Fini gründet neue Parlamentsfraktion

Anna Giulia Fink, 30. Juli 2010 17:00
  • Quelle: La Repubblica

"Futuro e Libertà per l'Italia" dürfte die nötigen Stimmen haben - Berlusconi nach Ausschluss: "Fühle mich erleichtert, wie nach meiner Scheidung"

34 Anhänger zähle man bereits in der Abgeordnetenkammer, schreibt die Tageszeitung La Repubblica, die nötigen zehn Unterschriften im Senat seien ebenfalls bereits erreicht: Gianfranco Fini wird nicht nur nicht zurücktreten, er scheint auch seine eigene parlamentarische Fraktion aus der Taufe gehoben zu haben. "Futuro e Libertà per l'Italia", "Zukunft und Freiheit", soll sie heißen, das Programm beschränkt sich derweil auf folgende Aufgabe: Die Regierung stehe nicht auf der Kippe, man werde auf einer Linie sein mit der Regierung: "Wir werden die Regierung unterstützen, aber ungerechten Entscheidungen entgegenwirken." Das ließ der Präsident der Abgeordnetenkammer im italienischen Parlament auf einer Pressekonferenz verlautbaren, die einberufen wurde, nachdem Fini tags zuvor aus dem Regierungsbündnis geworfen worden war.

Ausschluss Finis

Donnerstag Abend hatte sich Premier Silvio Berlusconi mit einem Knalleffekt nach knappen 17 Jahren Zusammenarbeit von seinem einstigen Weggefährten, dem Chef der Alleanza Nazionale, getrennt. Der Großteil des PdL-Vorsitzes hatte dafür gestimmt, 33 Pro- gegen drei Gegenstimmen. Zu viele Streitereien, zu viele Unstimmigkeiten, zu viel Aufmucken. Im Frühjahr 2009 hatten Fini und Berlusconi gemeinsam das Mitte-Rechts-Bündnis "Popolo della Libertà" ins Leben gerufen. "Mir geht es schlecht und es tut mir im Herzen weh, aber man kann so meiner Meinung nach nicht weitermachen."

Wegbegleiter Berlusconis hätten versucht, ihn von dieser Entscheidung abzubringen, schreibt die Repubblica, der Premier selbst aber habe gekontert: "Es ist unmöglich, es hat zu viele Versuche gegeben, die ohne Ergebnis geendet sind. Wir haben aufgrund der Streitereien und ständigen Attacken sechs Prozentpunkte verloren in den Umfragen." Der Präsident der Abgeordnetenkammer, solle die Konsequenzen daraus ziehen und sein Amt zurücklegen, polterte der Regierungschef. Fini aber zeigt sich davon unbeeindruckt.

"Ich bleibe, wo ich bin"

"Ich wurde aus der PdL gejagt, ohne die Möglichkeit zu haben, mich selbst zu verteidigen", sagt Fini heute. Er werde nicht zurücktreten, "ich bleibe, wo ich bin", sagte er gegenüber der Zeitung Il Foglio am Vortag des PdL-Parteitages. Da bekräftigte Fini einmal mehr, er habe keinerlei Absicht, die Partei zu verlassen. Oder, seinen Posten abzugeben: Schließlich habe ihn nicht die Partei in sein Amt gewählt, sondern die Parlamentarier. Finis erklärtes Ziel war es bisher, in der PdL zu verbleiben. Nun stellt er die Weichen für eine neue Partei der "Finianer", wie italienische Medien die Abtrünnigen nennen. "Gestern wurde ein hässliches Kapitel der Mitte-Rechts-Politik geschrieben", sagte Fini auf der Pressekonferenz Freitag Nachmittag.

Berlusconi ist "ein Stein vom Herzen gefallen"

"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagt Berlusconi kurz nach Verkündung des Ausschlusses. Er fühle sich befreit, "ähnlich wie nach meiner Scheidung", ätzt der Premier. Endlich Klarheit nach den vielen Unstimmigkeiten. Die Kluft innerhalb des Regierungsbündnisses, die sich laut Opposition nicht mehr verstecken lasse, ist für den Premier nun erst gar nicht mehr existent: "Die Regierung ist stabil, auch wenn die Medien gerne eine andere Geschichte erzählen würden", versichert Berlusconi auf einer auf Video übertragenen Pressekonferenz. Tatsächlich dürfte die Koalition allerdings wesentlich geschwächt aus der Abspaltung hervorgehen - vor allem dank der Unterstützung der rechtsföderalistischen Lega Nord unter Umberto Bossi, der jetzt zum stärksten Verbündeten Berlusconis aufrückt.
Gelingt Fini die Gründung einer eigenen Fraktion, könnte der 58-Jährige damit bei kritischen Abstimmungen in Zukunft zum Zünglein an der Waage werden. Die Opposition spricht von einer Regierungskrise in Rom: "Eine Krise ist ausgebrochen", sagt Pier Luigi Bersani, Chef der größen Oppositionspartei in Italien, dem Partito Democratico (PD). Berlusconi gibt sich dennoch gelassen: "Ich bin Unternehmer, ich bin Risiken gewohnt."

