Lobbyisten-Branche

"Lobbying-Arbeit ist keine Haberei"

Julia Herrnböck, 30. Juli 2010 17:54

Geldgier und Unprofessionalität Einzelner schaden dem Berufsstand, sagen Politik-Berater und Lobbyisten

Wien - Der Lobbyismus scheint in Österreich der kleine Bruder der Freunderlwirtschaft zu sein, zumindest hängt dieses Image der beruflichen Interessenvertretung an - wenn nicht sogar das Bild des "Leute-Schmierens" in den Köpfen auftaucht.

"Es ist ein Drama" , seufzt Wolfgang Rosam von Rosam Change Communications. Irgendwann sei das Ganze eskaliert, mit dem Verkauf der Abfangjäger, mit Leuten wie Frau Rumpold und anderen dubiosen Beratern. Sie hätten Honorare in der zehnfachen Höhe kassiert und die Branche damit in Verruf gebracht. Einzelpersonen, die mit ihren Kontakten das schnelle Geld machen wollten. "Was da abgeht, geht auf keine Kuhhaut mehr" , ärgert sich der Lobbyist, "die seriösen Berater müssen sich dagegen wehren, indem sie klare Regeln aufstellen."

Unklarer Grenzverlauf

Unklar ist aber schon der Grenzverlauf zwischen Lobbyismus, Public Relations, Political Affairs und Politikberatung. Vieles vermischt sich in Österreich in den Agenturen. "Ich helfe Firmen, wenn sie etwas von der Politik brauchen" , definiert Karl Krammer seine Rolle als Berater für Politik. "Damit meine ich die Politik als Institution, nicht die Parteipolitik." Den Titel Lobbyist hat er abgelegt, zu schlecht sei das Image, zumindest in Österreich. In den USA würde er ihn wiederum zweifelsohne verwenden. Geht Politikberatung ins System hinein, indem etwa ein Politiker gezielt mit Informationen versorgt und vor Entscheidungen beraten wird, werden beim Lobbying primär Verbände oder Unternehmen vertreten, mit dem Ziel, ihre Anliegen den Entscheidungsträgern vor Gesetzgebungen nahezulegen. Man spricht auch von Einflussnahme, ganz offiziell.

Der politische Interessensausgleich wird in Österreich auf Ebene der Sozialpartner geleistet:Arbeiter- , Wirtschafts- und Landwirtschaftskammern sind dafür vorgesehen. Mit dem EU-Beitritt und zunehmender Liberalisierung wurden auch die Interessen komplexer und individueller: "Die Kammern vertreten horizontale Gesamtinteressen - nicht aber die des Einzelnen" , erklärt der EU-Lobbyist Martin Säckl. Nur 20 bis 25 Prozent der Gesetze würden in Österreich entschieden. Säckl kann den Wunsch österreichischer Unternehmen verstehen, die Gesetzgebung in Brüssel beeinflussen zu wollen.

Begehrt sind also Personen, die Erfahrung aus Brüssel oder dem Ursprungsland des Lobbying, den USA, mitbringen. Im besten Fall haben sie eine politische Vergangenheit als Staatssekretäre und waren journalistisch tätig. Sind nur Kontakte wichtig? Dem widerspricht Rosam:"Kontakte sind zwar wichtig, aber zweitrangig." Es gehe dabei eher um die Fähigkeit, Texte knackig aufbereiten zu können. Österreich habe eben genau das Problem, dass Lobbying mit Kontakten und Haberei verbunden sei. "Ein grenzenloses Verschwimmen von Ex-Politikern und PR-Leuten" , wie Rosam sagt.

Wenig Transparenz

Das andere Problem, das Lobbying in Österreich hat, ist der Mangel an klaren Regeln - und somit an Transparenz. Austrian Lobbying & Public Affairs Council (Alpac) und Public Affairs Society Austria (Pasa) haben Verhaltensregeln definiert, die allerdings auf Freiwilligkeit basieren. Ob der Beratereinsatz von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) bei der Hypo Alpe Adria mit diesen Regeln ethisch vereinbar ist, darüber will keiner der Politikstrategen ein Urteil fällen. Lothar Lockl, der nach seiner jahrelangen Aktivität als Bundesparteisekretär der Grünen nun selbst eine Strategie- und Kommunikationsberatung führt, findet grundsätzlich nichts Verwerfliches daran, wenn ein Politiker beratend in die Privatwirschaft geht: "Wir wollen gute Politiker, und die brauchen Perspektiven nach dem politischen Leben, aber mit klaren Regeln." (Julia Herrnböck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)

Kommentar posten
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Muss fragän Schäwh
10.08.2010 08:38
Habe gestern ein Werbeplakat vom bfi gesehen: "Ausbildung zum Lobbying-Spezialisten"

Was gibt's als nächstes? "Ausbildung zum Prostitutions-Spezialisten"?

mikromalist
 
02.08.2010 10:44
Lobbying hat nur deshalb einen

"Markt", weil Politiker(innen) ALLES entscheiden wollen, aber von NIX eine Ahnung haben?

Marlon62
02.08.2010 09:26
"Lobbying-Arbeit ist keine Haberei"..........

........sondern Schmiererei.

Aguirre74
01.08.2010 18:40

Lobbying scheint in Österreich eher die kleine Bruder vom Verbrechen (Amtsmissbrauch) zu sein.

Christian S
01.08.2010 17:39
Ich war nie politischer Lobbyist

habe nur mal kurz als Pharamreferent gerbeitet.

