"Besser als Berlin?"

30. Juli 2010 13:40

Deutsche Kunstzeitschriften widmen sich verstärkt dem Schaffen in Österreich

Wien/München - Österreich steht derzeit bei deutschen Kunstzeitschriften hoch im Kurs. "Wien rockt!" behauptet das in Hamburg erscheinende Kunstmagazin "art" in seiner bereits im Handel befindlichen August-Nummer und stellt in seiner Cover-Geschichte über die neue Wiener Szene ("international, wild und politisch") die Frage: "Besser als Berlin?" Die Münchner Zeitschrift "Weltkunst" bringt nun in wenigen Tagen gleich ein ganzes Österreich-Spezialheft an die Kioske.

"Immer noch gutgefüllte Etats"

"Österreich, das sind die Schlösser, Paläste, Barockkirchen und Kunstsammlungen einer Monarchie, die ein Weltreich regierte; Österreich, das ist eine Insel der Seligen für die Kultur mit immer noch gutgefüllten Etats und einem beglückenden Reigen von Musikfestivals, Theater- und Kunstevents; es ist ein kreatives und innovatives Land", zeigt sich Chefredakteur Holger Christmann in seinem Editorial überzeugt, "Und längst dreht sich nicht alles mehr nur um Wien. Städte wie Graz, Salzburg, Linz und Bregenz haben sich international durch ihre Museen, Ausstellungshäuser und avancierte Architektur einen eigenen Ruf erworben."

Für das Titelbild veranstaltete "Weltkunst" ein eigenes Shooting von Fotograf Stefan Armbruster mit Model Ilvie Wittek im Kunsthistorischen Museum (KHM). Die Museumsleitung scheint Gefallen daran gefunden zu haben - und rekrutiert für eine Performance die Models gleich aus dem eigenen Personal: Am 9. August wird das Haus zwischen 16 und 18 Uhr zum Schauplatz eines von Performance- und Fotokünstlerin Irene Andessner inszenierten zweiteiligen Tableau vivant. Dabei werden KHM-Generaldirektorin Sabine Haag, Gemäldegalerie-Direktor Karl Schütz und andere "Art Protectors" (so der Titel) zu Gruppenbildern nach dem Vorbild der holländischen Regentenbilder der Haarlemer Schule arrangiert. Damit möchte das KHM auf seine im September startenden Ausstellung "Das holländische Gruppenporträt" aufmerksam machen.

Das KHM werde spätestens mit der Wiedereröffnung der Kunstkammer 2012 "wieder unübersehbar ein 'Haus der Weltkunst'", heißt es in einem "Weltkunst"-Artikel über das "Comeback einer Schatzkammer". "Weltkunst" ist auf den Geschmack gekommen: Für die zweite Jahreshälfte ist bereits ein eigenes Wien-Spezial in Planung. (APA)

das poppende lottchen
30.07.2010 19:05
wien musste und muss sich international messen lassen.

also mit paris, barcelona, stockholm, new york etc. nicht nur mit berlin, denn eine rein deutschsprachige "konkurrenz" bei kunst, design, architektur, mode usw. wäre völlig lächerlich.
und von außen her betrachtet finde ich es auch nicht gut für deutschland, wenn berlin dort als höchster und bester maßstab gilt. natürlich kann man dort preiswerter leben als in köln oder münchen. es gibt fantastische möglichkeiten. aber erstens ist jeder hype schädlich (weil er zur saturiertheit führt) und zweitens war deutschland immer schon von mehreren vitalen künstlerischen zentren geprägt. dass man teilweise nur noch berlin gelten lässt und den rest quasi zur deutschen provinz erklärt, sehe ich mit unbehagen. das tut niemandem gut, auch nicht berlin.

Franz Klug
30.07.2010 22:35
Stimmt:Wien muss sich international messen lassen

aber auch da schneidet es sehr gut ab. Wenn man die Dichte der täglichen Kulturveranstaltungen nimmt dann steht Wien weltweit sehr gut da. Und wie im Bericht erwähnt: es gibt in Österreich von Wien bis Bregenz Tausende gute Kulturveranstaltungen: 20 000 waren im Falter Kultursommer/Österreich.
In Deutschland ist die kulturelle Zuspitzung auf Berlin mehr ein Mythos als Realität: München hat noch immer eine gute Theater und Opernszene. Detto Hamburg/Frankfurt/Stuttgart/Dresden. In der bildenden Kunst ist Köln: Art Cologne und Kassel "Documenta" Weltspitze.
Spannend wäre einmal ein genauer Kulturvergleich der deutschsprachigen Länder CH, D, A. mit anderen Länder. Meine These: Wir, CH,D,A, sind Weltspitze mit unserer kult. Infrastuktur :-)

a grünes stricherl
 
31.07.2010 00:56
allerdings wird diese infrastruktur hier in hamburg gerade radikal

zusammengestrichen.

dito in berlin.

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