Griechenland

"... und irgendwann bleib i dann dort"

30. Juli 2010 17:49
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    Foto: cremer

    Die Streiks der Tank- und Lastwagenfahrer gehen in Griechenland weiter. Während Pauschalurlauber davon kaum betroffen sind, müssen Selbstfahrer um das Weiterkommen zittern.

Als hätte Griechenland nicht schon genug Probleme, jetzt auch noch das: kein Obst, kein Benzin, kein Weiterkommen

Wien - Wer in diesem Sommer einen Griechenland-Urlaub gebucht hat, braucht gute Nerven: Gähnende Leere in den Obst- und Gemüseregalen der griechischen Supermärkte, Tankstellen ohne Benzin und Diesel: Eines der beliebtesten Reiseländer der Österreicher vermiest den Touristen derzeit mit einem Streik der Tank- und Lastwagenfahrer den Urlaub.

"Die Leute haben einfach die Mietwagen stehen lassen und uns die Schlüssel auf den Tisch geworfen" , erzählt Dimitris Siamis, Hotelangestellter auf der Insel Rhodos. Auf der Insel gibt es seit Dienstag kein Benzin mehr. Besonders gebeutelt sind die Familien, die mit Wohnmobilen reisen. Viele Wohnmobilfahrer suchten kurzentschlossen Campingplätze auf und sitzen dort nun fest.

Andere Urlauber können ihre Rückreise nach Hause nicht antreten, weil Busse und Taxis wegen Benzinmangels nicht zum Flughafen fahren können. "Ich weiß nicht, wie ich den Leuten helfen soll. Ich habe selbst keinen Sprit mehr" , berichtet ein Campingplatzbesitzer nahe der Hafenstadt Volos. Hunderte Reisende stornierten wegen der sich zuspitzenden Versorgungslage gar ihren Urlaub. "Wir werden bald kein Frühstück mehr machen können" , räumt ein Hotelier auf der abgelegenen Insel Nisyros ein.

Verunsicherte Kunden

Für das Außenministerium in Wien bestand zunächst kein Grund zur Panik: Am Freitag wurde die Reisewarnung für Griechenland von der Homepage genommen, am Nachmittag, nachdem die Streiks anhielten, aber wieder aktiviert. Reiseveranstalter berichten von verunsicherten Kunden und einer Zurückhaltung bei den Buchungen. Der ÖAMTC rät Griechenland-Urlaubern, noch vor der Grenze vollzutanken und im Land jede Möglichkeit zum Nachtanken zu nutzen.

Laut Verkehrsbüro sind die Buchungen seit dem Vorjahr um etwa zehn Prozent zurückgegangen, so Martin Bachlechner vom Verkehrsbüro zum Standard. Allerdings gebe es einen Trend zu Last-Minute-Griechenlandreisen. Offensichtlich beobachten die Kunden die Lage und entscheiden sich erst spontan. Der Touristiker hält die Sorgen aber zum Teil für unbegründet, da für Reisebusse und Mietautos spezielle Tankstellen zur Verfügung stünden. Stornierung seien eher selten.

Es gebe vermehrt Anfragen über die Situation in Griechenland, auch Stornierungen, diese seien aber nicht kurzfristig aufgrund der Spritversorgung, sondern länger im Voraus erfolgt, berichtet Stefan Bracher vom Eurotours-Reisebüro in Kitzbühel. Bei Tui Österreich häufen sich die Anrufe verunsicherter Urlauber. Man verfüge aber vor Ort über ausreichend Benzinreserven, "alle Transferleistungen können uneingeschränkt erbracht werden" , beruhigt Konzernsprecher Josef Peterleithner. Die Buchungen gehen tatsächlich zurück, allerdings nur im einstelligen Bereich. Durch Last-Minute-Pakete und Sonderangebote versucht Tui, den Griechenlandurlaub seinen Kunden schmackhaft zu machen. "Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gesunken" , sagt Peterleithner. (Andrea, Vyslozil, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7./1.8.2010)

 

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