Viele Kollegen schafften es irgendwie, sich und ihre Tätigkeit ernsthaft als beratend aufzufassen. Manche konnten sich sogar einreden, einen wertvollen Beitrag für die Gesellschat zu leisten: Wie sonst soll ein Arzt über die neusten und besten Produkte informiert werden?

Natürlich war es reine Manipulation und Marktverzerrung. Unsere Auftraggeber zahlten viel Geld dafür, dass wir Ärzte manipulieren. So wahr und so einfach ist das.

Mein Punkt ist: Manche Menschen können einen unmoralischen Beruf ausüben und sich dennoch einreden, einer anständigen Tätigkeit nachzugehen.
Wer diese Persönlichkeitsspaltung beherrscht, kann Berater und -vermutlich- auch Lobbyist werden ohne was dabei zu finden.

Regis 1
01.08.2010 16:04
Lobbying-Arbeit ist keine Haberei

und die erde als scheibe ist der mittelpunkt des universums ...

survival of the fattest
01.08.2010 13:45
"Um das Image steht es nicht zum Besten"

Ich sehe auch wirklich keinen Grund, weshalb Lobbying als institutionalisierte Einflussnahme auf die Politik zur Vertretung von Partikular(!)interessen irgendwie positiv besetzt sein sollte.

A Voice
01.08.2010 17:48
Genau das

verstehe ich auch nicht.

Hakuna Matata
 
01.08.2010 10:36
Es herrscht das (wirtschaftliche) Faustrecht wie im Mittelalter

Die arbeitsscheue aber "gstopfte" Schickeria bedient sich der Lobbyisten, um sich ganz offen über die Demokratie zu stellen. Frei nach dem Motto "wer zahlt schafft an".

Die Bevölkerung wählt die Politiker und die Schickeria bestimmt das Geschehen.
Es ist kein Zufall, daß die Gesetze immer haarsträubender werden und die Korruption wuchert ohne wirkliche Konsequenzen.

mfg

H.M.

Sinfioetli
01.08.2010 17:50

neidig?

KTHXBYE
01.08.2010 10:32

Lobbying ist Korruption. Punkt.

Libertarian76
01.08.2010 07:13

Es gibt im Englischen das schöne Wort "Crony Capitalism"
http://www.youtube.com/watch?v=2sSg0xjzIec

feneks
01.08.2010 01:33

"[Die dubiosen Berater] hätten Honorare in der zehnfachen Höhe kassiert und die Branche damit in Verruf gebracht."

Falsch, diese "Berater" haben den Ruf und die Erwartung an diese Branchen voll und ganz erfüllt! So ein Wortverdreher -ähm- Lobbyist natürlich.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
01.08.2010 00:42
Mein aus Naturkautschuk selbstgekneteter

Hauslobbyist und Politikberater Jumpy, empfiehlt allen Lobbyisten und Politikern:

Ating manki toktok tin pipia misis kwin bokis.
May tingting em tok hait. Him kam liklik mun!

Was übersetzt so viel heißt wie:

Kill yourself! All together! Now!

jo eh
01.08.2010 13:19

ihr multifunktionär jumpy wird mir langsam sympathisch;-

serial
31.07.2010 23:42
Es müsste eigentlich heißen

Lobbying-Arbeit ist nur Haberei

jo eh
31.07.2010 23:46

und networking ist nur freunderlwirtschaft

santiago nasar
01.08.2010 10:58
jo eh!

also dann ...
31.07.2010 19:59
stimmt - die banken-lobby in den USA "sponserte"... die demokraten + republikaner

mit je 1 mrd $ f.d. wahlkampf.
in D
werden die "gesetzestexte/-vorlagen"...
(wie z.b. zur verstaatlichung der HRE von privaten RA-kanzleien...freshfield & CO...) geschrieben
- natürlich im sinne der lobby, die sie vertreten !

und w e r in Ö...das bankenrettungspaket (stichwort : parizipationskapital, d.h. KEIN eigentum f.d. steuezahler !) ausverhandelte...
und den entsprechenden text...vorlegte,
ist auch kein geheimnis.

letztendlich sind ALLE IFRS-bewertungsregeln...
nichts als eine "private gesetzgebung", die eben
von privaten-ACCOUNTANTS-COMMITTEE`S
vorgeschlagen - und von den völlig b l a n k e n
eu-mandataren übernommen werden.
d.h.
nichts als (organisierte...) korruption.

jo eh
31.07.2010 19:37

in brüssel wimmelt es nur so von lobbyisten.

man darf annehmen, dass es sich dabei nicht um interessensvertreter für arbeitnehmer, arbeitslose und andere sozial schwache etc handelt.
dementsprechend schaut die politik aus.

http://www.attac.at/2367.html

systemfehler1
31.07.2010 18:31
Haberei? eh nicht.

Offene Korruption.

Haie haben keine Haberer.

das ist alles sehr kompliziert!
 
31.07.2010 18:28
"Lobbying-Arbeit ist keine Haberei"

"Raider ist kein Twix"

willkuer
01.08.2010 13:05
Danke!

Made my day XD

TheWeeklyRevolutionOfficial.Blog.com
31.07.2010 17:50
wenn man schon beteuern muss, dass man nicht in haberei verfällt, ist man eh schon tief gesunken...^^

- The Weekly Revolution -

With Fear I Kiss The Burning Darkness
31.07.2010 13:25
Lobbying-Arbeit geht meist immer auf Kosten der Mehrheit

meist zahlen die Arbeitnehmer und/oder die Konsumenten drauf, und diese Draufzahler wählen dann auch noch die Lobbyisten Partei...

sehr bizarr...

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