Preise als intimes Geheimnis

Schmieröl für den Umsatz des Handels

Verena Kainrath, 30. Juli 2010 18:17

Warum am Windel nichts verdient wird, was Semmeln zur Cashcow macht und wie sich polnische Milch um fünf Euro verkauft

Wien - Die Windel ist das Liebkind des Handels. Verdienen lässt sich an ihr nichts, wer sie zu regulären Preisen verkauft, bleibt auf ihr sitzen, und doch reißt sich jeder Supermarkt um die Wickeltücher. So sehr, dass ein deutscher Drogeriediskonter sie einst auch unter dem Einstandspreis vertreiben wollte.

Sie sind neben Toilettenpapier und Bierkisten die Frequenzbringer der Lebensmittelketten. Mehr als die Hälfte von ihnen wird ausschließlich zu Aktionspreisen angeboten. Denn sie holen eine der wichtigsten Zielkunden in die Läden: junge Mütter, die für ihre Familien vor allem viel Gutes und Teures wollen. Der Handelsexperte der Wiener Wirtschaftsuniversität, Peter Schnedlitz, bezeichnet sie als Schmieröl für den Umsatz.

Warum was wo wie viel kostet, gibt Konsumentenschützern manches Rätsel auf. Ihr Versuch, mehr Transparenz in Österreich zu erzwingen, war stets zum Scheitern verurteilt. Denn die individuellen Preiskalkulationen der Unternehmen berühren ihre intimsten Geheimnisse. Nach außen hin werde gelogen, dass sich die Balken biegen, erzählt ein Handelsmanager.

Mischkalkulation ist das A und O des Einzelhandels. Da sind zum einen nur knapp kostendeckende Produkte, die unter dem Strich jedoch für mehr Kunden sorgen sollen: Was Lebensmittelmärkten die Kiste Bier, der Kaffee oder Papierservietten, sind Sporthändlern die Skier und der Elektrobranche die Playstation: Geld verdient sie damit fast keines, mitunter soll es für das Stück lediglich ein paar Euro Aufenthaltsentschädigung geben. Doch sie verspricht gute Zusatzgeschäfte, etwa mit Spielen, in denen ansehnliche Margen stecken.

Üben sich Supermärkte bei Bier und Windel finanziell in Bescheidenheit, schneiden sie bei Sparten wie Tierfutter und Kosmetik kräftig mit. Als Wunderwaffe für satte Gewinne gilt freilich die Semmel. Branchenkenner sehen in der im Handel frisch Aufgebackenen die wahre Cashcow. Zwei Cent kostet das Getreide für ein Stück, für Bio sind es drei Cent. Ein Teigling ist um neun Cent zu haben. Um sieben gibt es ihn aus Deutschland - Ölz holt Teiglinge etwa von Harry Brot für eine Handelskette nach Österreich. In den Supermärkten liegen sie letztlich meist um gut 33 Cent im Feinkostregal. Und das ergibt Aufschläge von mehr als 200 Prozent, mit denen gerne andere Sparten querfinanziert werden.

Markt gibt hohe Preise her

Dass mittlerweile auch Diskonter wie Lidl in den Filialen frisch backen, liege daher auf der Hand, sagt ein Lieferant. Der Markt gebe diese hohen Preise einfach her.

Sensibel ist auch das Molkereigeschäft. Bei Trinkmilch, Naturjoghurt und Butter ist weder für die Industrie noch für den Handel viel drinnen. Zu vergleichbar sind für Kunden Verpackungsgrößen und Preise. Finanziell viel mehr geben da schon die aufgepeppten Mischgetränke in nicht standardisierten Größen her. Für Actimel kauft Danone ihre Milch so etwas überwiegend in Osteuropa ein, um gut 28 Cent den Liter. Mit probiotischen Kulturen angereichert kommt der Liter im Regal dann auf fünf Euro.

