KIRCHEN-Immobilien

Heiliges Verkaufsverbot

30. Juli 2010, 18:56

Die Mitglieder werden stetig weniger, das Geld im Bischofs-Säckel konsequent schmerzlich weniger - Immobilien will man dennoch nicht verkaufen

Sie besitzen mehrere Immobilien, der Bankberater Ihres Vertrauens wird aber ob der Röte auf Ihrem Konto kreidebleich? Dann werden sie sich wohl über kurz oder lang von einem schönen Besitz trennen müssen.

Anders agiert hier die Kirche: Die Mitglieder werden stetig weniger, das Geld im Bischofs-Säckel konsequent schmerzlich weniger. Dem steht ein beträchtlicher Anteil an Immobilien gegenüber. Die man aber trotz finanzieller Nöte nicht zu verkaufen gedenkt. Eingeräumt wird lediglich die Weitergabe an eine andere Glaubensgemeinschaft wie etwa die serbisch-orthodoxe Kirche.

Wie kurzsichtig diese Lösung - abgesehen davon, dass so kein Cent in die Kirchenkasse fließt - gedacht ist, zeigt sich am Beispiel der Kirche Maria vom Siege am Mariahilfer Gürtel in Wien. Die Orthodoxen wollten samt Ikonen einziehen und kräftig umbauen, beim Denkmalamt wurde nur milde gelächelt und abgewinkt. Das Thema konfessionelle Nachbesetzung scheint also unrealistisch, doch paradoxerweise weigert sich die Erzdiözese Wien auch, die nötigen Gelder an Renovierungskosten zu stellen.

Kein Verkauf, keine Restaurierung - dem Pfarrer bröckelt weiter der Putz in den Messkelch, Gläubige laufen Gefahr, durch lockere Dachziegel schmerzlich zu merken, dass nicht alles Gute zwingend von oben kommt. Letztlich zeichnet sich ein bekanntes Muster klerikaler Problembewältigung ab: Realitätsverweigerung. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8. 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
Hengstenberg´s Orig. Span. Sherry Essig España
03

Schleifen den Dreck

Im übrigen lasse ich mir den Gröfaz nicht schlechtmachen.

blackdeeper
12
standardleser und (bau)kultur...?

hm ... ganz erstaunlich, dass es hier in einem qualitätsblatt eigentlich so undifferenziert gegen denkmalamt und kirche gewettert wird, zum teil mit neobileralen wirtschaftlichkeitsargumenten?!

nach 1918 wollte man (und hat man) viele schlösser in europa in arbeiterwohnungen, fabriken, turnhallen umgewandelt und parks parzelliert und verbaut. mit dem resultat, dass unersetzbare kulturgüter vernichtet wurden. glaube nicht, dass man das heute noch gutheißt, aber hier begrüßen viele einen totalumbau einer kirche? (PS: hab nix mit dem verein am hut)

Christoph Karl Steininger
15
Die Haltung des Denkmalamtes ist ziemlich verwunderlich.

Der Protz-Ziegelbau aus dem 19. Jh. ist in keiner Weise irgendwie bedeutend. Solche Kirchen gibt es in Wien genug.
Ich hätte mir gewünscht daß das Amt so streng gewesen wäre beim Abbruch der Keramikfassade des Geschäftes Eduald Pawlata in der Kärntnerstraße, bei der Adaptierung des Porzellangeschäftes Wahliss schräg gegenüber. Bei der scheusslichen Glaspawlatschen in dem Gebäude wo jetzt die Swarowski-Ausstellung drin ist. Bei der skandalösen Demolierung der Schneiderei Ita Graben/Ecke Kohlmarkt. Usw. et& ppp!
Bei kommerzieller Ausnutzung ist alles erlaubt, aber wehe es geht mal um eine praktikable Lösung im Kirchenbereich. Da ist man ganz streng!

