Die Mitglieder werden stetig weniger, das Geld im Bischofs-Säckel konsequent schmerzlich weniger - Immobilien will man dennoch nicht verkaufen
Sie besitzen mehrere Immobilien, der Bankberater Ihres Vertrauens wird aber ob der Röte auf Ihrem Konto kreidebleich? Dann werden sie sich wohl über kurz oder lang von einem schönen Besitz trennen müssen.
Anders agiert hier die Kirche: Die Mitglieder werden stetig weniger, das Geld im Bischofs-Säckel konsequent schmerzlich weniger. Dem steht ein beträchtlicher Anteil an Immobilien gegenüber. Die man aber trotz finanzieller Nöte nicht zu verkaufen gedenkt. Eingeräumt wird lediglich die Weitergabe an eine andere Glaubensgemeinschaft wie etwa die serbisch-orthodoxe Kirche.
Wie kurzsichtig diese Lösung - abgesehen davon, dass so kein Cent in die Kirchenkasse fließt - gedacht ist, zeigt sich am Beispiel der Kirche Maria vom Siege am Mariahilfer Gürtel in Wien. Die Orthodoxen wollten samt Ikonen einziehen und kräftig umbauen, beim Denkmalamt wurde nur milde gelächelt und abgewinkt. Das Thema konfessionelle Nachbesetzung scheint also unrealistisch, doch paradoxerweise weigert sich die Erzdiözese Wien auch, die nötigen Gelder an Renovierungskosten zu stellen.
Kein Verkauf, keine Restaurierung - dem Pfarrer bröckelt weiter der Putz in den Messkelch, Gläubige laufen Gefahr, durch lockere Dachziegel schmerzlich zu merken, dass nicht alles Gute zwingend von oben kommt. Letztlich zeichnet sich ein bekanntes Muster klerikaler Problembewältigung ab: Realitätsverweigerung. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8. 2010)