Der Handel verdient freilich am besten mit Eigenmarken, gepflegte Biolabels sind der Mercedes im Schaufenster. Höheren Aufwand bedeuten sie allerdings auch: Der Handel trägt bei ihnen Risiken der Entwicklung und Vermarktung.

Zu den Pionieren der Eigenmarken zählt Ikea. Der Einrichtungsriese lässt stark in Asien für sich fertigen. Verkauft wird in Europa oft zehn Mal teurer als eingekauft, sagen Handelskenner. Möbelketten, die bekannte Industrielabels vertreiben, können von derartigen Spannen nur träumen. Sie geben sich mit Aufschlägen von 80 Prozent zufrieden, haben dafür weniger Risiko und verkaufen ab, stellt sich was als Ladenhüter heraus.

Für Geschäfte mit der Mode gilt: Der Verkaufspreis ist im Schnitt drei Mal höher als der Einkaufspreis. Stolze Erträge bleiben überwiegend Ketten wie H&M und Za-ra: Der Anteil ihrer Ware, der abverkauft werden muss, ist geringer als bei vielen Mitbewerbern, Overheadkosten sind begrenzt. Das ergibt Ebitmargen von mehr als 14 Prozent. Schuhketten können mit weniger als der Hälfte rechnen.

Im Lebensmittelhandel sind lediglich Umsatzrenditen von zwei Prozent üblich: Verkauft wird gemäß der knappen Kalkulation zumeist zwischen der 1,3- und 1,6-fachen Höhe des Einkaufspreises.

Die großen Kostenbrocken der Händler sind Standort und Personal. Bei Hofer soll letzteres fünf Prozent der Gesamtkosten ausmachen, bei Billa mehr als zehn Prozent, bei Fachhändlern bis zu 20. Alles darüber lasse sich fast nicht mehr finanzieren, sagen Manager.

Faustregel für Kunden, die dem Handel wenig Profite gönnen: Die Produkte, bei denen er ganz gut mitschneidet, finden sich in den Regalen in Augenhöhe. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)

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El Chó
15.08.2010 00:35

H&M isr super- die tun noch etwas gegen Kinderarbeitslosigkeit...

Heavyweather
01.08.2010 15:26

Ich kaufs beim DM. Da gibts immer 10% Gutscheine und den DM mag ich auch.
Gehts alle zum DM einkaufen...der ist super.

Wudri Hudri
28.08.2010 07:21

Richtig.
Schon alleine das http://de.wikipedia.org/wiki/Götz_Werner ist ein Grund dort zu kaufen.
Die Guten sollen belohnt werden

Heavyweather
28.08.2010 11:41

Auf das will ich hinaus...aber die Leute wollen eigentlich nur hören wo es billiger ist. Mich interessiert auch die Ethik der Firma und wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen.

http://bit.ly/9IWwU0

kiwi99
04.08.2010 13:09
ich kauf nicht beim dm

.. weil ich habe eine bipa karte und da krieg ich auch irgendwelche prozente und ausserdem war der dm beim heurigen dm-frauenlauf so knausrig!

Ubuntor
01.08.2010 13:56

ich habe vor einigen jahren an einer franz. uni ein projekt mit auchan gemacht. damals hat uns einer der manager erklärt, die gewinnspannen an allen produkten insgesamt wären kaum nennenswert. geld machen die nur dadurch, dass der kunde im regelfall sofort bezahlt, auchan die lieferanten aber innerhalb von 90 tagen (oder länger). der großteil des gewinnes ist daher zinsgewinn. würde mich interessieren ob das bei spar, billa etc. in österreich auch so ist, aber ich gehe fast davon aus.

Totaler Durchblicksstrudel
 
01.08.2010 15:52

Die Spannen zwischen Einkauf und Verkauf müssen vorhanden sein, weil daraus die internen Kosten gedeckt werden. Zinsgewinne werden zwar auch in Österreich gerne mitgenommen, machen aber bezogen auf die Spanne nur einen ziemlichen kleinen Satz aus.
Was zum Beispiel interessant ist, dass die Preise bei ein und derselben Kette für ein und dieselbe Ware zum Beispiel in Wien von einem zum anderen Bezirk schon einmal um einige % auseinander liegen kann.

