Haftandrohung ist ein drakonisches Mittel, das man eher in Diktaturen als in Demokratien vermutet
Für Griechenland-Urlauber ist der Streik der Lkw-Fahrer bitter: Fähren fallen aus, weil ihnen der Treibstoff ausgeht. Den Mietwagen kann man sowieso vergessen, und die Engpässe in den Supermärkten, etwa bei Obst, treffen alle Konsumenten. Dass die Regierung aber nun die 30.000 Fahrer unter Androhung von Gefängnis zur Arbeit zurückzwingen will, geht zu weit.
Der Grund für die Streiks - die Fahrer wehren sich gegen die Marktöffnung für neue Spediteure - mag ja zweifelhaft sein, aber in Demokratien haben auch Minderheiten das Recht, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, und zwar selbst dann, wenn das anderen schadet. Im vorliegenden Falle spricht einiges dafür, dass die griechische Regierung die Interessen der verschiedenen Betroffenen falsch bewertet. Die Lkw-Fahrer gefährden nicht die Sicherheit des Landes, ebenso wenig die Gesundheit der Menschen. Die meisten blockieren nicht einmal die Straßen, sondern stellen ihre Trucks nur am Straßenrand ab. Die Touristen werden diese Verzögerungen überleben.
Wenn es zu Versorgungsengpässen kommt, muss Athen Streikbrecher anheuern, die die Fuhren übernehmen. In der griechischen Realität wird bekanntermaßen nichts so heiß gegessen wie gekocht - bisher wurden nur ein paar hundert Zwangsbescheide zugestellt. Doch allein schon die Haftandrohung ist ein drakonisches Mittel, das man eher in Diktaturen als in Demokratien vermuten würde. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)