"Alles noch Zukunftsmusik"

Muss Berlusconi tatsächlich jemals um seine Mehrheit bangen, wird er sich einen weiteren Partner suchen, mutmaßen italienische Medien. So schreibt die Stampa, dass davon auszugehen sei, dass die UDC (Union der Christdemokraten und Zentrumsdemokraten) unter Pier Ferdinando Casini bis Ende des Sommers dem Regierungsbündnis beitreten werde. Weitere Alternative: Die Ausrufung von Neuwahlen. Fehlt die Mehrheit, ist das Land nicht regierbar, das Staatsoberhaupt müsste das Parlament auflösen. Angst vor einem verfrühten Wahlgang habe Berlusconi nicht, lässt er ausrichten. Die Stampa mutmaßt außerdem, dass Berlusconi Fini abgesägt habe, um Neuwahlen zu provozieren. "Alles noch Zukunftsmusik", schreibt die Stampa weiter, jetzt, kurz nach dem Absägen, befinde man sich noch in der "Guerilla-Phase".

"Er hat gedacht, mich erpressen, mich in die Knie zwingen, mir den Hals aufschneiden, mir Angst machen zu können, indem er die Unterschriften im Parlament für seine Zwecke gesucht hat. Ihm ist nicht klar, dass er mir mit solchen Schelmen-Methoden nicht kommen kann. Wir werden sehen, wieviele Abgeordnete sich auf seine Seite stellen werden." Der Premier ist in Kriegslaune, nach monatelanger Zankerei holt er zum Frontalangriff aus: "Das Vertrauen ist weg, es ist zu viel passiert."

"Kalte Hochzeit"

Fini hatte seit langem Berlusconis autoritären Führungsstil sowie den wachsenden Einfluss der Lega Nord kritisiert. Der Bruch zwischen Fini und Berlusconi wurde mehrmals vorhergesagt. Eine "kalte Hochzeit" nannten Medien die Integration der Alleanza Nazionale in Berlusconis "Volk der Freiheit". Fini gab sich stets als Streiter für die strikte Respektierung von Verfassung und Justiz sowie für eine konsequente Linie hinsichtlich Legalität in Partei und Regierung - nach seiner Auffassung etwa sei in einer Partei kein Platz für verurteilte Politiker. Auch die Entschärfungen im jüngsten Entwurf für die Abhörgesetze, die die Möglichkeiten der Staatsanwälte und Journalisten für Ermittlungen deutlich beschränken, gingen auf Finis Kappe. (fin, derStandard.at, 30.7.2010)

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-Nathan-
 
01.08.2010 14:45
- 1000 € netto für alle Parlamentarier:

http://diepresse.com/home/poli... ern.portal

Paul Muadib
31.07.2010 04:59
Dieser Berlusconi...

...ist doch schlicht und einfach nicht ganz dicht.
Allein die Diktion...!?

Cello Swiss
31.07.2010 00:35
Mickey Mouse

Berlusconis Mickey Mouse Partei hat einen Mann vom Kaliber eines Gianfranco Fini nicht verdient.

Gut, dass sich die beiden trennen. Italien hat wahrlich besseres verdient.

Freie Welt
31.07.2010 00:32
Eigentlich unfassbar

Allein schon die Wortwahl Berlusconis - würde das einer unserer Politiker auch nur im Ansatz sagen, müsste er flugs zurücktreten.
Mir erscheint die italienische Politik immer mehr wie ein nicht enden wollende Opernaufführung, ein nicht ganz ernst gemeintes, perpetuirendes Vermächtnis von Giuseppe Verdi.

Josef Weinheber
31.07.2010 09:08
Schickt unsere Justizler nach Italien

Auch bei uns treten Politiker meist erst dann zurück wenn ihnen der Staatsanwalt schon mit dem Achter wachelt. Das passiert bei uns, dank karriereschonender Voruntersuchungen und Rechtssprechung der Justiz, höchst selten.

Insofern sind uns italienische Richter und Staatsanwälte in mehrfacher Hinsicht schon um Jahre voraus. Berlusconi samt seltsamer Getreuer und deren zweifelhaften Machenschaften sind seit Jahren im Visier der Justiz und konnten gröberes Ungemach bisher nur durch Anlassgesetzgebung verhindern.

Bei uns darf man getost das Gefühl haben dies wäre undenkbar. Diese Justizministerin ohne rosarote Brille(n) und mit dicker Suppe bei Politikern oder Promis? Eher wird da ein amtierender LH amtlich zum Kretin erklärt.

Schinkenfleckerl 3000
30.07.2010 22:27
Unterm Duce hätts das nicht gegeben!

"Futuro e Libertà per l'Italia"......die neue Partei der Ex-Neo-Faschisten. Also quasi BZÖ ala italiana.

Zeit wärs, dass die Italiener sich dieses Gesindels (Berlosconi, Fini, Bossi,....) entledigen. Aber denen gfallt das ja leider Gottes.....

