Die österreichischen Krawall-Zeitungen nachzublättern, ist beruhigend-deprimierend
Nach einer Zeit im Ausland die österreichischen Krawall-Zeitungen nachzublättern, ist beruhigend-deprimierend. Beruhigend, weil alles gleichgeblieben ist, und deprimierend, weil alles gleichgeblieben ist. Nur in der Krone machen sich leichte Unsicherheiten bemerkbar.
Der Sohn vom Alten will es anscheinend doch nicht so menschenverachtend haben wie der verstorbene Patriarch; da wissen manche nicht, ob sie sich jetzt ganz drehen sollen oder doch nur halb, weil "der Leser" vermutlich ja doch seine tägliche Dosis Tobsuchtsanfall haben will. Nur Wolf Martin gedenkt offenbar, wie sein diesbezügliches Vorbild bis zum Ende unbeirrbar in seinem persönlichen Führerbunker auszuharren. Die Leserbriefseite, einst vom verstorbenen Herausgeber mit liebender Hand gestaltet, macht sich anscheinend praktisch von selbst, vielleicht mit magischer Anleitung aus einer anderen Welt. Hier ist kein Unterschied zu früher festzustellen. Bei Österreich trauen sie sich jetzt auch nicht mehr, die frühere Grasser-Bejubelung fortzusetzen. Nachdem der "zweite Obama" Faymann eine Zeitlang so matt war wie der erste, jetzt aber die Umfragewerte etwas steigen, findet Österreich zögernd den Mut zu einem neuen Anbetungsanlauf.
Sonst: Nachbar erschoss lärmende Papageien, "entlaufene" Boa constrictor lag im Küchenkastl, Kampfhunde werden im Tierheim abgelegt, weil die Besitzer den "Schein" nicht machen wollen. Heimat. (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 31.7.2010)