Streiks IN Griechenland

Haft ist die falsche Antwort

András Szigetvari, 30. Juli 2010 18:20

Haftandrohung ist ein drakonisches Mittel, das man eher in Diktaturen als in Demokratien vermutet

Für Griechenland-Urlauber ist der Streik der Lkw-Fahrer bitter: Fähren fallen aus, weil ihnen der Treibstoff ausgeht. Den Mietwagen kann man sowieso vergessen, und die Engpässe in den Supermärkten, etwa bei Obst, treffen alle Konsumenten. Dass die Regierung aber nun die 30.000 Fahrer unter Androhung von Gefängnis zur Arbeit zurückzwingen will, geht zu weit.
Der Grund für die Streiks - die Fahrer wehren sich gegen die Marktöffnung für neue Spediteure - mag ja zweifelhaft sein, aber in Demokratien haben auch Minderheiten das Recht, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, und zwar selbst dann, wenn das anderen schadet. Im vorliegenden Falle spricht einiges dafür, dass die griechische Regierung die Interessen der verschiedenen Betroffenen falsch bewertet. Die Lkw-Fahrer gefährden nicht die Sicherheit des Landes, ebenso wenig die Gesundheit der Menschen. Die meisten blockieren nicht einmal die Straßen, sondern stellen ihre Trucks nur am Straßenrand ab. Die Touristen werden diese Verzögerungen überleben.
Wenn es zu Versorgungsengpässen kommt, muss Athen Streikbrecher anheuern, die die Fuhren übernehmen. In der griechischen Realität wird bekanntermaßen nichts so heiß gegessen wie gekocht - bisher wurden nur ein paar hundert Zwangsbescheide zugestellt. Doch allein schon die Haftandrohung ist ein drakonisches Mittel, das man eher in Diktaturen als in Demokratien vermuten würde. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)

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Posting 1 bis 25 von 58
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Mork vom Ork
01.08.2010 11:48

Lieber Herr Andras ... die LKW-Fahrer in Griechenland haben ein Quasi-monopol. Da gibts dann sowas wie Kontrahierungszwang.

Karlgaard
01.08.2010 10:16

Hohe Geldstrafen sind sicher wirkungsvoller als Haft.

don calvo
01.08.2010 03:36
das ist absurd

"aber in Demokratien haben auch Minderheiten das Recht, ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, und zwar selbst dann, wenn das anderen schadet."

das hat jemand was an demokratien grundsaetzlich falsch verstanden. man darf sich gehoer verschaffen ja, aber eben nur in einer art die keinem schadet. streik ist legitim, aber nicht um privilegien zu verteidigen. zudem steht griechenland an der kippe bankrott zu sein und es kann gut sein, dass dieser streik schon der todesstoss war. massenarbeitslosigkeit und leid weren die folge.
und da sehen sie es gerechtfertigt, dass eine kuenstliche marktbeschraenkung wie jene der fraechter auf kosten des ganzes landes verteidigt wird?

Linksverdreher
01.08.2010 16:31

also das nächste mal wenn die lehrer bei uns streiken um ihre privilegien zu erhalten stecken wir sie in den häfen? na bravo...

Ava Tar
01.08.2010 01:09
Die Gesetzeslage stammt auch noch

aus der griechischen Militärdiktatur (bis 1974)

Hübsche Blüten blühen da in Europa.

Advaita0
31.07.2010 21:22
András Szigetvari hat lieber Geiselhaft eines ganzen Landes

durch eine kleine Gruppe und nennt das Demokratie!?
Oder wie soll man Ihren Artikel auslegen?

Wo sind Sie denn aufgewachsen? In einer Familie wo sich alle vom Knirps terrorisieren ließen?

Lichtfreak
01.08.2010 09:10
Schauen sie das Ganze an!

Die Demokratie wird ausgehebelt, das Volk soll wehrlos gemacht werden.