Thousand
01
schaut so aus

als würde die kirche darauf setzen, dass letztendlich doch noch die öffentliche hand zahlt

hexe caracas
02
31.7.2010, 21:09
eigentlich sollte sich die Kirche Sorgen machen

und schauen, wie sie zu mehr Geld kommt - bei schönen Kirchen kann man auch Eintritt verlangen, man kann sie für "anständige" Veranstaltungen vermieten, von Freiwilligen renovieren lassen, an andere Religionsgemeinschaften untervermieten - ich sehe viele Möglichkeiten...und das Denkmalamt sollte nicht bremsen, sondern konstruktiv und effizient der Kirche helfen um dem Volk das "kulturelle Erbe" so weit wie möglich zu erhalten...

bösartiger gutmensch
00
31.7.2010, 16:00

"Die Mitglieder werden stetig weniger, das Geld im Bischofs-Säckel konsequent schmerzlich weniger."

lt rechenschaftsbericht der erzdiözese wien (www.kirchenbeitrag.at) waren die einnahmen im jahr 2008 rund 109 mio euro, im jahr 2009 rund 110 mio euro. wenn wien stellvertretend für die anderen bundesländer steht, ist ein (wenn auch geringfügiger) anstieg trotz wirtschaftskrise mit höheren arbeitslosigkeitsraten für mich kein "konsequent schmerzlich weniger".

Ich bin klug
01
31.7.2010, 19:28
Inflationsbereinigt geht der Kirchenbeitrag seit Jahrzehnten zurück.

Das Wirtschaftskatastrophenjahr 2009 wirkt sich zum Teil erst 2010 aus, vor allem bei den Frühzahlern,

UND VOR ALLEM:

wer glaubt einem Rechenschaftsbericht der Erzdiözese?

Bis vor kurzem war es noch Kirchenpolitik, dass "es keine finanziellen Probleme gibt". Erst 2010 wird auch vor negativen finanziellen Folgen des Kirchenaustrittes gewarnt. Davor war ein Austritt lediglich "menschlich schmerzhaft".

Enrico Furioso
01
31.7.2010, 11:15
schlecht gewähltes Beispiel

denn die Änderungen der Orthodoxen an Maria vom Siege am Mariahilfer Gürtel wären wohl noch vergleichsweise gering gewesen. Wer soll denn sonst eine Kirche kaufen die dem Denkmalamt nach nicht umgebaut werden darf? Kein Mensch kauft so einen Schuppen.

in china ist ein sack monsanto reis umgefallen
00
31.7.2010, 16:20
Und warum nicht?

Verlangt die Kirche einen so überteuerten Preis?

Ob nun die röm.kath. Kirche oder andere Leute die Kirche vergammeln lassen, macht dann auch keinen Unterschied mehr.

Ein paar Freidenker, die sich zusammenschließen und die Restaurierung durch Veranstaltungen oder Spenden gegenfinanzieren, machen da dann sogar noch mehr Sinn, weil die nicht gegen alles sind, was Spass macht.

Enrico Furioso
01
weil niemand ein Gebäude kaufen will

dass unter Denkmalschutz steht und das daher, wie ja oben geschrieben, noch nicht einmal in wohl vergleichsweise kleinem Ausmaß an eigene Bedürfnisse angepasst werden darf. Wozu ein Gebäude kaufen, auch wenn es billig hergeht, mit dem man nichts anfangen kann, und das dann ausser Kosten nichts bringt?

in china ist ein sack monsanto reis umgefallen
00

weil man es schön findet?

wozu hat man eine geschmückte kirche gebaut, wenn man ein simples rechtseckiges haus hinstellen hätte können.

andere kaufen sie ein gemälde um millionen, nur um es sich an die wand zu nageln.

Carlito336
24
31.7.2010, 08:18
Ein weiteres Argument für die Anhebung der grundsteuer auf eine reale bemessungsgrundlage

Damit würde auch der große Immobilienbesitzer Kirche lernen wirtschaftlich zu denken.
Vielleicht könnte damit auch das arme-Kirche-Getue und die Schnorrerei ein Ende finden?

Chien de Pique
03
31.7.2010, 12:46

Die Kirche hat ja eh kein Problem damit, das Gebäude abzugeben - und sie selber hat generell von schöner Architektur und Kunstschätzen am allerwenigsten (nämlich fast nur Kosten), profitieren tun andere.
Der Staat hat sich übrigens bereits in (kaum überbietbarem) Ausmaß an der Kirche bereichert, indem er den von den NS enteigneten Religionsfonds ohne nennenswerte Entschädigung einfach einbehalten hat.