Ubuntor
01.08.2010 17:10

interessant, danke für die antwort!

Kapitalismus Luege
01.08.2010 10:59
werde mir jetzt die Semmeln selber backen

und meine Kinder sollen sich ihre Spiele gefälligst selbst programmieren!

Heavyweather
01.08.2010 15:18

Immer schon feucht halten und bei Minusgraden musst mit dem Mutterteig schlafen gehen ;)

Poldi Fesch
01.08.2010 14:21
die Supermarktsemmeln

sind meist eh zum schmeissen

oba g
01.08.2010 07:32
zehnfaches verkauft...

genau deshalb sind nur wenige produkte in ordnung und alles andere ein echter müll.
wegwerfmöbel, kaputtoptimiert,
ikea war vor 20 jahren in ordnung, mittlerweile wird nur mehr aufs geld geschaut.
der h&m (hinich und meins) des möbelhandels.
schade um die ressourcen
das feigenblatt mit "grünen" erdgastransportern kann sich ikea sparen.

A Voice
01.08.2010 22:09
Ikea muß einem gefallen

aber die Möbel sind qualitativ absolut in Ordnung und zusammenbautechnisch der gesamten Konkurrenz um Häuser überlegen.

Heavyweather
01.08.2010 15:21

Woanders kosten die Spanplatten dann halt das doppelte.
Die guten Vollholzmöbel lassen sich beim Ikea an einer Hand abzählen und woanders kann man sie nicht bezahlen...

Das Beste ist einfach selbst machen. Auch bei Handwerkern ist das doch so. Ich habe mir meine Holztreppe selbst gerechnet und gebaut. Am Ende hat sie ca. 900€ gekostet vs. 8000 vom Tischler.

Poldi Fesch
01.08.2010 17:54
abgesehen davon,

dasz man das koennen musz u. das Werkzeug auch nicht gratis ist, wo hast das Holz her ?

Heavyweather
01.08.2010 21:59

Das Werkzeug: eine japanische Säge für die Zarge und eine Handkreissäge (Die gibts schon um 30€ und für eine Treppe reicht die auch).

Klar muss man das Holz auch wieder im Handel kaufen. Habe zwar auch einen Wald aber da wächst nur Fita und leider keine Birkenplatten (Ikea Arbeitsplatten ;) ).

http://www.myimgs.net/images/lzyt.jpg

Ich gebe aber zu meine Kreissäge war teurer und den Lack und den Kompressor zum spritzen habe ich vom Schwiva. Die Träger für die Wange waren "es gibt immer was zu tun".

jumpingjack flash
03.08.2010 08:53

bravo, schöne arbeit! ich hab auch schon des öfteren ikea platten zweckentfremdet verwendet.
ein kompressor plus spritzpistole und lack gäbs wohl um 150€, oder man lackiert mit schaumstoffwalzen um ein paar euro.
ein bekannter hat sich das holz direkt in einem sägewerk gekauft - war auch viel günstiger und ist ein tipp wenn man stärken/qualitäten braucht die man mit ikeaplatten nicht herstellen kann. die zum zusammenfügen erhältlichen flachdübelfäsen (lamello) gibts ja auch schon sehr günstig.
sie arbeiten sie auch mit der gestellsäge? muss gestehen dass ich vom schwieva eine ganze sammlung geerbt hab, die dinger aber noch nie benutzte.