Wer sich gegen irgendetwas wehrt oder sich organisiert wird krimininalisiert!

Da wird in verschiedenen Ländern der EU getestet was geht! Die Dauerüberwachung kommt und dann werden viele klagen, dass man das ja nicht wollte, aber ja nicht wissen konnte....

flotter denker
01.08.2010 14:17
Wo wird was ausgehebelt?

In Griechenland gibt es eine demokratisch gewaehlte Regierung. Und wenn die dem Volk nicht passt, dann koennen sie die Griechen bei der naechsten Wahl abwaehlen.
Aber nicht wegstreiken.
Und im Uebrigen kann auch Demokratie die ehernen Gesetze einer verantwortungsvollen Finanzpolitik nicht einfach abschaffen. Wuenschen kann man sich viel, aber das Christkind erfuellt nicht alle Wuensche.

grassl
01.08.2010 17:31
wen sollen sie denn wählen, hm?

und wann?
weiterhin viel spass mit dem christkind.

hayseed
31.07.2010 21:11
"Die Touristen werden diese Verzögerungen überleben."

sicher, nur die griechische Tourismuswirtschaft nicht.
Mein 14-jähriger Sohn schreibt realitätsnähere Deutschaufsätze.

fertigprodukt
31.07.2010 20:11

schön, dass es nicht überall so zugeht wie in österreich, wo man sich beinahe täglich auf den kopf sch****en lässt, ohne den mund aufzumachen. es gibt nicht nur ja-sager in europa und weil das geld der EU quasi verpufft ist, ist streik wohl die einzige sinnvolle lösung.

franz der freie
31.07.2010 18:45
lieber herr redakteur!

sie haben das problem anscheinend intellektuell nicht durchschaut. es geht hier um leben und tod und um das rücksichtslose erpressen von wehr- und schuldlosen mitmenschen. ausserdem gibt es in der eu die dienstleistungsfreiheit> schon vergessen ?. solche erpressergemeinschaften sind durch das eu-recht gar nicht erlaubt. griechenland kann nicht das geld der eu nehmen und sich um das recht einen teufel kümmern.

Lichtfreak
01.08.2010 09:12
Lieber Franz

das Geld bekommen nicht die grieschischen Normalbürger!

hansb
01.08.2010 02:39
Lieber Herr 'Franz der Freie'

Sie haben die Realpolitik anscheinend intellektuell nicht durchaut. Nicht 'Griechenland' hat 'das Geld von der EU genommen'; dieses Geld wurde vielmehr überwiegend von ausländischen Heuschrecken-Investore aufgesaugt.

Der einfache Mann von der Straße hat da nichts davon bekommen. Absolut nichts, Nüsse, nada !
Warum also soll sich dieser einfache Mann von der Straße jetzt NICHT wehren dürfen, wo er doch vorher schon nichts abbekommen hat und vom EU-Geld auch nichts ?

christoph hofbaur
01.08.2010 08:02

es protestiert hier aber nicht 'der mann von der strasse', sondern ein haufen privilegienritter, die sich's in der vergangenheit auf kosten anderer gutgehen haben lassen.

die nehmen jetzt den rest des landes in geiselhaft, warum dies jetzt bei auch nur irgendjemanden anderen ausser den lizenzinhabern auf zustimmung stoesst, ist raetselhaft..

Ava Tar
01.08.2010 01:10
Du aber auch nicht

durchschaut und so...^^

nobody83
31.07.2010 16:44
weltfremd und naiv

Hier geht es nicht um einen harmlosen Streik,hier geht es ums nackte überleben Griechenlands,der Streik könnte das Land endgültig über die Klippe stoßen dessen muss man sich bewusst sein,die Drohung des Staates ist Notwehr,das hier ist keine Normalsituation!

Und so einen Stuss habe ich schon lange nicht mehr gelesen,bei aller Solidarität.Dann auch noch der oberkluge Vergleich Diktatur-Demokratie,hier wird das Land von einem Berufsstand aufgrund des Erhalts unverhältnismäßiger Privilegien in Geiselhaft genommen.

