Hatten die US-Truppen doch Hinweise auf den untergetauchten Al-Kaida-Führer?
Paris - Seine Spur haben die Geheimdienste entsprechend ihrer
öffentlichen Darstellung bereits seit Jahren verloren. In den
Afghanistan-Dokumenten, die das Internetforum WikiLeaks veröffentlicht hat,
taucht der Name von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden allerdings immer wieder auf.
Die Dokumente aus der Zeit zwischen 2004 und 2008 zeigen, dass der
Extremistenchef in dieser Zeit offenbar aktiv in den Kampf gegen die vom Westen
unterstützte afghanische Regierung und die internationalen Truppen am Hindukusch
eingreift.
Treffen mit Rebellenführern in Pakistan
Aus dem Bericht Nummer 20060816155041SPV6092076699 vom 16. August 2006, den
das auf Enthüllungsgeschichten spezialisierte Internetforum WikiLeaks ins
Internet gestellt hat, geht hervor, dass Bin Laden einmal pro Monat an einem
Treffen von Rebellenführern teilnimmt. Diese werden demnach entweder in der
pakistanischen Stadt Quetta an der Grenze zu Afghanistan oder in einem nahe
gelegenen Dorf abgehalten.
"Die vier wichtigsten Personen, die dem Treffen beiwohnen, sind Mullah Omar,
Osama bin Laden, Mullah Dadullah und Mullah Baradar", heißt es in dem Dokument.
Während der Militärchef der Taliban, Mullah Baradar, Mitte Februar in Pakistan
gefasst wurde und der afghanische Taliban-Kommandant, Mullah Dadullah, im Mai
2007 bei einem NATO- Einsatz ums Leben kam, ist der Taliban-Führer Mullah Omar
wie Osama bin Laden weiter auf der Flucht.
Im Verlauf einer solchen Zusammenkunft der vier Männer hätten etwa wenige
Tage vor dem 16. August 2006 mehrere Selbstmordattentäter den Auftrag erhalten,
eine Serie von Anschlägen in Afghanistan zu organisieren, heißt es im Bericht
weiter. Sie erhielten den Angaben zufolge jeweils 50.000 Dollar (38.258 Euro)
und die Zusicherung, dass ihre Familien versorgt seien.
Auftrag zu Anschlägen auf Karzai
Der Bericht Nummer 200409011000031NAA6600800000 vom 1. September 2004 belegt,
wie Osama bin Laden persönlich einen Auftrag zu Selbstmordattentaten erteilt.
Drei "bewährte Terroristen" seien von ihm beauftragt worden, auf den
afghanischen Präsidenten Hamid Karzai Anschläge zu verüben. Sie sollten demnach
mit gefälschten Pässen als Journalisten nach Afghanistan einreisen und während
einer Pressekonferenz von Karzai Kameras oder Aufnahmegeräte mit Sprengstoff zur
Explosion bringen.
Dem Dokument mit der Nummer 200607144000042SVF7746377769 vom 14. Juli 2006
zufolge bedachte der Extremistenführer eine junge Frau mit Geschenken für ihre
Fähigkeiten beim Bombenbau. Diese habe sie sich während eines dreijährigen
Trainings in einer Koranschule angeeignet.
Gift nach Osamas benannt
Der Bericht 20080501000042SXD26006400 vom 1. Mai 2008 zeigt wie mehrere
andere Dokumente, wie bin Laden als ideologische Instanz im Kampf gegen die
internationalen Truppen in Afghanistan auftritt. Darin heißt es, der Hersteller
eines Gifts habe die Substanz "Osama Kapa, zu Ehren Osama bin Ladens" genannt.
Mit ihr sollte das Trinkwasser von Soldaten vergiftet werden. (APA/sda)