Poldi Fesch
31.07.2010 11:02
dumm oder

einfach ahnungslos ?

-Nathan-
 
31.07.2010 15:26
beides glaub ich.

Poldi Fesch
31.07.2010 16:25
koennte

gut sein

Schinkenfleckerl 3000
31.07.2010 18:13

Ist der Fini kein Ex-NEO -Faschist und das MSI war ein Bollwerk der Linken? Dann hab ich mich wohl geirrt.
Das Fini sich gewandelt hat ist mir auch klar, Sympathietraeger ist er fuer mich trotzdem keiner....hoechstens das kleinere Uebel im Vergleich zu Berlusconi oder der Lega. Und dass die Italiener sich den Cavaliere selbst zuzuschreiben haben (zum dritten mal wenn ich nicht irre) zeugt wohl von einem gewissen Gefallen an solchen "Politicanti"

Poldi Fesch
31.07.2010 18:39
?? ja, und ?

Fini ist ein eher buergerlich liberaler Politiker mit einem ueberraschend hohen Rechtsstaatsbewusztsein, wie man es auch bei der it. Linken selten findet. Es ist jedenfalls ein ganz anderes Kaliber als die BZOe -Kasperln.

Schinkenfleckerl 3000
02.08.2010 14:38

Ja, da haben Sie recht. Aber "Futuro e Libertà per l'Italia" klingt halt auch wirklich ein bisschen nach "Bündnis Zukunft", nicht wahr?

Und eine gewisse Antipatie bzgl. Fini wird mir wohl immer bleiben.....dafür hat er eine zu ungustiöse Vergangenheit.

Poldi Fesch
02.08.2010 14:47
da muesste man mehr

ueber die anni del piombo wissen. Heute sinds es 30 Jahre, dasz der Anschlag in bologna war

http://www.youtube.com/watch?v=KX0oCbQ6jFo

Schinkenfleckerl 3000
02.08.2010 20:50

.....echt nicht deppert gemeint, aber was hat das mit Fini/bzw. meinem Post zu tun? Dass das in Bologna Leute waren die seiner damaligen Ideologie nahe standen (Ordine Nuovo/Nuclei Armati --> Teils MSI Mitglieder!) die im Auftrag von wem auch immer (Gladio/SISMI/CIA/P2/etc etc) gehandelt haben?

Ich häng grad und bitte um Aufklärung.....

Poldi Fesch
02.08.2010 21:28
das man schlicht

nicht weisz, wer damals was wollte bzw. nicht wollte

Schinkenfleckerl 3000
02.08.2010 22:13

Das Faschismus eine verbrecherische Ideologie ist? Halte ich für Common Sense.....

Poldi Fesch
02.08.2010 22:51
das ist

Fini, aber nat. unscharf

plentn
31.07.2010 21:58

fini ist viel, aber sicher nicht liberal. er ist militaristisch, nationalistisch und -ganz nebenbei- für das unsägliche bossi-fini einwanderungsgesetz verantwortlich.

Poldi Fesch
01.08.2010 11:07
das EinwanderungsG.

ist leicht schlecht ? Nicht oester. Verhaeltnisse auf Italien umlegen

plentn
02.08.2010 07:23

ö ist nicht das mass aller dinge, keine sorge.

Poldi Fesch
02.08.2010 10:15
das ist schon

richtig, aber Migrationsdruck hat es praktisch keinen, im Gegensatz zu Italien

Faun
30.07.2010 22:23

eine Politkultur der Kopfgeburten. Schön wenn man in einer Demokratie den mit Abgabenzahlung schwer beschäftigten Staatsbürger nicht mit Wahlen noch extra belasten muss, oder?

das poppende lottchen
30.07.2010 22:00
das spiel der mächtigen geht weiter: alte parteien, neue parteien, spaltungen, bündnisse, krisen, versöhnungen - und das personal bleibt stets das selbe und genießt pfründe und privilegien.

ein paar naivlinge - besonders die ahnungslosen im ausland, die bei italien ins schwärmen geraten und das land so "romantisch" finden - glauben, es ginge noch um politik.
nein, es geht um den reinen selbsterhalt der "casta politica", die fürstlich bezahlt vor sich hin sumpert.
fast jeder, der einmal diesen abenteuerspielplatz für profilierungsneurotiker und geldgierige borderliner entdeckt hat, bleibt ihm treu. wer glück hat, dämmert noch als halbseniler "senatore a vita" dem ende entgegen.
weil viele italiener diesen zirkus, dessen fleißigste schwätzer sich bei bruno vespa & co. gerne selbst plappern hören, ignorieren und dadurch tolerieren, existiert diese klasse unfähiger nichtstuer weiter. auf kosten der steuerzahler. vergognatevi!

Poldi Fesch
31.07.2010 11:05
ja ja diese

Halbseidenen. Wie diese da, beispielsweise

http://it.wikipedia.org/wiki/Rita... Montalcini

-Nathan-
 
31.07.2010 15:30
hör doch auf.

ich hoffe, sie bleibt uns weitere 20 Jahre erhalten...:)

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