In die Kategorie Teutonismus gehört auch eingetütet
Im Hochsommer geht ja meist alles seinen langsameren Gang. Gewöhnlich hagelt es auch nicht gerade Nachrichten, es ist also eine Zeit der Sammlung, der Reflexion.
Reflektieren wir also einmal die Verwendung von „lehren“ und „lernen“. Wir schrieben kürzlich: „Dem Körper neue Bewegungsmuster zu lernen ist Ziel einer Feldenkrais-Therapie.“ Jetzt muss man kein Experte in der von Moshé Feldenkrais entwickelten, Geist und Körper berücksichtigenden Therapie sein, um zu erkennen: Erst wenn der Mensch lernt, was der Therapeut lehrt, ist alles in Ordnung, über die Verwendung des Akkusativs reden wir hier nicht.
Der Unterschied ist leicht zu erkennen, man braucht nicht viel, dass einem da ein Licht aufgeht. Obwohl: Bei uns macht das Licht so seine Sachen. Letztens wurde das Licht angemacht, dann hat es der Letzte ausgemacht. So blieb es finster, und es wurde nicht erkannt, dass in Österreich das Licht aufgedreht oder abgedreht wird. Dem Einwand, die Zeit der Drehschalter sei längst vorbei, ist entgegenzuhalten: Das Licht lässt sich auch ein- und ausschalten. Und angemacht werden hierzulande Salate.
Richtig eingesackelt
In die Kategorie Teutonismus gehört auch eingetütet. Aufgetaucht ist das Wort in Zusammenhang mit einer Schau in der Wiener Kunsthalle, die einen Überblick über zeitgenössisches Schaffen gab – die Ausstellungsreihe trägt ausgerechnet den Titel „Lebt und arbeitet in Wien“. Da hätte man sich doch erwartet, dass die Kuratorinnen eingesackelt haben, was ihnen bemerkenswert erschien.
Wenn es aber schon mit dem richtigen Deutsch schwer sein kann, wen wundert es, dass hier ein Baby gekidnapped wurde? Das Wort wird zwar längst im Deutschen gebraucht, nicht aber mit seiner englischen Endung. Aufmerksame Leserinnen freuen sich neuerdings auf eine Zeitung, die ansprechend gelayouted ist und von sicherlich nicht gedopeden Boten gebrought wird. So weit wollen wir es nicht kommen lassen, wir lassen gekidnappt künftig einfach sein „t“ zukommen.
In einem anderen Beitrag in astreinem „Denglisch“ informierten wir über Kärnten: „Gratiskindergarten gecancelt.“ Sprachförderung kann nicht früh genug beginnen, hier hätte man bei kompetenter Anleitung zu „abgeschafft“ finden können. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2010)