Martha Argerich als Kammermusikerin
Salzburg - Manches möglich machen: Wäre der Satz nicht durch Werbung verbraucht, er ließe sich als Motto für das Musikprogramm der Salzburger Festspiele verwenden. Konzertchef Markus Hinterhäuser versteht es nämlich, künstlerische Konstellationen in die Wege zu leiten, die es sonst kaum zu erleben gibt. So ergeben sich mitten im riesigen Veranstaltungsgefüge und neben allem Rummel mitunter Begegnungen, die etwas vom Zauber unmittelbarer Interaktion atmen und alle Routine des Betriebs hinter sich lassen.
Eine Garantin für solch unverstelltes Musizieren ist Martha Argerich, die auf Soloauftritte praktisch verzichtet und nur noch zurückhaltend Konzerte gibt. Alles andere als zurückhaltend spielt sie allerdings, wie sie in einem Kammerkonzert mit prägnanten Persönlichkeiten zeigte. Bei einem zweiten Abend am Sonntag werden unter anderem Géza Hosszu-Legocky & The 5 DeVils Volksmusik, Klassik, "Zigeunerjazz" und Filmmusik fusionieren.
Am Donnerstag stattete der Geiger, der sagt, jeder seines Fachs müsse "ein bisschen Zigeuner" sein, Schumanns 1. Violinsonate mit glühend-dunklem Ton und viel Schmalz aus. Zuvor hatte Mischa Maisky Debussys Cellosonate als launisches Ding mit mehr Draufgängerruppigkeit als Klangzauber interpretiert. Dagegen bewiesen Renaud und Gautier Capuçon in Schostakowitschs 2. Klaviertrio, dass Subtilität mitreißender Wirkung nicht im Wege steht.
Argerich verkörperte mit ihrer Präsenz jedenfalls stets das kraftvoll glühende Zentrum überschießender Emotionen. So auch in Schumanns Klavierquintett, bei dem Tochter Lyda Chen-Argerich (Viola) mit fantasievoller Eigenständigkeit in Artikulation und Farbgebung auffiel. Hosszu-Legocky ordnete sich dem Ensemble mit Feinsinn ein, allerdings entkamen ihm doch einige jaulende violinistische Seufzer, die das Geschehen eher störten als Maiskys zentimeterbreites Vibrato - größtmöglicher Gegensatz zum immer fokussierten Ton von Renaud Capuçon. Dass dennoch meist alle an einem Strang zogen, verdankte sich der Wucht, mit der die Pianisten die Sache lenkten. (daen, DER STANDARD/Printausgabe, 31.07./01.08.2010)
Ö1-Übertragung:13. 8., 19.30