Wie alle richtigen Helden ist er schon tot - Leider - Aber so lautet das Heldengesetz - Immerhin ist es das Privileg solcher Erscheinungen unsterblich zu sein
Wie alle richtigen Helden ist er schon tot. Leider. Aber so lautet das Heldengesetz. Immerhin ist es das Privileg solcher Erscheinungen unsterblich zu sein. Gemeint ist Lee van Cleef, der am Sonntag auf Arte im Rahmen eines Western- bzw. Italowestern-Schwerpunkts einen seiner unvergesslichen Auftritte absolvieren wird: In Der Gehetzte der Sierra Madre. Er spielt einen Kopfgeldjäger, was sonst?
Lee wurde 1925 in New Jersey geboren und starb 1989 inHollywood. Auf seinem Grabstein steht "Best of the Bad - Love and Light" . Das "Love and Light" schreiben wir den Erben zu, das wollen wir nicht hinterfragen. Dass er der Beste der Bösen war - oh ja, das unterschreiben wir mit Herzblut! Sogar wenn er auf Seite der (vermeintlich) Guten gestanden ist, war sein Wesen bis ins Schwarz hinein verdunkelt.
Etwa in John Carpenters Escape from New York - zu deutsch: Die Klapperschlange - in dem er als Polizist Bob Hauk der Hauptfigur Snake Plissken eine Falle stellt und ihm sich auflösende Sprengsätze in die Halsschlagadern einsetzen lässt. Vom Showdown an der Mauer ganz zu schweigen!
Prototypisch hat ihn Sergio Leone in seinen Italo-Western inszeniert, die schmalen Sehschlitze beim Duell leinwandfüllend gezeigt und Lee nur dann ein Lächeln zugestanden, wenn er jemanden quälen konnte - physisch oder psychisch. Oder beides.
Lee hat nie das Gute verkörpert. Sich ihn mit seiner Filmografie plötzlich in der Rolle eines lieben alten Onkels vorzustellen, das geht nicht. Man drückt keine Zigaretten am Kinderwagen aus. Am Sonntag sehen wir uns wieder. In bekannter Härte. Um 20 Uhr 15, auf Arte. Bis dann. (Karl Fluch, DER STANDARD; Printausgabe, 31.7./1.8.2010)