Clarissa Goldsmithprawndown
09
31.7.2010, 11:23

Da müsste die katholische Kirche aber erst einmal (wieder) grundsteuerpflichtig werden, und das geht rechtlich korrekt wohl nur über eine Änderung des derzeit geltenden Konkordats. Einer solchen Änderung müsste (neben der Republik Österreich) auch der Heilige Stuhl zustimmen; was www.laizismus.at oder die www.atheistische-religionsgesellschaft.at dazu meinen ist da rechtlich völlig unerheblich. Im Endeffekt ist es eine Frage der politischen Gestaltung des (auch steuer-)rechtlichen Verhältnisses zwischen dem Heiligen Stuhl (als Vertreter der katholischen Kirche in Österreich) und der Republik Österreich. Also immerhin eine politisch gestaltbare Angelegenheit :-)

/. nerd
 
13
31.7.2010, 17:18
Und, was soll der "Heilige Stuhl" machen, wenn ihm eine einseitige Änderung durch Österreich nicht passt?

Die Schweizer Garde einmarschieren lassen?

Ich bin für eine Initiative zur Streichung witzloser Völkerrechtssubjekte: Heiliger Stuhl + Vatikan, Malteserorden, Piratennest Monaco, Andorra, San Marino, Liechtenstein.

Hengstenberg´s Orig. Span. Sherry Essig España
00

Siehe! Schon begibt sich in den Ostalpen als Fallschirmjäger der Cardinal Camerlengo auf die Pirsch! Da er mit seinen vitalen 115 Jahren als erstaunlich rüstig gilt, wird vielfach vermutet, dass er es zunächst auf Barbara Prammer abgesehen hat.

ich sag's grad raus
00
"Die Schweizer Garde einmarschieren lassen?"

Schweizer Garde vs. Bundesheer - das ist Brutalität!

Clarissa Goldsmithprawndown
01
31.7.2010, 18:27
Eine Änderung des derzeit geltenden Konkordats

in Richtung einer völligen Entprivilegierung wäre eine wirklich gute Sache. Unter der (derzeit etwas utopischen) Voraussetzung, dass es einen einstimmig-eindeutigen politischen Willen (mit entsprechenden Handlungen) auf der Seite der Republik Österreich gäbe/gibt, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass der Heilige Stuhl (wenn auch vermutlich zähne- oder sonstwasknirschend) letztlich zustimmen würde.

mawi89
00
31.7.2010, 00:55
Es gibt noch immer Menschen

die der Kirche ihr Eigentum vererben. Wenn es nur mehr Bundeseigentum, Industrie und Kleinhäuslbauer gibt, können auch keine Minarette mehr gebaut werden. Damit verteidigt die Kirche das Abendland. Amen

W.Hammerl
12
31.7.2010, 00:23

Es ist schön zu lesen, dass es doch noch user gibt, die sich Sorgen um die finanzielle Situation der Kirche machen.

rud L
01
31.7.2010, 01:34
user unser

Nachhaltiger Bio-Tofu jetzt nur Euro 9,99
 
83
30.7.2010, 22:17
Es gibt schon genügend Beispiele ...

... wie man Kirchen sinnvoller nützen könnte.

Restaurants, Hotels, Turnhallen, Freizeiträume usw.

Es ist eigentlich nicht einzusehen, dass Immobilien in den besten Lagen - quasi kaum noch von Menschen genutzt werden.

Zweckentfremdung! - heißt das Zauberwort ...

fibiundchillie
01
31.7.2010, 17:20
Schwimmbad habens vergessen!

man kann enteignete kirchen auch in schwimmbäder umbauen!
falls irgendwann Rückbau gewünscht, in St.Petersburg ist die evangelische Gemeinde damit fast fertig u hilft sicher gern mit guten tipps aus.
falls der wink ankommt.

Vseckojedno von Jednovsek
03
31.7.2010, 16:06
Sie haben ja schon recht,

aber wenn das BDA nicht einmal den Umbau einer kath Kirche in eine orth Kirche gestattet, wie soll man dann Hotels, Turnhallen und dgl, wie Sie es vorschlagen dort durchbringen.
Die vom BDA machen es sich leicht: zahlen nix, aber Umbau verhindern.
Wie es scheint sind die ärmelschonertragenden Beamten des BDA verkorkster als die Pfaffen.

hast1
01
30.7.2010, 21:18
lockere dachziegel?

hör ich zum ersten mal

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.