangen, so wäre Maria vom Siege längst keine katholische Kirche mehr und Pfarrer Meusburger hätte aus dem Pfarrhof ausziehen müssen. Kardinal Christoph Schönborn hatte vor, das Gebäude an die serbisch-orthodoxe Kirche zu übergeben. Das Bundesdenkmalamt funkte dazwischen: Das Vorhaben, den Innenraum der Kirche umzugestalten und etwa Altäre und Statuen durch Ikonen zu ersetzen, wäre ein zu starker Eingriff gewesen. "Erst seit kurzem steht endgültig fest, dass die serbisch-orthodoxe Kirche Maria vom Siege nicht übernehmen wird", schreibt Pfarrer Meusburger im aktuellen Pfarrbrief erleichtert an seine Schäfchen, und weiter: "Gerade die letzten Monate verliefen recht dramatisch und haben uns ordentlich 'durchgebeutelt'."

Spender gesucht

Vonseiten der Erzdiözese Wien gibt man sich bezüglich der weiteren Pläne für die Kirche zurückhaltend. Derzeit gebe es "Überlegungen, wie es weitergehen soll", sagt Erich Leitenberger, Sprecher von Kardinal Schönborn. Konkretes lässt Leitenberger aber nicht aus. Es sei eine "komplexe Lage", da es in unmittelbarer Nähe einen "Cluster katholischer Kirchen" gebe, Maria vom Siege sei aber eine "sehr aktive Gemeinde". Einen Griff in den Klingelbeutel der Erzdiözese will Leitenberger nicht ausschließen. "Sinnvoller wäre aber eine Initiative der Zivilgesellschaft, um mittels Spenden Geld für die Renovierung auftreiben."

Hintergrund für das Zaudern dürfte der Katholikenschwund samt daraus resultierendem Abgang in der klerikalen Haushaltskassa sein. Im kommenden Jahr rechne man mit "zwei bis drei Millionen Euro weniger", sagt Josef Weiss, der Leiter des Kirchenbeitragsdienstes. Als Folge "müssen wir alle Projekte, die bisher geplant waren, überdenken, redimensionieren oder überhaupt lassen".

Oder über alternative Nutzungsideen nachdenken. Das tut etwa Christian Fiala, der Leiter der Gynmed-Abtreibungsklinik in unmittelbarer Nähe von Maria vom Siege. Das Verhütungsmuseum, das Fiala dort eingerichtet hat, platzt aus allen Nähten. Also hat er Pfarrer Meusburger einen Brief geschrieben, in dem er sein Interesse an einem Kauf der Kirche deponiert: "Unter Umständen wäre eine Nutzung der Kirche für eine Dokumentation der menschlichen Fruchtbarkeit durchaus interessant." Meusburger hält diese Idee freilich für "völlig irreal". (Andrea Heigl/ Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8. 2010)

Kommentar posten
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Animation
 
09.03.2011 19:45
die ARME kirche

Großer Böser
 
15.09.2010 19:41
Guter Baugrund...

Sonst hat man ja auch wenig Hemmungen alte Gebäude - Denkmalschutz, was ist das - zu schleifen und das entsprechende Gelände einer sinnvollen Nutzung als Einkaufszentrum zuzuführen.

m+m
29.09.2010 12:20
warum abreissen?

es gibt einen Nutzer (serbisch-orthodoxe Kirche), der dieses Gebäude mit einigen kleinen Änderungen im Inneren weiter betreiben würde.
Sonst ist das Denkmalamt auch nicht so streng.
Wenn sie schützenswerte Gebäude nicht gleich der Abrissbirne überlassen (was eher selten passiert) fordern sie meistens nur die Erhaltung der Fassade - was dahinter passiert ist in der Regel dem BDA egal.
Ich habe da den Eindruck, dass hier extrem mit zweierlei Mass gemessen wird.
In Holland wissen sie schon nicht mehr, was sie mit ihren Kirchen machen sollen - die werden zu Restaurants, Fitnesscentern, etc umgenutzt

linkslinker gutmensch
15.09.2010 09:57

"Es gibt keinen der es zahlt"

Ar Mutschgerl
09.09.2010 18:29
"Die Diözese weigert sich, diese Summen aufzubringen"

Schönborns Gwand ist halt teuer, die reserven leer udn irgendwelche Pfründe will man halt auch nicht für so etwas aufgeben. Wenn ein Ziegel einen Passanten erschlägt dann war das eben Vorsehung und mit der Vosehung legt man sich besser nicht an.

Gilgamesh
12.08.2010 15:32

Will nicht zahlen??
Dann einfach abreissen.

Kann nicht sein, dass Christen zur Kasse gebeten werden, man aber den Unterhalt der eigenen Bauwerke der Allgemeinheit aufbürdet...
Bzw. ein paar goldene Kreuze pfänden...

Teletubby
09.08.2010 17:11
Wenn die kath. 'Erzieher' ...

...der Erzdiözese nicht so viel "Schweigegeld" an Opfer kosten würden, weil sie ihren Sexualtrieb nicht im Griff haben, wäre vielleicht auch Geld zur Kirchenrenovierung da.

