Im mexikanischen Drogenkrieg kamen heuer mehr als 7000 Menschen ums Leben - In Guadalajara erschossen Soldaten einen der mächtigsten Kartellbosse.
Guadalajara - Die mexikanische Armee hat einen der Chefs des mächtigen Drogenkartells Sinaloa getötet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums widersetzte sich Ignacio "Nacho" Coronel in der Stadt Guadalajara seiner Verhaftung durch Soldaten und wurde auf der Flucht erschossen. Im Norden Mexikos wurden unterdessen 15 Leichen am Straßenrand gefunden, sie wiesen zahlreiche Folterspuren auf.
Vizeverteidigungsminister Edgar Luis Villegas erklärte, die Armee habe in einem Vorort der westmexikanischen Stadt eine Razzia gegen Coronel gestartet, wo er sich in einem Unterschlupf verschanzt hatte. Der 56-Jährige habe das Feuer auf die Soldaten eröffnet. Im anschließenden Gefecht sei er erschossen worden. Bei dem Einsatz wurde laut Villegas auch ein Soldat getötet, ein weiterer wurde verletzt.
Coronel galt als enger Vertrauter des meistgesuchten mexikanischen Drogenbarons Joaquín "El Chapo" Guzmán - eine seiner Nichten soll Guzmán vor drei Jahren geheiratet haben. In Mexiko lagen ebenso wie in den USA Haftbefehle gegen den 56-jährigen Coronel vor, die US-Behörden hatten außerdem für Informationen, die zu seiner Ergreifung führten, eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (3,83 Millionen Euro) ausgesetzt.
Nach Überzeugung der Behörden kontrollierte Coronel den Kokainhandel von Westmexiko über die nördliche Grenze in die USA - die sogenannte Pazifik-Route. Das Suchtgift soll er unter anderem tonnenweise aus Kolumbien bezogen haben. Wegen seiner beherrschenden Rolle bei der Herstellung und dem Handel mit synthetischen Drogen wurde er auch "King of Crystal" genannt.
Gefesselte Tote
Im Norden Mexikos wurden unterdessen erneut Tote an einem Straßenrand gefunden. Die 15 Leichen seien unweit der US-Grenzstadt Brownsville in Texas an der Straße zwischen Ciudad Victoria und Matamoros entdeckt worden, wie ein Behördenvertreter mitteilte. Die Opfer "hatten die Hände gefesselt, die Augen verbunden und wiesen sichtbare Folterspuren auf" , sagte er. Erst vor wenigen Tagen waren in der gleichen Region acht abgetrennte Köpfe gefunden worden.
In Mexiko tobt seit Jahren ein brutaler Kampf zwischen rivalisierenden Drogenbanden, die sich die lukrativen Schmuggelrouten in die USA streitig machen. Seit Beginn einer Regierungsoffensive gegen den Drogenhandel im Dezember 2006 starben rund 25.000 Menschen, allein in diesem Jahr waren es 7000 Menschen. Die USA schlossen aus Sicherheitsgründen auf unbestimmte Zeit ihr Konsulat in der Drogenhochburg Ciudad Juárez an der Grenze zum US-Staat Texas. Im März waren drei Menschen ermordet worden, die im Zusammenhang mit dem Konsulat standen - darunter eine Angestellte. (dpa, AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7./1.8. 2010)