Heavyweather
03.08.2010 09:55

Die Gestellsäge habe ich mir ausgeborgt aber nicht verwendet. Obwohl ich auf der Uni mal einen Hocker aus sägerauen Brettern nur mit Handhobeln und Gsäge hergestellt habe. Irgendwie auch sinnlos.
Die Japanische Säge kann ich nur empfehlen. sehr präzise und dünne Schnitte.
Ich lackiere auch meist mit Flockenwalzen aber der Schwiva hat es mir auch gleich gespritzt...für mich ist die Sauerrei und der Lackverlust das fragwürdig bessere Ergebnis nicht wert.
Bei welchem Sägewerk kaufst du ein?
Bei beanspruchten Platten würde ich statt Lamello eher Keilzinken fräsen.

jumpingjack flash
03.08.2010 10:25

also ich hab ehrlich gesagt bisher mehr aufschneiden lassen und nur sägerauhes lärchenholz für zäune im sägewerk gekauft - aber z.b. in grosswarasdorf (mittelburgenland) gibts natürlich auch alles gehobelt. wenn man selber transportiert sollte man m.m in den sägewerken in der umgebung fragen ausserdem hat nicht jedes werk immer alles parat.
der bekannte von dem ich oben schrieb hat sich massive gehobelte eichenstaffeln in einem sägewerk in niederösterreich gekauft und mit flachdübel und zwingen einen monstertisch in einem weinkeller geleimt der auch nach jahren noch rissfrei ist. ich hab zwar eine handfräse, aber keinen keilzinkenfräser sprich keine erfahrung wie exakt man das mit handfräse hinbekommt.

Poldi Fesch
02.08.2010 01:07
Ikea Arbeitsplatten :))

Ideone (= gr. Idee)
Was ich mich schon in Baumaerkten geaegert habe ist nicht beschreibbar.

jumpingjack flash
03.08.2010 08:57

also beim bauhaus im 20. bezirk funktioniert es einigermassen klaglos. die auswahl an platten iat auch ok. - tlw. halt wartezeit beim bestellen.
aber die schneiden nur rechte winkel, gehrungsschnitte, schräge schnitte sind nicht drin.
wenn man wo echtholzcbfurnierte spanplatten braucht ist es auch oft billiger ein ikeamöbel (etwa billy) zu zerschneiden als eine ganze platte im bauhaus kaufen zu müssen.
wie ist das in italy - gibts dort auch bauhäuser samt zuschnitt?

Poldi Fesch
03.08.2010 10:31
grosze, also

Obi & co nur im Norden. Die, die wir hier haben, sind relativ klein.
http://www.selfitalia.it/

als Beispiel

Slarti Bartfass
 
01.08.2010 12:36

Ich gebe Ihnen Recht, IKEA war früher mal besser. Aber IKEA Möbel sind auch noch um Ecken besser als preislich gleiche Produkte der Konkurenz. Nach einem notgedrungen kurzen Ausflug zum "Mitbewerb" von IKEA (im südlichsten Bundesland gab es bis vor kurzem keinen IKEA) bin ich mit Freuden wieder bei IKEA gelandet.

jumpingjack flash
03.08.2010 09:04

da haben sie wohl leider recht - es ist halt ein grober rückschritt geschehen. und auch bei den massivholzmöbel ist die holzqualität tlw. sehr mies. das hauptgeschäft macht ikea aber glaub ich mittlerweile mit kleinzeug, dekoartikeln ect.

amber103
31.07.2010 17:51
Artikel aus den frühen 1990ern?

Umsatzrenditen von nur 2% im Lebensmitteleinzelhandel. Das ist schon lange Geschichte. Das war in den 90er. Durch die extreme Konzentration auf wenige Oligopolisten, die sich längst den Markt aufgeteilt haben, konnten die Renditen drastisch gesteigert werden.

Was hier Grundsätzlich übersehen wird, sind die Regalmieten, die inzwischen zu einer regelrechten Gelddruckmaschine wurden.

Daher sind die Margen bei Handelsmarken auch um ein Vielfaches höher als bei Markenartikel und betragen häufig ein Mehrfaches des Einstandspreises. Bei Markenartikel hohlt sich der Handel das Geld über Regalmieten.

Leider wird die gewinnträchtige Monopolwirtschaft sowohl von Gewerkschaften als auch von der Politik unterstützt. Der Konsument ist der Dumme.

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