Aber man könnte diese interessante Kirche auch unter Denkmalschutz stellen, dann wäre die Erzdiözese Wien zur Erhaltung verpflichtet. Bescheid ausstellen, Aufforderung + Strafandrohung ...

und gut ist's!

phoenixx78
06.08.2010 16:35

ein paar clubbings veranstalten.. cooler ort, zentrumsnah, sollte doch auch moneten in die kasse spülen

m+m
05.02.2011 16:27

gute Idee, aber dazu bräuchte man zuerst eine neue Elektrik

Stefan Zielonka
05.08.2010 12:19

Neue Elektrik, ok.
Die Frage ist aber doch: Braucht die Kirche WIRKLICH eine Fußbodenheizung (Sehr teuer), oder reicht das erneuern der bestehenden Heizanlage.
Durch einsparen von so unnötigen Schnick-Schnack kann man die Kosten der Renovierung bestimmt noch drücken. Innen wie außen.

In Deutschland ist es gang und gäbe, nicht benötigte Kirchen entweder abzureißen oder einer neuen Verwendung zuzuführen (Wohnungen, Büros, etc).

Rigglerobber
05.08.2010 09:08
"Verhütungsmuseum in der Kirche"

So sehr ich verstehe, dass Abtreibungskliniken nicht gut auf die katholische Kirche zu sprechen sind - aber dieser Vorschlag ist einfach nur eine hämische Pflanzerei. Da hätt ich mir von Gynmed ein höheres Diskussionsniveau erwartet. Rein aus kunsthistorischer und architektonischer Sicht wäre es nämlich sehr schade, wenn diese Kirche verfällt.

Senftube
05.08.2010 21:20
vielleicht...

...gehen dem Herrn Fiala ja einfach nur die dauerbetenden Abtreibungsgegner auf den Senkel, die den Eingang vor "seinem" Haus permanent belagern.
Daß man da einmal auf eher geschmacklose Ideen kommt, würde mich nicht wundern. Die Herrschaften mit den Plastikembryonen sinds ja auch.

Rigglerobber
06.08.2010 09:01
wie gesagt, verstehen tu ichs eh

was nichts dran ändert, dass dieser "Vorschlag" ein niveauloser Untergriff ist.
Die Irren mit den Plastikembryonen als Vorwand zu nehmen, um dem Pfarrer dieser Kirche eins auszuwischen ist niveaulos (wobei ich nicht weiß, wie besagter Pfarrer zu dem Thema steht)

Parsley, Sage, Rosemary and Thyme
04.08.2010 20:30
Parsley, Sage, Rosemary and Thyme
04.08.2010 20:24
backsteinneugotik

in der anordnung (kuppel,türme) einer barockkirche

äußerst interessant, wenn man die liebe fürs detail hat.

ein noch schlimmeres schicksal durch den verkehr hat die spinnerin am kreuz

http://www.google.at/imgres?im... s%3Disch:1

. g.bac
03.08.2010 18:44
einfach einen multi-kulti-tempel daraus machen

der 15te bezirk ist reich an einer vielfalt von religionen, die drastisch sinkende katholische gemeinde und das denkmalamt muss halt umdenken.

es nützt nichts an allen traditionalistischen denkmälern festzuhalten, wenn die gesellschaft, für die diese werte noch galten, sich auf einer weitaus niedrigeren anzahl konsolidiert.

RebelAngel
 
03.08.2010 11:38
hmm

wenn Gefahr im Verzug ist und die nicht reagieren...kann man nicht einfach Enteignen...?

Chien de Pique
03.08.2010 16:56

Und dann die Restaurierung zahlen?
Und was macht man dann mit der restaurierten Kirche?

RebelAngel
 
03.08.2010 17:02
och

da findet sich bestimmt eine Verwendung dafür...Einkaufszentrum, Fresstempel, whatever...

Chien de Pique
03.08.2010 19:35

Gut, die Obrigkeit hat bekanntlich die Möglichkeit, den Denkmalschutz auszuhebeln; aber die Optik wäre schief, wenn unter Berufung auf ebendiesen die Übergabe an die Orthodoxen verhindert wurde.
Weil für Ihre (attraktiven) Verwendungsideen müssen Sie wohl mehr eingreifen als ein paar Statuen ins Dommuseum umsiedeln, die Orgel abbauen und eine Ikonostase aufstellen...

Hori Zont
03.08.2010 10:50
Das Ge bet sei Dein, das Nehmen sei mein!

Gott ist schon lange nicht mehr da gewesen.

So schaut es zumindest aus.

Martina77
03.08.2010 09:30
Moschee

Vielleicht könnte man in diesem Bezirk gleich eine Moschee daraus machen?

lagrangian
03.08.2010 08:28

abreißen und eine tiefgarage mit park und cafe drüber...

Das Wort
02.08.2010 10:54
Viel wichtiger wäre eine Renovierung der Katholgesinnung!

Oder laßt die Kirchen verschwinden, dann verschwindne auch alle Götter.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
 
01.08.2010 14:55
Sell the Vatican - Feed the World!

eine Initiative auf Facebook ;-)))

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