Ich möchte mal S. Kommentar lesen,wenn Ö. am Abgrund steht,und dann alle ÖBBler streiken,weil ihre Privilegien gekürzt werden,bis das öff. Leben stillsteht und die Nahrungsmittel knapp werden,das würd wohl leicht anders aussehen!

King Ralph
31.07.2010 16:01
Lösung

Einfach die EU-Frächter jetzt schon nach Griechenland lassen. Die würden sich bestimmt der offenen Aufträge und Fuhren annehmen....die Monopolisten sollen nur weiterstreiken.

Überhaupt ist es für mich ein Rätsel wie Griechenland die Monopolisierung aufrechterhalten konnte. Haben die schon einmal was von Dienstleistungsfreiheit gehört? Und die EU-Kommission kümmert sich offenbar lieber um einfachere Themen....

MiFi
31.07.2010 15:20
Herr Szigetvari,

Sie scheinen in Ihrem Demokratieverständnis mittelschwer fehlgeleitet zu sein ...

Wenn eine kleine Gruppe, die Ihre Pfründe durch das Ausnutzen einer Zwangslage des ganzen Landes schützen will, sind die angedachten und hoffendlich umzusetzenden Massnahmen der Regierung sehr moderat.

roundabout
31.07.2010 14:38
Eine Zeit lang

muß mit Härte durchgegriffen werden um den Augiasstall auszumisten. Danach können die Zügel wieder lockerer geführt werden.

lessismore
31.07.2010 13:57

Aha. Reaganismus. (Die Fluglotsen!). Gelegenheit, daran zu erinnern, wie Reagans "Sanierung" des Budgets ausgegangen ist: In der anderen Richtung nämlich, mit einem höheren Defizit und mit höheren Schulden.

(Aber das betrifft freilich wie immer nur die wirkliche Welt.)

LadyDoolittle
31.07.2010 09:39
Die Auswirkungen diese Streiks sind unverhältnismäßig

Darf eine Berufsgruppe ein ganzes Volk in Geißelhaft nehmen um Konkurrenzbedingungen zu verhindern, die in der ganzen EU Gültigkeit haben?

Auch die ehemaligen Ostblockstaaten mit den niedrigen Preisen haben den westliche Transportfirmen zu schaffen gemacht.

Der Schaden für den Tourismus ist kaum zu ermessen, wer setzt sich dem Risiko aus, unter denen jetzt die Touristen leiden.

"Die Touristen werden diese Verzögerungen überleben."

Wären Sie Unternehmer und Ihre Mitarbeiter kämen längere Zeit aus diesem Grund nicht zur Arbeit?

Der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle Griechenlands. Vom Staatsbankrott ist ganz Europa betroffen.

Prof Slaughterdyke
31.07.2010 14:45
Um ihre Frage zu beantworten:

"Darf eine Berufsgruppe ein ganzes Volk in Geißelhaft nehmen um Konkurrenzbedingungen zu verhindern, die in der ganzen EU Gültigkeit haben? "
Nicht nur ein ganzes Volk - die ganze Welt! Diese Berufsgruppe nennt sich Bankier und war bis in die frühe Neuzeit zurecht geächtet!

Nele_1
31.07.2010 10:31

Nur wenn doch die Gelder aus dem Tourismus in die Staatskassen geflossen wären, was sie aber nicht sind. Und nur so nebenbei. Die TOURISTEN SOLLEN RUHIG MITANSEHEN WAS ENGPÄSSE BEDEUTEN.

der tueftler
31.07.2010 13:30
die touristen sollen mitansehen...

das werden sie, aber nur einmal! selten einen so dummen beitrag gelesen.
so spricht der selbstmörder, der meint, er ärgert mit dem lauten knall des schusses jene, die ihm übel wollen....

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